Mit der Automobilwettfahrt Paris–Rouen am 22. Juli 1894 jährte sich die Geburtsstunde des Motorsports am 22. Juli 2019 zum 125. Mal.

Die Automobilwettfahrt von Paris nach Rouen im Jahre 1894 war gleichermaßen der Beginn des Motorsports von Mercedes-Benz. Den ersten Preis erhalten Fahrzeuge mit Daimler-Motoren der Hersteller Panhard & Levassor sowie Peugeot, und ein Benz Vis-à-Vis von Émile Roger erhält den fünften Preis.

Ein Wettbewerb um Zuverlässigkeit und Alltagstauglichkeit

Während im heutigen Motorsport die Zeit die größte Rolle spielt, um aufs Podium zu kommen, stand 1894 die Zuverlässigkeit und Alltagstauglichkeit im Vordergrund. Wobei die Zuverlässigkeit von Mensch und Maschine auch jetzt noch unabdingbar für einen Erfolg ist.

Gewinnen soll 1894 das Fahrzeug, das am besten die Kriterien erfüllt, „ohne Gefahr zu benutzen, leicht zu bedienen und nicht zu teuer im Betrieb“ zu sein. („être sans danger, aisément maniable pour les voyageurs et de ne pas coûter trop cher sur la route“). So hat es die Zeitung „Le Petit Journal“ festgelegt, Ausrichterin dieses ersten Wettbewerbs Paris–Rouen.

Rund 30.000 Menschen eilen in den frühen Morgenstunden an den Porte Maillot nahe dem Bois de Boulogne in Paris. Das Starterfeld reicht vom Dampftraktor bis zu modernen Automobilen mit Motoren nach Daimler-Lizenz (zusammen sind es neun Fahrzeuge) und einem Benz Vis-à-Vis. Dieser wird von Émile Roger gefahren, dem französischen Importeur von Benz & Cie. Insgesamt starten 15 Automobile mit Verbrennungsmotor und sechs Dampfwagen. Das Ziel in Rouen erreichen immerhin 17 Fahrzeuge.

Die Fahrt von Paris nach Rouen

Automobilpionier Gottlieb Daimler und sein Sohn Paul sind mit dem Automobil beim Start dabei. Zwei Jahrzehnte später erinnert sich Paul Daimler in einem Artikel, der in der „Allgemeinen Automobil-Zeitung“ erscheint, an die Eindrücke: „Wir selbst begleiteten im Wagen das Rennen. Es war ein eigenartiges Schauspiel, diese so grundverschiedenen Wagentypen sich in Geschwindigkeit messen zu sehen.

Die Heizer der schweren Dampfwagen schweißtriefend, von Ruß überzogen, schwer arbeitend mit Aufschütten von Brennmaterial, die Fahrer der kleinen Dampfdreiräder, dauernd den Druck und Wasserstand im kleinen, kunstvoll gefügten Röhrenkessel beobachtend und die Ölfeuerung regulierend. Im Gegensatz dazu die Fahrer der Benzin- und Petrolwagen ruhig auf dem Lenkersitz, hie und da einen Hebel betätigend, wie nur rein zum Vergnügen fahrend. Ein ganz eigenartiger Vergleich und mir zeitlebens unvergesslich.“

Der mit 5.000 Franc dotierte Hauptpreis „Prix du Petit Journal“ wurde unter den Herstellern Peugeot und Panhard & Levassor aufgeteilt. Beide Fahrzeuge werden von einem Daimler-Zweizylindermotor in V-Form angetrieben, der rund 2,6 kW (3,5 PS) leistet und von Panhard & Levassor in Lizenz gebaut wird.

Weitere Höhepunkte von Mercedes-Benz im Motorsport in Frankreich

Das Geburtsjahr des Markennamen Mercedes ist 1901. Der Anlass war die Rennwoche von Nizza, die der Mercedes 35 PS beherrschte. 1908 siegte Christian Lautenschlager auf Mercedes vor zwei Rennwagen von Benz im Großen Preis von Frankreich in Dieppe. 1914 feierte das Mercedes-Team einen Dreifachsieg beim Großen Preis von Frankreich in Lyon.

In der Ära der ersten Mercedes-Benz Silberpfeile (1934 bis 1939) siegte die Stuttgarter Marke unter anderem bei den Großen Preisen von Frankreich 1935 und 1938 in Reims und den Großen Preisen von Pau 1938 und 1939.

1952, im Jahr des Wiedereinstiegs von Mercedes-Benz in den Rennsport nach dem Zweiten Weltkrieg, gewann ein 300 SL Rennsportwagen (W 194) das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. 1954 markierte der Doppelsieg des neuen Formel-1-Rennwagens W 196 R im Großen Preis von Frankreich die Rückkehr der Silberpfeile in den Grand-Prix-Sport.

1989 wurde das 24-Stunden-Rennen von Le Mans von einem Doppelsieg des Sauber-Mercedes C 9 gekrönt. Und 2019 gewann Lewis Hamilton vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas den Großen Preis von Frankreich 2019 der Formel 1. Das Heimrennen in Hockenheim stand für Mercedes-Benz 2019 allerdings nicht unter einem guten Stern.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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