Manche Geschichten sind so schön, dass sie immer wieder erzählt werden sollten. Die Entstehungsgeschichte des Audi 100 Coupé S gehört definitiv dazu.

“Macht mir das Dach flacher”, befahl in den 1960er Jahren Ludwig Kraus, der für Audi damals als Technikchef tätig war und den Audi 100 ins Leben gerufen hat.

In der Zeit, als Audi noch durch Zweitakter bekannt war, ebnete Kraus den Weg zum “Vorsprung durch Technik”-Hersteller. Das formschöne Audi 100 Coupé S wurde in erster Linie für den Technikchef entwickelt. “Ich wollte einen schicken Dienstwagen, keine Limousine. Und ich dachte mir, dass es anderen Audi-Fahrern ähnlich gehen könnte“, erläuterte er einst in einem Gespräch.

Das Coupé entstand auf Basis der Audi 100 Limousine und wurde tatsächlich drei Zentimeter flacher. Dazu lang gestreckt und mit viel Chrom geschmückt. Mittels Doppelscheinwerfern wurden dem 112 PS starken Fahrzeugs zudem sportliche Gene eingehaucht.

Das echte 1970er-Jahre-Gefühl im Audi 100 Coupé S

Im Interieur herrscht das heutzutage wieder coole 1970er-Jahre-Feeling. Das Armaturenbrett schmücken Edelholz-Leisten und das Gestühl ist mit Cord bezogen. Die Rundumsicht ist Dank der riesigen Fensterflächen herausragend. Wenn es im Sommer aber heiß wird, hilft nur Fenster runterkurbeln. Eine Klimaanlage oder elektrische Fensterheber sucht man vergeblich.

Die hübsche Anmutung ließ sich die Ingolstädter sehr teuer bezahlen. Mit 14.400 DM satte 4.000 DM teurer als die gleichstarke Limousine war ein Flop vorprogrammiert. Gerade einmal 30.000 Abnehmer fand der italienischen Sport-Coupés vom Schlage eines Maserati Ghibli oder Fiat Dino optisch ähnliche Audi.

Flotter Vorwärtsdrang

Mit nur 1.100 Kilogramm an Leergewicht hatte der 112 PS leistende 1,8-Liter-Motor leichtes Spiel. Das Drehmoment von 160 Nm lässt das Audi 100 Coupé S in 11,5 Sekunden auf 100 km/h flitzen, in der Spitze werden 183 km/h erreicht. Gerollt wird serienmäßig auf 185er Schlappen mit 70er Querschnitt montiert auf 14 Zoll großen Felgen. Was heute lächerlich wirkt, war seinerzeit eine mächtig breite Bereifung.

Geschaltet wird manuell mit vier Gängen oder aber mit einer optionalen Dreigang-Automatik von VW. Die Fahreigenschaften des Audi 100 Coupé S ähneln der einer Sänfte. Trotz fehlender Servolenkung fühlt sich das Kurvenfahren leicht an. Ein gewisses Maß an Agilität sorgt für Fahrspaß und wer es lässig findet, mit deutlicher Seitenneigung unterwegs zu sein, hat in diesem Automobil das richtige Objekt gefunden.

Tipps für Sammler

Audi Tradition und der Audi 100 Coupé S Club sind die ersten Adressen, wenn es um das hübsche Automobil geht. Denn die Ersatzteilversorgung ist ein Desaster. Wer also auf der Suche nach seinem Schätzchen ist, sollte tiefer in die Tasche greifen und auf eines der wenigen im Originalzustand oder auf ein herausragend restauriertes Modell zurückgreifen.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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