Im Frühjahr 1970 kam der nur wenige Monate vorher in Italien eingeführte Autobianchi A112 nach Deutschland.

Die Geschichte der Marke begann aber deutlich früher. Viele Jahrzehnte bevor Fiat Autobianchi unter seine Fittiche nahm, gründete Eduardo Bianchi 1885 in Mailand eine Werkstatt für Fahrräder und Präzisionsinstrumente.

Mit den ersten luftgefüllten Fahrradreifen in Italien erwarb sich Bianchi einen großen Namen. Auch heute sind Räder von Bianchi und vor allem die Rahmenfarbe Türkis (ital.: Celeste) weltbekannt.

Im automobilen Sektor begann Bianchi Anfang des 20. Jahrhunderts mit leichten Einzylinder-Fahrzeugen und schwereren Autos für betuchte Kunden. Ein Markenzeichen war der Bienenwabenkühler, der die Thermik der Benzinmotoren deutlich verbesserte. Der letzte Bianchi war der leider erfolglose S9 aus dem Jahr 1935.

Anfang 1955 gründeten der Sohn des Firmengründers, Giuseppe Bianchi sowie Fiat und Pirelli gleichberechtigt Autobianchi. Das erste Modell war der beliebte Bianchina, der mit dem Zweizylinder des 500er Fiat motorisiert war.

Der Kleinwagen wurde in verschiedenen Versionen unter anderem als Cabrio, Coupé mit Rolldach, als Berlina mit vier Sitzplätzen sowie als Kombi Panoramica gebaut. Ab 1964 kam der Primula auf den Markt. Auch er überzeugte als Kombi, Stufenheck und Coupé. Daneben hatte Autobianchi ein zweisitziges Cabrio namens Stellina auf Basis des Fiat 600 Coupé und den an den Fiat 124 angelehnten A111 im Angebot.

Der Bestseller Autobianchi A112

Bis zum Dezember 1986 wurden 1.254.381 Millionen Exemplare des A112 gebaut. Außerhalb Italiens und mit Beginn der Serie IV wurde der Kleinwagen ab 1977 als Lancia A112 verkauft. Lancia übernahm 1981 zudem den kompletten Vertrieb. Der Winzling mit einer Länge von rund 3,23 Metern wog je nach Ausstattung und Motorisierung fahrbereit zwischen 625 und 805 Kilogramm.

Unter der Haube befanden sich entweder ein 903 ccm großer Vierzylinder mit 31 kW (39 PS) oder einer mit 965 ccm mit 35 kW (48 PS). Für die sportlichen Abarth-Modelle wurde das Triebwerk auf bis zu 1.049 ccm vergrößert, was zu einer Leistung bis zu 51 kW (70 PS) führte. Die Version A112 Abarth 85 HP i.e. kam leider nie über den Prototypen-Status hinaus.

Carlo Abarth hatte zuerst die Absicht, ein 109 PS starkes Triebwerk in den A112 einzubauen, doch der erste Abarth leistete aufgrund des Vetos des Fiat-Chefs 1971 gerade einmal 58 PS. Die Version mit 70 PS kam 1974 auf den Markt und begeistert bis heute die Fans der Marke.

Das Fahrverhalten des Fronttrieblers

Die Agilität und Wendigkeit stand dem Mini in nichts nach. Der auf der Basis des später produzierten Fiat 127 besitzt an allen Rädern Einzelaufhängungen und vorne MacPherson-Federbeine. Das ermöglichte eine sehr gute Straßenlage, die mit viel Fahrspaß verbunden war. Mangels elektronischer Fahrhilfen neigte der Kleine in schnell gefahrenen Kurven aber auch mal zum Übersteuern.

Tipps für Sammler

In Italien sind noch einige Autobianchi A112 auf dem Markt. Auch in Deutschland stehen ab und zu ein paar Exemplare zum Verkauf. Einen Abarth zu erwerben, wird schon etwas schwieriger. Je nach Zustand sind diese ab rund 10.000 Euro zu bekommen. Das Projekt A112.de und das dazugehörige Forum bieten Rat und Hilfe.

Dietmar Stanka
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