Der Ingolstädter Autohersteller hatte bis 1980 den Ruf spießig zu sein.

Eher langweilig designte Fahrzeuge, lassen wir einmal den NSU Ro 80 außen vor, und die damit verbundene entsprechende Klientel. Ja, der Wankel darf Audi zugesprochen werden, oder besser der 1969 entstandenen Audi NSU Auto Union AG. Zusammen mit der Markteinführung des Ro 80 proklamierte das Unternehmen zudem den bis heute verwendeten Werbeslogan „Vorsprung durch Technik“.

quattro als der entscheidende Meilenstein

Echten Vorsprung durch Technik erreichten Audi 1980 mit der Einführung der Allradtechnik quattro. 1980 debütierte auf dem Genfer Autosalon der Audi quattro. Ein kantig gestyltes Coupé mit einem starken Fünfzylinder der 147 kW (200 PS) leistete. Dieses heute Ur-quattro genannte Modell blieb 11 Jahre im Programm, obwohl damals nur eine Kleinserie geplant war.

Die Idee des quattro entstand im Winter 1976/77 bei Testfahrten im eiskalten Schweden. Ein VW Iltis, ein für das Militär gebauter Geländewagen mit Allradantrieb, fuhr als Vergleichsfahrzeug mit und zeigte sich den frontgetriebenen Prototypen als überlegen an. So reifte die Erkenntnis, dass Audi bei Pkw auch einen Allradantrieb einsetzten sollte. Leichter, kompakter und effizienter und ohne schweres Verteilergetriebe und zweiter Kardanwelle.

Mittels einer Hohlwelle, einer 263 Millimeter langen und hohl gebohrten Sekundärwelle im Getriebe, die die Kraft in zwei Richtungen leitete, war die perfekte Lösung gefunden. Von ihrem hinteren Ende aus trieb sie das Gehäuse des Mittendifferenzials an, das als manuell sperrbares Kegelraddifferenzial aufgebaut war.

Es sandte im Normalfall 50 Prozent der Kraft über die Kardanwelle an die Hinterachse, die über ein zweites Sperrdifferenzial verfügte. Die andere Hälfte der Drehmomente gelangte über eine Abtriebswelle, die in der Sekundärwelle rotierte, zum Differenzial der Vorderachse. Der quattro war aus der Taufe gehoben.

Motorsport und quattro

Bereits 1981 später startete Audi in der Rallye-Weltmeisterschaft und gewann ein Jahr später die Markenwertung. 1983 holte der Finne Hannu Mikkola den Fahrertitel und 1984 wurden es beide Titel mit Stig Blomqvist als Weltmeister.

Im gleichen Jahr wurde der Audi Sport quattro vorgestellt. Das 225 kW (306 PS) starke Coupé hatte gegenüber dem normalen quattro einen um 32 Zentimeter verkürzten Radstand. Als Straßenversion wurde es wegen der notwendigen FIA-Homologationsvorschriften 220mal gebaut und für einen horrenden Preis von 195.000 DM angeboten.

1985 folgte der modifizierte Sport quattro S1 mit 350 kW (476 PS) Leistung. Höhepunkt der Motorsportkarriere des Audi Sport quattro S1 mit 600 PS war der Sieg von Walter Röhrl beim legendären Pikes Peak Bergrennen in Colorado.

Modellvielfalt

Relativ schnell wurde der quattro-Antrieb auch für andere Audi-Modelle angeboten. So erschien im November 1982 der Audi 80 quattro 5E mit 100 kW (136 PS) als zweites Modell. Ein weiterer Höhepunkt war der RS2 der 1994 aus einer Zusammenarbeit mit Porsche entstand. Die Basis der heutigen Audi Sport GmbH legte 1996 der
Audi S6 Plus mit einem 4,2-Liter-V8 und einer Leistung von 240 kW (326 PS). Dieses Fahrzeug ist sozusagen der Urvater der heutigen RS-Modelle.

Tipps für Sammler

Die Preise für einen Ur-quattro starten bei rund 32.000 Euro. Es lohnt sich aber, deutlich mehr auszugeben, um künftige teure Reparaturen von vorneherein auszuschließen. Empfehlenswert sind zudem die 220 PS starken 20-Ventiler, die zwischen 1989 und 1991 gebaut wurden.

Prominenter Fahrer

Walter Röhrl verzeichnete am Pikes Peak nicht seinen einzigen Erfolg in einem Audi quattro. 1984 gewann er bei seinem ersten Einsatz im Audi quattro mit langem Radstand die Rallye Monte Carlo. Mit vielen Höhen und Tiefen war Röhrl bis 1992 bei Audi tätig. Sein Abschied wurde ihm damals mit einem Sport quattro S1 mit PDK-Getriebe versüßt.

Dietmar Stanka
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