Fast zweieinhalb Millionen Menschen in Deutschland nutzen Car Sharing. Wer sich für die Kurzzeitmiete eines Autos via App entscheidet, sollte aber einen Blick auf die Versicherungsbedingungen werfen. Denn die Selbstbeteiligung nach einem Unfall kann ins Geld gehen.

Car Sharing ist für viele zu einer interessanten Alternative geworden. Zum eigenen Auto, wenn man in einer Großstadt wohnt und nur gelegentlich Flexibilität und Komfort des Autos braucht. Oder für Dienstreisende, denen das Taxi für die letzten paar Kilometer in der Großstadtperipherie zu teuer ist – oder für die sich ein klassischer Mietwagen nicht lohnt.

Öffentliches Car Sharing hatte in den vergangenen Jahren in Deutschland hohe Zuwachsraten. Rund 2,3 Millionen Kunden sind aktuell bei einem der Anbieter registriert – oder auch bei mehreren. Nach der aktuellen Statistik des Bundesverbands Car Sharing (BCS) entfällt auf stationsbasiertes Car Sharing zwar nur ein Drittel der Kunden, dafür ist aber die Verbreitung mit Stationen in 840 Gemeinden und Städten im vergangenen Jahr noch einmal deutlich gewachsen. Free-Floating wird hingegen nur in 17 Großstädten angeboten. 

Beim stationsbasierten Car Sharing holt der Kunde das Fahrzeug an einer festen Übergabestation ab und bringt es auch wieder zu einer solchen Station, während beim Free-Floating-Sharing das Auto im Betriebsgebiet auf einem beliebigen Parkplatz nach der Nutzung abgestellt werden kann. Der nächste Nutzer wird von der App, über die der komplette Mietprozess abgewickelt wird und die auch das Fahrzeug aufsperrt, zum Standort des nächsten freien Fahrzeugs geführt.   Damit ist diese Sharing-Form flexibler – verlangt aber auch vom Kunden Flexibilität, denn er kann sich nicht darauf verlassen, dass in seiner Nähe tatsächlich auch ein Auto zur Verfügung steht. 

Die großen Anbieter beim Car Sharing

Marktführer in Deutschland ist ShareNow mit mehr als 1,5 Millionen Kunden. Das durch die Fusion von DriveNow (BMW) und Car2Go (Mercedes) entstandene Unternehmen hat eine Fahrzeugflotte von mehr als 7000 Autos. Flinkster, das Angebot der Deutschen Bahn, vernetzt etwa 4000 Autos. Mit der Autovermietung Sixt ist im vergangenen Jahr ein  weiterer großer Player im Sharing-Markt angetreten.  

Insgesamt stieg nach Angaben des BCS im vergangenen Jahr die Zahl der Fahrzeuge um rund ein Viertel auf knapp 25 000. Die Tarife für Car Sharing orientieren sich an der genutzten Zeit und den gefahrenen Kilometern, Sprit ist inklusive.

Ebenfalls eingeschlossen ist der Versicherungsschutz, inklusive Vollkasko für selbstverursachte Schäden. Sehr unterschiedlich fallen allerdings die Selbstbeteiligungen aus, die der Kunde zahlen muss, wenn er einen Schaden verursacht hat. „Die Selbstbeteiligungen haben es oft in sich. Leider finden sich die Informationen dazu oft erst beim genauen Lesen des Kleingedruckten“, sagt John-Paul Pieper, CEO des Versicherungsanbieters Nexible, einer Tochtergesellschaft des Ergo-Konzerns.

Die Vertragsbedingungen der Anbieter

Die Regelungen für die Selbstbeteiligung  unterscheiden sich laut Nexible erheblich:

ShareNow: In der Kfz-Haftpflichtversicherung gilt eine Haftungsbeschränkung auf eine Selbstbeteiligung für kleine Autos von 500 Euro (Smarts), für mittlere und große Autos (Mercedes, BMW) 1000 Euro. Ein Schutzpaket für 1 Euro pro Anmietung reduziert die Selbstbeteiligung bei manchen Autos auf 750 Euro. Es gibt laut AGB keine Fahranfängerregelung.
Miles Mobility: Kfz-Haftpflichtversicherung mit Haftungsbeschränkung.  Selbstbeteiligung für kleine und mittlere Fahrzeuge 350 Euro, für große Fahrzeuge 450 Euro. Eine erhöhte Selbstbeteiligung von 2000 Euro wird für Fahranfänger fällig.
We-Share: Laut FAQ bietet We-Share eine Versicherung die einem Vollkaskoschutz entspricht. Bei jeder Miete wird ein Schutzpaket von 1 Euro automatisch gebucht, dadurch reduziert sich die Selbstbeteiligung von 1050 Euro auf 450 Euro. Eine Regelung für Fahranfänger gibt es nicht.

Sixt Share: Hier sind Nutzer mittels Vollkasko- und Diebstahlschutz abgesichert. Die Selbstbeteiligung beläuft sich auf 950 Euro, die sich durch ein Schutzpaket auf 450 Euro reduzieren lässt. Die Kosten für diesen umfangreicheren Schutz belaufen sich auf 3 Cent pro Minute extra.

Knutschen an der Ampel ist grob fahrlässig

Aufpassen heißt es auch bei grober Fahrlässigkeit, der die ist bei vielen Anbieten nicht mitversichert. Dabei gibt es laut Pieper eine „recht lange Liste von Alltagssituationen“, die als grob fahrlässig eingestuft werden. Wer zum Beispiel beim Parken am Hang vergessen hat, die Handbremse anzuziehen, werde bei vielen Sharing-Anbietern zur Kasse gebeten. „Auch wer einen Unfall verursacht, weil an der Ampel geknutscht wurde, muss damit rechnen, die kompletten Kosten des Schadens zu tragen.“

Weitere Beispiele für grobe Fahrlässigkeit sind das Ausziehen eines Kleidungsstückes an der Ampel, das Tragen von ungeeigneten Schuhen oder die Bedienung des Navis oder anderer technischer Geräte am Steuer.

Ebenfalls ein möglicher Kostenfaktor: ein Unfall außerhalb des Geschäftsgebietes des Sharing-Anbieters. In einem solchen Fall fordert ShareNow die Kosten des Rücktransportes von seinen Nutzern, so Pieper.

Was tun, wenn das Sharing-Auto beschädigt ist?

Allerdings haftet der Nutzer eines Sharing-Autos nur dann, wenn er einen Schaden auch nachweislich verursacht hat. Hier ist der Sharing-Anbieter in der Beweispflicht. Um Problemen wegen Schrammen, Dellen oder einem abgebrochenen Außenspiegel vor vornherein aus dem Weg zu gehen, empfiehlt sich vor der Abfahrt ein kritischer Blick aufs Auto. Vorhandene Schäden kann man mit der App dem Anbieter melden, ein Foto mit dem Smartphone zur Beweissicherung ist schnell gemacht.

 

Klaus Justen
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