2018 feierte die italienische Sportwagenschmiede den 70.Geburtstag

30 Jahre später, im Herbst 2018 wurde der Ferrari 365 GTB/4 auf dem Pariser Autosalon präsentiert. Ein wesentlicher Grund für dieses Auto war, dass Ferrari in den späten 1960er Jahren dringend wieder einen echten Sportwagen benötigte.

Vor allem, weil Lamborghini mit dem Miura ein unglaublich geiles Gerät im Portfolio hatte. Enzo wollte es seinem alten Widersacher Ferruccio noch einmal richtig zeigen, von dem er einmal behauptete, er könne doch gar nicht richtig Autofahren.

Gesagt, getan. Pininfarina, genauer der Designer Leonardo Fioravanti, zeichnete in sieben Tagen seinen Entwurf des 365 GTB/4 und bezeichnet dies noch heute als sein allerbestes Stück. Anzumerken ist aber, dass Fioravanti unter anderem die Sahneteilchen Lancia Gamma Berlina, das Fiat 130 Coupé  sowie weitere Ferrari wie unter anderem den Dino entworfen hat.

Unter der langgezogenen Haube des Ferrari 365 GT/B schlägt ein 4,4-Liter großer Zwölfzylinder in der klassischen V-Form. 353 PS leistet das Triebwerk. Der Spurt aus dem Stand auf 100 km/h dauert 5,4 Sekunden und laut Angaben des Magazins „Motor Revue“ soll dieser Gran Turismo Berlinetta (GTB) in einem Test 282 km/h erreicht haben.

Dann aber mit entsprechenden Durst. 20 bis 30 Liter auf 100 Kilometer sind locker das Maß der Dinge. So kommt man mit dem 100-Liter-Tank nicht wirklich weit. Will man aber vielleicht gar nicht. Denn 365 GTB/4 fahren ist Arbeit und eher weniger Vergnügen. Das ganze Handling ist mühsam und so wundert es im Nachhinein nicht, dass die Auto, Motor und Sport dieses Fahrzeug als Männerauto beschrieb. Heutzutage natürlich politisch vollkommen inkorrekt.

Wieso heißt der Ferrari 365 GTB/4 Daytona?

Ferrari hat den 365 GTB/4 nie Daytona getauft. Der Beiname stammt von Journalisten und geht möglichweise auf den Dreifach-Sieg von Ferrari beim 24-Stunden-Rennen in Daytona 1967 zurück. Die offizielle Typbezeichnung sei aber noch kurz erläutert. Der Hubraum von exakt 4.390 ccm wird durch die Zylinderanzahl 12 geteilt und schon landet bei 365. Muss noch die Zahl 4 erwähnt werden, die für die vier obenliegenden Nockenwellen steht.

Vom Coupé, der Berlinetta wurden 1.286 Exemplare gebaut, vom Wettbewerbsfahrzeug    Competizione 15 und die Angaben des Spiders (GTS/4) bewegen sich zwischen 121 und 125 Exemplaren.

Apropos Spider. Im Film „A Star is Born“ fährt Kris Kristofferson einen GTS/4 und  im Film „Die verrückteste Rallye der Welt“ (Original: Gumball Rallye), lenkt Tim McIntire einen 365 GTB/4. Der Daytona in der Serie Miami Vice ist allerdings ein Replikat von Exotic Coachcraft auf Basis einer Corvette.

 

Tipps für Sammler

Dieses Auto ist immer teuer. Von der Anschaffung, 2017 wurde ein verstaubter 365 GTB/4 in einer Scheune in Japan gefunden und für 1,8 Millionen Euro versteigert, bis hin zum Unterhalt. Dieses Modell war allerdings nur einer von fünf, die mit einer Alu-Karosserie gebaut wurden. Mehr als eine halbe Million Euro müssen aber für einen Erwerb in jedem Fall ausgegeben werden. Ersatzteile sind unglaublich teuer weil rar. Ein paar Seitenblinker können bis zu 4.000 Euro kosten!

Prominenter Besitzer

Der 2017 verstorbene Modeschöpfer Otto Kern war Besitzer eines 1969 zugelassenen Ferrari 365 GTB/4 in der Farbe „verde medio metallizato“. Nur fünf Exemplare wurden so lackiert und neben dieser Besonderheit ist es eines von nur 411 Fahrzeugen, die mit Plexiglas-Breitbandscheinwerfern ausgeliefert wurden. Der Rest wurde wegen US-Vorschriften mit Klappscheinwerfern ausgeliefert.

Technische Daten Ferrari 365 GTB/4 Daytona

Antrieb und Fahrleistungen

Motor: 12-Zylinder-Benziner

Getriebe: Fünfgang-Getriebe

Hubraum in ccm: 4.390

Leistung in kW (PS) bei U/min: 259 (352)/7.500

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 431/5.500

Beschleunigung 0–100 km/h in s: n.n.

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 280

Tankinhalt in l: 128

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.425/1.760/1.245

Radstand in mm: 2.400

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.200

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: n.n.

Bereifung: 215/70 VR15

Felgen: 7 x 15″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in DM inklusive Mehrwertsteuer 1968: 68.598

 

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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