Es begann alles, wie so oft,  mit einer Studie. 1983 stellte VW auf der IAA in Frankfurt die Allradstudie Passat Variant Tetra vor. Sie kam ein Jahr später als VW Passat Variant syncro auf den Markt. Der legitime Nachfolger ist heute der VW Passat Alltrack 4MOTION mit elektronisch gesteuerter Lamellenkupplung.

4MOTION von Volkswagen

Der Wolfsburger Hersteller nennt seinen  Allradantrieb 4MOTION. Inzwischen ist er bei einer Vielzahl an Pkw-Modellen im Einsatz.  Für den Golf, etwa im  VW Golf R,  Sharan, Arteon, im  VW T-RocTiguan sowie den Touareg ist er verfügbar. Auch in den VW Nutzfahrzeugen CaddyT6 (VW-Bus) und Amarok kommt er zum Einsatz.

1983

Mit der zweiten Passat Generation (B2) zog erstmals der Allradantrieb in die Pkw-Palette von Volkswagen ein. Optisch überzeugte der syncro mit sportlicher GT-Ausstattung, akustisch mit dem sonor klingenden 2,0-Liter-Fünfzylinder sowie technisch mit Traktions- und Sicherheitsvorteilen.

Der längs installierte Motor leitete seine 115 PS über ein zentrales Differenzial im Verhältnis 50:50 an die vier permanent angetriebenen Räder weiter. Mittel- und Hinterachsdifferenzial ließen sich jeweils manuell sperren, um den Vortrieb bei besonders widrigen Straßenverhältnissen zu optimieren. Weitere Motorvarianten mit 90 und 120 PS ergänzten schon bald das Angebot.

1988

Mit dem Debüt der dritten VW Passat Generation (B3) vollzog 1988 auch der syncro-Antrieb dieser Baureihe den nächsten Schritt. Der Wechsel auf quer installierte Motoren erlaubte den Einsatz einer Visco-Kupplung, wie sie bereits im Golf II zum Einsatz kam. Das Mitteldifferenzial wurde dabei durch einen mit Silikonöl befüllten Zylinder ersetzt.

Er steuerte die Kraftübertragung an die Hinterräder, ohne die Kardanwelle starr mit der Getriebeseite zu verbinden. Bei Drehzahlunterschieden übernahm die hochviskose, also zähe Flüssigkeit den Kraftschluss. Damit war das System ABS-tauglich und effizienter, da die Hinterachse nur bei Bedarf zugeschaltet wurde. Optional war dieser Antrieb für den 115 PS leistenden Passat verfügbar, für den G60 mit 160 PS war er Serie.

1996

Mit der Einführung der fünften VW Passat Generation (B5) 1996 wurden alle VW-Allrad-Modelle als 4MOTION bezeichnet.  Neu war auch das zentrale Torsen-Differenzial für die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. Sie erfolgte im Normalfall im Verhältnis 50:50, konnte zugunsten der langsamer drehenden Seite aber auch 75:25 erreichen.

Die Hinterachssperre diente allein als Antriebshilfe. Sie ließ sich über einen Schalter manuell aktivieren und wurde bei Geschwindigkeiten von über 25 km/h automatisch abgeschaltet. Serienmäßig gehörte das 4MOTION zum Lieferumfang des 193 PS starken VW Passat 2.8 V6 sowie des heute bereits als Youngtimer gesuchten Passat W8 mit 275 PS starkem Achtzylinder. Für einige Dieselvarianten war sie optional erhältlich.

2005

Mit der Passat Generation B6 erreichte auch der 4MOTION-Antrieb die nächste Entwicklungsstufe. Gepaart mit Quermotoren setzt er seither auf eine nasslaufende Lamellenkupplung.

Ihre Funktionsweise ähnelt der einer Visco-Kupplung, allerdings spricht sie dank elektronischer Regelung extrem schnell an und kann zudem ein höheres Drehmoment übertragen. Die Motorleistung wird im Normalfall zu 100 Prozent auf die Vorderräder übertragen. Bei Bedarf erreichen aber bis zu 100 Prozent der Antriebskraft in Sekundenbruchteilen auch die Hinterräder.

Der VW Passat 4MOTION 2018

Heute arbeitet im aktuellen VW Passat ein permanenter 4MOTION-Allradantrieb mit einer elektronisch gesteuerten Lamellenkupplung der fünften Generation. Die Antriebskraftverteilung an alle vier Räder wird bereits aktiv, bevor Schlupf auftritt. Ein Traktionsverlust kann auf diese Weise nahezu ausgeschlossen werden.

Im Normalfall leitet das Allradsystem das Antriebsmoment an die Vorderachse. Sobald notwendig, werden die Hinterräder in Sekundenbruchteilen zugeschaltet. Während die Lamellen-Kupplung als Längssperre fungiert, übernehmen elektronische Differenzialsperren (Vierrad-EDS) an allen vier Rädern die Aufgabe von Quersperren. Sie sorgen dafür, dass die Antriebskraft beim Durchdrehen eines Rades ebenfalls in Sekundenbruchteilen an das Rad auf der jeweils gegenüberliegenden Seite gelenkt wird.

Der VW Passat Alltrack verfügt über eine Erweiterung von 4MOTION. An Vorder- und Hinterachse kommt die Zusatzfunktion XDS+ hinzu. Sie bremst bei schneller Kurvenfahrt die kurveninneren Räder an und optimiert über einen präziseren Lenkwinkel das Lenkverhalten, verbessert nochmals die Traktion, steigert die Agilität und ermöglicht eine höhere Geschwindigkeit im Kurvenausgang. Technisch handelt es sich beim XDS+ um eine Funktionserweiterung der elektronischen Differenzialsperre.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka

Letzte Artikel von Dietmar Stanka (Alle anzeigen)