Autobesitzer, die ihr Auto mit chicen Alufelgen aufwerten wollen, müssen aufpassen: Denn nicht jedes Alurad darf ohne vorherige Freigabe durch einen Gutachter montiert werden. Das Amtsgericht München urteilte nun: Technisch passend heißt nicht automatisch erlaubt. Somit musste ein Händler die teuren Alufelgen zurücknehmen.

Geklagt hatte der Autofahrer, der bei einem eBay-Händler einen Satz Alufelgen für sein Fahrzeug gekauft hatte. In der Anzeige hatte der Händler die Felgen als „passend“ für das Automodell des Käufers beschrieben. Erst später stellte der Käufer fest, dass er die Felgen zwar problemlos montieren konnte. Jedoch wäre es nicht legal gewesen, das Fahrzeug auch im Straßenverkehr zu nutzen. Denn anders als bei vielen Alufelgen aus dem Zubehörhandel  lag keine Allgemeine Betriebserlaubnis für die Felgen vor. Vielmehr hätte ein Gutachter zum Beispiel von TÜV, Dekra, GTÜ oder KÜS erst die Alufelgen begutachten müssen. Danach hätte der Autobesitzer die Alufelgen in die Papiere eintragen lassen können. Ohne diese Prüfung riskierte der Autobesitzer bei einer Kontrolle durch die Polizei Bußgeld und Punkte in Flensburg. Denn die Betriebserlaubnis seines Fahrzeugs wäre erloschen gewesen.

Autofahrer verlangt Rücknahme der Alufelgen, Verkäufer mauert

Dem Autofahrer wardas  zuviel Aufwand. Er forderte daher vom Verkäufer die Erstattung des Kaufpreises gegen Rücknahme der Felgen. Der Onlinehändler verweigerte die Rücknahme jedoch. Er verwies darauf, das Verwendungsrisiko liege beim Käufer.

Das wiederum sah das Amtsgericht München nun völlig anderes  (Aktenzeichen 242 C 5795/17). Der Richter gab dem Käufer recht und betonte, der Begriff „passend“ habe nicht nur eine rein technische Bedeutung. Die Beschreibung impliziere auch, dass die Felgen ohne Weiteres für den entsprechenden Fahrzeugtyp geeignet seien und ohne vorherige Prüfung genutzt werden könnten. „Der Verkäufer kann sich also nicht darauf berufen, dass die Beschaffenheitsvereinbarung nur den technischen Aspekt umfasst“, erklärt Rechtsanwältin Martina Scholz von der Deutschen Anwaltshotline.

Teure Schlappe für den Onlinehändler

Das Gericht verurteilte den Verkäufer dazu, die Felgen zurückzunehmen und im Gegenzug den Kaufpreis zu erstatten. Zusätzlich muss er die Versandkosten tragen und dem Käufer die entstandenen vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten ersetzen.

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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