Als Anfang April 1886 in der Allgäuer Zeitung stand, dass Johann Baptist Abt das Huf- und Wagenschmiedegeschäft an der Burgstraße in Kempten übernommen hat, dachte noch niemand an den darauffolgenden Erfolgsweg.

Aus der Schmiede von einst ist inzwischen Abt Sportsline geworden. Der weltgrößte Veredler für Fahrzeuge aus dem Volkswagen-Konzern. Dazu eines der erfolgreichsten internationalen Motorsportteams sowie ein Pionier der Elektromobilität. Jetzt feiert das Familienunternehmen seinen 125. Geburtstag.

Der Werdegang

Auch wenn 1896 sportliche Autos noch keine Rolle spielten, war Johann Baptist Abt bereits ein kreativer Kopf. Er entwickelte seinerzeit eine Kufenkonstruktion, mit der man Pferdefuhrwerke optimal auf Winterbetrieb umrüsten konnte. In den 1960er Jahren entwickelte sich aus den ersten Motorsporteinsätzen das klassische Tuning.

1980 bringt Abt die erste elektronische Leistungssteigerung auf den Markt. Es folgen Karosserie-Anbauteile, Felgen, Fahrwerke und edle Individualisierungen. Seit 1991 firmiert das Unternehmen als Abt Sportsline und hat seinen Sitz an der inzwischen nach Hans-Jürgen Abts Vater benannten Johann-Abt-Straße in Kempten-Leubas. 2021 ist Abt Sportsline nicht nur von Kiel bis nach Kempten präsent, sondern zusammen mit Partnern auch in mehr als 60 Ländern der Welt am Markt.

Abt im Motorsport

Die Passion der „Äbte“ für Automobilrennen beginnt 1950, als Johann Abt mit gerade einmal 14 Jahren in einem DKW „Meisterklasse“ mit der Startnummer 7 auf der Grasbahn in Kempten antritt und einen Podiumsplatz erringt.

Der Enkel des Firmengründers wird mit rund 300 Erfolgen ein Dauersieger und legt damit das Fundament für Abt Sportsline. Zu den Höhepunkten zählen der STW-Titel 1999 mit Christian Abt, der DTM-Titel 2002 mit Laurent Aiello und der Triumph in der Elektro-Rennserie Formel E 2017 mit Lucas di Grassi.

In allen drei Championaten setzt sich Abt gemeinsam mit starken Partnern als Privatteam gegen die Konkurrenz großer Hersteller durch. Als Werksteam der Marke mit den vier Ringen weist ABT Sportsline eine einzigartige Bilanz vor. Die Kemptener haben in Kooperation mit Audi im Motorsport seit Mitte der 1990er-Jahre insgesamt acht Fahrer- und sieben Teamtitel gewonnen.

Zum 125. Firmengeburtstag starten zwei neue Motorsport-Projekte. 2021 tritt das Abt Cupra XE Team in der brandneuen Offroad-Elektro-Serie Extreme E an. Außerdem schickt Abt in der 2021er-DTM-Saison in Eigenregie gleich mehrere Audi R8 LMS ins Rennen.

Elektromobilität bei Abt

Seit mehr als 10 Jahren konzentriert sich Abt auch auf die Elektromobilität. Bei den Straßenfahrzeugen auf den e-Caddy und den e-Transporter auf Basis des VW T6.1 und im Motorsport auf die Formel E. „Wir sehen Veränderungen schon immer als Chance und nicht als Risiko“, sagt Hans-Jürgen Abt. Zudem arbeitet Abt zusammen mit der Hochschule in Kempten an Projekten mit Wasserstoff und der Brennstoffzelle.

Hans-Jürgen Abt zum Jubiläum

„Vieles hat sich verändert seit diesen ersten Tagen – die Welt, die Menschen, das Automobil, unsere Sicht auf die Dinge. Eines jedoch haben wir immer bewahrt: Unsere Leidenschaft für spannende, neue Technologien, Abenteuer und manchmal ungewöhnliche Wege.“ Der Geschäftsführende Gesellschafter leitet die Geschicke der Firma mit ihren 200 Mitarbeitern, die ihren Sitz immer noch im Herzen des Allgäus hat, inzwischen in der vierten Generation. „Ein Jubiläum wie dieses ist für mich immer auch ein perfekter Anlass, um von ganzem Herzen Danke zu sagen. Meiner Familie, unseren Kolleginnen und Kollegen in aller Welt, allen Partnern im Tagesgeschäft und im Motorsport, den Fans an den Rennstrecken und natürlich unseren Kunden, die uns permanent fordern und anspornen.“

Die Geburtstags-Projekte

Der überlieferte „Geburtstag“ von ABT ist der 1. April 1896. An diesem Tag übernahm Johann Baptist Abt laut Anzeige in der „Allgäuer Zeitung“ die Schmiede in Kempten. 2021 steht ganz im Zeichen des Jubiläums. Auf der Straße mit dem auf 125 Exemplare limitierten Abt RSQ8-R. Ein noch geheimes Projekt basiert auf einer bei Abt Sportsline seit vielen Jahren zu immer neuen Höchstleistungen getriebenen Baureihe. Fans dürfen sich auf eine automobile Zeitkapsel freuen und der Extrem E geht mit der Startnummer 125 ins Rennen.

Dietmar Stanka
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