Als eine der ältesten heute noch produzierenden Automobilmarken der Welt blickt Skoda im Jahr 2020 auf eine 125-jährige Geschichte zurück.

Auto360.de stellt in insgesamt sieben Folgen unbekannte und doch auch wegweisende Fahrzeuge der vergangenen Jahrzehnte vor. In Teil 1 ist es das LW-Dreirad von Laurin & Klement.

Der Mechaniker Václav Laurin und der Buchhändler Václav Klement machten sich 1895 in Mladá Boleslav mit einer Fahrrad-Reparaturwerkstatt selbständig. Ein Jahr später boten die beiden rührigen Geschäftsleute die ersten Fahrräder mit dem Markennamen Slavia an. 1899 wurden die ersten selbst konstruierten Motorräder mit den ebenfalls bei Laurin & Klement gefertigten Einzylinder-Motoren auf den Markt gebracht. 1903 zählten die V-Zweizylinder vom Typ CC weltweit zu den ersten in Serie gefertigten Motoren. Ein Jahr später lief in Deutschland unter dem Markennamen Germania eine Lizenzfertigung an.

LW-Dreirad von Laurin & Klement

LW-Dreirad von Laurin & Klement

Das Dreirad LW mit einem wassergekühlten Motor

Im gleichen Jahr wurde mit dem CCCC der ersten Reihen-Vierzylinder eingeführt und das Zweiradangebot um Modelle mit wassergekühlten Motoren, unter anderem mit dem einzylindrigen Modell „LW“‘ erweitert. Es basierte auf dem Modell „L“ und trug ebenso wie die anderen wassergekühlten Maschinen ein „W“ für Water in der Typbezeichnung. Mit einem Hubraum von 600 Kubikzentimetern erreichte das LW eine beachtliche Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h, fand allerdings zwischen 1903 und 1905 nur zehn Käufer. Wahrscheinlich war die Bauart mit dem zylinderförmigen Kühler, dessen Rippen den Rahmen auf Höhe des Lenkkopflagers umspannten, für die Kunden damals zu kompliziert.

Denn das luftgekühlte Basismodell fand im gleichen Zeitraum 965 Kunden. Erst bei den Dreirädern auf Basis des LW-Motorrads, die den Motor, anders als die Zweiräder, vor dem kettengetriebenen Hinterrad trugen, kamen die Vorteile der Wasserkühlung richtig zur Geltung. Bei den Dreirädern behinderte die Sitzposition der Mitfahrer oder die Ladebox über der Vorderachse die Zufuhr von kühlender Luft. Eine weitere Hürde, die auf dem Weg vom Motorrad zum Dreirad genommen werden musste.

LW-Dreirad von Laurin & Klement

LW-Dreirad von Laurin & Klement

Schwieriges Anlassen

Durch den Hubraum von bis zu 0,8 Litern stieg auch der Widerstand zum Anlassen des Triebwerks, das damals noch durch Anschieben gestartet wurde. Zunächst erleichterte ein Dekompressionshebel diese umständliche Prozedur, er hielt das Auslassventil offen und reduzierte so beim Schwungholen den Gegendruck im Zylinder.

Wurde er gelöst, baute der Motor wieder die notwendige Verdichtung auf und sprang an. Über den Dekompressionshebel ließ sich der Motor der Maschine außerdem abstellen. Eine Zwischenposition des Hebels ermöglichte es, für kurze Zeit die Drehzahl zu reduzieren, ohne den Vergaser zu regulieren.

Um größere und schwerere Motorräder mit Seitenwagen, Anhänger oder einem vorne montierten Wagen für Passagiere in Bewegung zu bringen, genügte der Dekompressionshebel allerdings nicht mehr. Also entwickelte das Konstrukteursteam um Václav Laurin eine Leerlaufnabe sowie eine Kupplung und verbaute ein Zweiganggetriebe. Damit ließ sich der Motor auch bei stehendem Fahrzeug starten.

LW-Dreirad von Laurin & Klement

LW-Dreirad von Laurin & Klement

Der Erfolg des Lieferfahrzeugs

Diese Innovation machte die praktischen und wendigen Nutzfahrzeuge von L&K auch für Inhaber kleiner Gewerbe oder staatliche Postbetriebe sehr attraktiv. Zur Wahl standen Motorräder mit Lastenbeiwagen oder Dreiräder, die aus bewährten Komponenten der LW zusammengesetzt wurden.

Schon bald nutzten Postboten in Wien die tschechischen Modelle für den Transport ihrer Sendungen, Budapest und Prag folgten wenig später. Eine bemerkenswerte Aufzeichnung aus der damaligen Zeit belegt, wie sehr die Nutzfahrzeuge von L&K den Berufsalltag der Postboten erleichterten. Am 20. Juni 1906 gelang es dem Zusteller Kundert, innerhalb von 58 Minuten 37 Prager Briefkästen zu leeren. Zu Fuß hätte er für die gleiche Aufgabe gut 2,5 Stunden benötigt.

Auch aufgrund solcher Erfolge waren die L&K Modelle bald auf anderen internationalen Märkten gefragt. Im Jahr 1908 kamen einige Laurin & Klement Dreiräder des Typs LW sowie Motorräder mit Lastbeiwagen bis nach Mexiko.

Ihre Einzylinder-Motoren unterschieden sich mit einem Hubraum von 780 cm³ und einer Leistung von 3,7 kW (5 PS) von den gleichnamigen Vorgängermodellen. Als Chassis des dreirädrigen Laurin & Klement LW diente ein steifer Rohrrahmen, die Vorderachse mit einer Spurbreite von 1.150 Millimetern war an zwei halbelliptischen Blattfedern aufgehängt.

Das Leergewicht des LW-Dreirads lag bei 160 Kilogramm, die maximal mögliche Zuladung betrug 200 Kilogramm. So konnten auf einem lederbezogenen Doppelsitz zwei Passagiere Platz nehmen, die außerdem durch einen Blechunterboden optimal vor Spritzwasser und Staub geschützt waren. Bei der Frachtvariante befand sich ein Kofferaufbau vor dem Kühler. Auf einem Rohrgestell, das der Abdeckung diente, ließen sich zudem weitere Gepäckstücke verzurren. Laurin & Klement behielt den dreirädrigen LW von 1905 bis 1911 im Programm.

Vermutlich gibt es heute nur noch drei Exemplare sowie einen separaten Motor des Modells. Eines dieser Fahrzeuge ist als Leihgabe des Technischen Nationalmuseums Prag in der Ausstellung des Skoda Museum in Mladá Boleslav zu sehen.

Übersicht über die weiteren Folgen:

Teil 2: Černá Hora-Montenegro -Omnibusse und -Lieferwagen von Laurin & Klement

Teil 3: Skoda Sagitta

Teil 4: Typ 998 Agromobil

Teil 5: Skoda 1000 MB Hajaja

Teil 6: Skoda Buggy Typ 736

Teil 7: Skoda Felicia Fun

Dietmar Stanka
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