Autobesitzer, die unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt werden, haben prinzipiell Anspruch auf einen Ersatzwagen. Aber Vorsicht: Wer nur sehr wenig fährt, zahlt beim Mietwagen drauf. Denn bei geringer Fahrleistung kann auch ein finanzieller Ausgleich genügen, entschied das Oberlandesgericht Hamm.

Die OLG-Richter urteilten in zweiter Instanz über die Folgen eines Unfalls, der sich im Februar 2016 ereignete.  Einer  der beiden Beteiligten trug dafür die alleinige Schuld. Das Unfallopfer ließ sein beschädigtes Fahrzeug in die Werkstatt transportieren und mietete sich einen Ersatzwagen.Eine Schadensbegutachtung führte zu dem Ergebnis, dass sich die Reparaturkosten auf rund 4300 Euro belaufen würden. Der Wiederbeschaffungswert lag bei 3900 Euro, jedoch übernahm die gegnerische Autoversicherung diese Kosten.

Allerdings dauerte die Reparatur. Der am Unfall schuldlose 76-jährige erhielt er erst nach elf Tagen sein repariertes Fahrzeug zurück. Deshalb mietete er sich für die komplette Reparaturdauer einen Kleinwagen. Mit dem Mietwagen fuhr er in dieser Zeit weniger als 20 Kilometer am Tag und musste insgesamt eine Rechnung von 1230 Euro bezahlen. Dieses Geld wollte der Rentner vom Unfallverursacher erstattet haben.

Für kurze Strecken ist ein Taxi günstiger als ein Mietwagen

Das Oberlandesgericht Hamm verweigerte dem Rentner jedoch das Geld. Der Mann hätte für die geringe Strecke in elf Tagen auch auf ein Taxi zurückgreifen können, zumal er beruflich nicht auf das Auto angewiesen war. Stattdessen nutzte er einen Mietwagen, der rund 111 Euro am Tag kostete. „Der Rentner kam seiner gesetzlichen Pflicht, den Schaden möglichst gering zu halten, somit nicht nach“, erklärt Rechtsanwalt Volker Scheinert von der Deutschen Anwaltshotline. Zwar habe der Mann darauf geachtet, nicht mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen 130 Prozent des Wiederbeschaffungswertes bei den Reparaturkosten zu überschreiten. Doch mit dem Mietwagen zusammen sei diese Grenze überschritten, so das Gericht  (OLG Hamm, Aktenzeichen  7 U 46/17). Das hätte der Mann berücksichtigen müssen.

Nutzungsausfall als Alternative zum Ersatzwagen

Das Gericht sprach dem Kläger stattdessen eine Entschädigungszahlung von  insgesamt 115 Euro zu. Das entspricht fünf Tagen zu je 23 Euro. Diese 23 Euro sind der unterste Tagessatz bei der Nutzungsausfallentschädigung. Diese können Autofahrer geltend machen, wenn sie auf einen Ersatzwagen nach dem Unfall verzichten.  Festgelegt ist der Nutzungsausfall in Form von Pauschalbeträgen, die sich in erster Linie nach der Fahrzeuggröße richten. Je teurer das Fahrzeug, desto höher die Nutzungsausfallentschädigung. Die Werte beginnen bei 23 Euro pro Tag und gehen bis 175 Euro.

Wer tatsächlich nicht aus beruflichen Gründen auf sein Auto angewiesen ist, fährt mit der Nutzungsausfallentschädigung besser, weil sie bares Geld bringt. Wer notwendige Fahrten nicht mit Bus und Bahn zurücklegen will, kann ja auf Car Sharing oder ein Taxi zurückgreifen.

Im Fall des Rentners begrenzten die Richter des OLG Hamm den Nutzungsausfall auf fünf Tage, weil dies die vom Gutachter errechnete Reparaturdauer war. Der beim Unfall beschädigte Wagen sei noch fahrbereit gewesen. Der Rentner habe  ihnalso  bis zum Beginn der Reparaturarbeiten noch nutzen können. Mehr zum Nutzungsausfall findet sich auch hier.

 

Foto: GTÜ/Pixelio

 

Nutzungsausfall statt Ersatzwagen: So hoch liegen die Tagespauschalen

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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