Die Typbezeichnung EB110 ist eine Verbeugung vor Ettore Bugatti.

EB steht für Ettore Bugatti, die 110 für seinen 110. Geburtstag. Die Idee für den ersten neuen Bugatti seit 1956 stammt von Romano Artioli. Der Italiener sammelte seit Jahren Bugatti-Modelle, zudem arbeitete er als erfolgreicher Automobilimporteur und -händler im Norden Italiens, vor allem für Ferrari und zwei japanische Marken.

Die Umsetzung

Kein existierender Sportwagen erfüllte jedoch seine Erwartungen. Da seine Leidenschaft zu Bugatti so groß war, belebte er die legendäre französische Automobilmarke wieder. 1987 kaufte er die Markenrechte und wurde Vorsitzender der Bugatti Automobili S.p.A. Die Produktionsstätte baute er jedoch nicht in Frankreich, sondern in der Emilia Romagna auf.

Campogalliano, eine kleine Gemeinde nordwestlich von Modena, wurde als Standort auserkoren. Eine schlaue Wahl, befanden sich doch in der Nähe die italienischen Sportwagenmarken wie De Tomaso, Ferrari, Maserati und Lamborghini. Das machte es leichter, bestens qualifizierte Mitarbeiter für das neue Projekt zu gewinnen.

Die automobile Manufaktur war seinerzeit die modernste, ohne dass jedoch die Tradition vergessen wurde. So ließ Artioli im Speisesaal die Originaleingangstür aus der ehemaligen Bugatti-Manufaktur in Molsheim montieren. Und zur Werkseröffnung am 15. September 1990, dem 109. Geburtstag von Ettore Bugatti, wurden 77 historische Bugatti-Modelle gezeigt.

Der Supersportler

Da der EB110 keinen Vorgänger hatte, entstand er auf einem weißen Blatt Papier. Das lediglich 125 Kilogramm leichte Monocoque bestand erstmals bei einem Serienauto aus Carbon, hergestellt vom französischen Raumfahrtunternehmen Aerospatiale. Für die Karosserie kamen Aluminium, Carbon und aramidfaserverstärkter Kunststoff zum Einsatz. Die Räder wurden aus Magnesium gegossen, jede Schraube war aus Titan.

Das von Artioli auserkorenen Triebwerk war ein 3,5-Liter-V12-Mittelmotor, was dem damaligen Formel-1-Reglement entsprach. Vier Turbolader, zwei Nockenwellen pro Zylinderbank, fünf Ventile pro Brennraum und eine Höchstdrehzahl 8.250 U/min sind nur einige der technischen Schmankerl des Bugatti EB110.

Je nach Modell und Ausbaustufe leistete das Triebwerk zwischen 560 und 610 PS. 15 Liter Öl in der Trockensumpfschmierung waren für die Motorschmierung verantwortlich. Die Kraftübertragung erfolgte über ein manuelles Sechsgang-Getriebe, eine Allrad-Visco-Sperre, ein Sperrdifferenzial hinten und eine Kraftverteilung von 27:73 Prozent.

Trotz der extremen Leistung, der EB110 war 1991 mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,26 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 351 km/h das schnellste Serienauto, fuhr sich der Supersportler reichlich zahm.

Möglich machten dies der Allradantrieb, ABS und die hart zugreifenden Bremsen von Brembo. Auch der Komfort wurde großgeschrieben. Klimaanlage, elektrische Sitzverstellung, Servolenkung, Zentralverriegelung und eine hochwertige Soundanlage zählten zur Serienausstattung. Im Innenraum kamen feinste Materialien zum Einsatz, unter anderem Leder vom italienischen Möbelhersteller Poltrona Frau.

Auch Stephan Winkelmann, Präsident von Bugatti, ist von dem EB110 auch heute noch überzeugt: “Romano Artioli ist mit dem EB110 ein großartiger Sportwagen gelungen.

Kurze Lebenszeit des Bugatti EB110

Nach der Weltpremiere am 15. September 1991 in Paris zum 110. Geburtstag von Ettore Bugatti, entstanden bis 1995 gerade einmal 96 EB110 GT und 32 EB110 Super Sport. Darunter zwei offizielle Werksrennwagen mit 670 PS, die unter anderem beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, in Suzuka und in der amerikanischen IMSA-Serie starteten.

Zu wenig, um das Unternehmen von einem Konkurs zu bewahren, der im September 1997 vollzogen wurde. Nur ein Jahr später übernahm Volkswagen die Markenrechte und verhalf Bugatti 1998 mit dem Umzug nach Molsheim zu einem Neustart.

Dietmar Stanka