Der Name Montreal des traumhaft schönen Sportwagens von Alfa Romeo kommt nicht von ungefähr.

Die von dem Bertone Chefdesigner Marcello Gandine gezeichnete Studie wurde 1967 auf der Expo in Montreal erstmals präsentiert. Der damals knapp 30 Jahre alte Turiner hatte kurz zuvor mit dem Lamborghini Miura seinen ersten großen Wurf gelandet.

Die extrem auffälligen Lamellen oberhalb der beiden Frontscheinwerfer sind das Erkennungsmerkmal dieses nur 3.925mal gebauten Coupés. Beim Einschalten des Lichts werden die beiden Lamellen aber mechanisch nach unten geklappt und geben die vier Lampen komplett frei.  Mit nur 4,22 Metern ist der Alfa Romeo Montreal kompakt. Hinter Fahrer und Beifahrer bleibt gerade Platz für zwei Notsitze.

Die markanten Lufteinlässe und die gläserne Heckklappe zeigten bei der Studie, dass ein Mittelmotor eingebaut werden sollte. Nach dem riesigen Publikumserfolg in Montreal wurde das gleichnamige Projekt in Italien in die Tat umgesetzt.

Der geplante Mittelmotor wurde recht schnell verworfen. Damit die Produktionskosten im Rahmen blieben, mussten die Entwickler einen Kompromiss eingehen und verwendeten daher weitgehend das Chassis der Giulia. Die Luftschlitze für die Kühlung des angedachten Mittelmotors übernahmen nun die Funktion der Entlüftung des Cockpits.

Alfa Romeo Montreal

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Das Triebwerk

Um die rassige Optik mit ebenbürtigen Fahrleistungen zu verbinden, wurde eine straßentaugliche Version des V8-Motors aus dem Supersportwagen Tipo 33 entwickelt. Dazu wurde der Hubraum von 2 auf 2,6 Liter erhöht, um eine alltagstaugliche Kraftentfaltung zu erreichen. Das Ergebnis war eine Leistung von 147 kW (200 PS), die eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h und eine Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h in 7,6 Sekunden ermöglichte.

Ebenfalls aus dem Motorsport stammte die Ölversorgung mittels Trockensumpfschmierung, die eine tiefe Einbaulage des Motors ermöglichte. Das mechanische Einspritzsystem der Società Pompe Iniezione Cassani & Affini (SPICA) versorgte die acht Zylinder mit Benzin.

Für die Übertragung der Motorleistung auf die mit einem Sperrdifferenzial versehene Hinterachse ist ein Fünfgang-Sportgetriebe von ZF aus Friedrichshafen zuständig. Unverwechselbares Merkmal neben den knackig kurzen Schaltwegen ist der links hinten liegende erste Gang.

Diese Anordnung hat ihre Wurzeln im Motorsport, wo der erste Gang nur zum Anfahren und der Rückwärtsgang fast nie benötigt werden. Deshalb sind die höheren Schaltstufen ergonomisch günstiger in der mittleren und rechten Ebene angeordnet.

Alfa Romeo Montreal

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Fahrverhalten

Es schadet nicht, wenn der Lenker eines Montreal über kräftige Arme verfügt. Die 1,3 Tonnen Leergewicht fordern wegen der fehlenden Servolenkung ein gutes Maß an Krafteinsatz. Zudem geht es im Cockpit recht eng zu und heiß wird es zudem, da das Triebwerk seine Wärme nahezu ungefiltert in den Innenraum verströmt.

Das erstaunlich weich abgestimmte Fahrwerk lädt weniger zur Kurvenhatz, als zum feinen Cruisen ein. Der Montreal ist also eher ein Sportwagen für die Route 66, als den Col de Turini.

Alfa Romeo Montreal

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Tipps für Sammler

Es macht Sinn, genügend Kleingeld auf dem Konto zu haben, wenn man erstens einen der raren Alfa Romeo Montreal erwerben und zweitens unterhalten möchte. Die Webseite http://www.alfamontreal.info ist eine gute Quelle für Besitzer und Interessenten und enthält wertvolle Tipps.

Alfa Romeo Montreal

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Der Alfa Romeo Montreal im Film

In dem Thriller „Fluchtpunkt Marseille“ (OT: The Marseille Contract) mit Michael Caine, Anthony Quinn und James Mason in den Hauptrollen, wurde ein Montreal für heiße Verfolgungsfahrten eingesetzt.

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Dietmar Stanka
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