Gerade mal 18 Jahre jung und erst seit wenigen Monaten Führerscheinbesitzer

Luca Engstler, Sohn der Motorsport-Legende Franz Engstler und wohnhaft in Wiggensbach im schönen Allgäu hat 2018 eine fantastische Siegesserie in der TCR hingelegt. Ein Meistertitel in der TCR Middle East, ein weiterer Meistertitel in der TCR Asia und ein nur knapp verpasster Meistertitel in der ADAC TCR Germany.

TCR Middle East

Los ging die Erfolgsserie des sympathischen Rennfahrers beim 24-Stunden-Rennen in Dubai Mitte Januar 2018. Dort feierte das Fahrer-Quartett Luca Engstler, Florian Thoma, Benjamin Leuchter und Jean-Karl Vernay Platz eins in der TCE Series, was zugleich den Klassensieg unter den 14 teilnehmenden TCR-Fahrzeugen in der TCE-Kategorie für Tourenwagen bedeutete.

Der vom Liqui Moly Team Engstler vor Ort perfekt vorbereitete und eingesetzte VW Golf GTI TCR trotzte der extremen Belastung über 24 Stunden und lief wie ein Uhrwerk. Vom dritten Platz in der TCR-Klasse gestartet, lag der VW Golf GTI TCR nach 12 Stunden mit der Startnummer 130 auf dem zweiten Platz in seiner Klasse. Für die entscheidende Schlussphase hatte die Mannschaft von Franz Engstler eine optimale Strategie parat und gab schließlich die Spitzenposition bis zum Schluss nicht mehr ab.

Eine Woche später standen die ersten beiden Rennen der TCR Middle East in Abu Dhabi an. Nach dem Sieg bei den 24 Stunden von Dubai letzte Woche, sicherte sich der damals noch 17-jährige Nachwuchsfahrer vom Liqui Moly Team Engstler auch beim Saisonauftakt der TCR Middle East den Sieg. Wenn auch erst nach Bestrafung seines italienischen Markenkollegen Lorenzo Veglia.

Eine weitere Woche später siegten Engstler und Thoma in Dubai. Im ersten Rennen in Dubai feierte Engstler, im zweiten sein Teamkollege Florian Thoma aus der Schweiz. Ende Februar setzte Luca mit seinem Titelgewinn der TCR Middle East Meisterschaft ein erstes Zeichen seiner herausragenden Qualität.

ADAC TCR Germany

Nur zwei Wochen nach dem Erfolg in Sepang war Luca Engstler zweimal bester Pilot eines VW Golf GTI TCR. Im ersten Rennen feierte der 18-jährige Youngster vom Team Engstler Motorsport Rang drei, im zweiten Platz vier.

Ende April war die TCR erstmals im tschechischen Most zu Gast. Mit Rang 6 und Rang 3 war Luca zum zweiten Mal der beste VW-Fahrer. Leider verpasste er aufgrund eines Missverständnisses den zweiten Platz und damit vielleicht auch den Meistertitel dieser Serie. Engstler hatte irrtümlicherweise angenommen, dass das zweite Rennen schon vorbei sei – er ging zu früh vom Gas und büßte damit Platz zwei ein.

„Ich war der Meinung, dass es die letzte Runde war. Erst dann hörte ich über den Funk, dass noch eine weitere ansteht – als ich schon jubelte. Bitter, denn ich habe das ganze Rennen kontrolliert und war das schnellste Auto der Spitzengruppe. Aber insgesamt überwiegt die Zufriedenheit, dass ich ein solches Tempo gehen konnte“, so Engstler.

Es sollte das letzte Rennen von Luca Engstler auf dem VW Golf GTI TCR in der deutschen Meisterschaft sein. Mit den Rängen sieben im ersten und vier im zweiten Rennen auf dem Red Bull Ring in der Steiermark konnte er den Anschluss in der Meisterschaft halten.

Luca Engstler nun auf dem Hyundai i30 N TCR

Am Nürburgring wechselten Luca Engstler und Teamkollege Théo Coicaud zu Hyundai. Engstler etwa fuhr im zweiten Rennen von Startplatz 18 auf sechs vor, für Coicaud ging es von zwölf auf acht. „Wir sind absolut zufrieden und überrascht, dass wir so schnell schon so gut mithalten können“, sagte Teamchef Franz Engstler, der die Zusammenarbeit mit Hyundai lobte.

In den Dünen von Zandvoort gewann Luca das zehnte Saisonrennen von der Pole aus vor seinem Teamkollegen Théo Coicaud. Anfang September stand der Sachsenring auf dem Programm und Luca holte sich gleich zwei Siege.

„Das Rennen war der Wahnsinn. Es hat enorm viel Spaß gemacht. Das ist Tourenwagensport. Für diese Zweikämpfe machen wir das. Es war wirklich ein überragendes Rennen“, sagte der 18-jährige Engstler nach der Siegerehrung: „Das ist meine Lieblingsstrecke, sie liegt mir. Ich bin hier zwar ganz selten, aber jedes Mal fühle ich mich so wohl.“

Die letzten beiden Läufe und die Entscheidung für den Meistertitel fiel in Hockenheim. Trotz unglaublich harter Kämpfe erreichte Luca Engstler „nur“ die Plätze drei und vier. Mit sieben Punkten war der Abstand zum Meister Harald Proczyk denkbar knapp.

TCR Asia

Kein Aprilscherz. Den ersten Sieg der TCR Asia in Sepang/Malaysia durfte wieder einmal Luca Engstler feiern. Im zweiten Rennen stand sein Teamkollege und Lokalmatador Mitchell Cheah oben auf dem Treppchen.

Turbulent ging es bei den beiden nächsten Läufen in Buriram in Thailand zu. Im ersten Rennen führte Luca bis zwei Runden vor Schluss und schied dann wegen eines Reifenschadens aus. Im zweiten Rennen lieferten sich der ebenfalls für Engstler Motorsport fahrende Moran und Engstler ein erbittertes Duell um den Sieg. Der Ecuadorianer hatte in einem packenden Finish die Nase vorne und verwies Engstler um 0,277 Sekunden auf Rang zwei. „Im ersten Rennen habe ich den Sieg noch knapp verpasst, aber dafür hat es im zweiten Lauf geklappt“, sagte Moran.

Bangsaen in Thailand war Mitte Juli Schauplatz der Rennen fünf und sechs der TCR Asia. Luca konnte im ersten Lauf den dritten Platz belegen und fiel im zweiten leider aus. Besser sah es für die Engstler-Truppe auf dem Korea International Circuit aus. Luca gewann das zweite Rennen und konnte auch im ersten Rennen die volle Punktzahl einheimsen, obwohl er als Zweiter ins Ziel kam. Der Grund ist einfach erklärt. Der Sieger Kantadhee Kusiri bekam als Gaststarter keine Punkte.

Noch mehr Grund zum Feiern hatten die Engstlers wegen des vorzeitig gewonnenen Titels der Teamwertung. Nach 2016 und 2017 übrigens schon das dritte Mal. Am 4. Und 5. Oktober konnte Luca in Shanghai mit zwei Siegen seinen zweiten Meistertitel feiern. Der 18-Jährige ist nach Josh Files (GB) und Francisco Mora (P) erst der dritte Fahrer, der innerhalb einer Saison zwei Titel in zwei unterschiedlichen TCR-Serien holte.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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