Zu den rund 340 Exponaten des mehr als 1.800 m² großen Skoda Museums in den historischen Hallen an der Václav-Klement-Straße in Mladá Boleslav kam Ende Oktober ein weiterer Blickfang dazu. Das Top-Modell Skoda 860 mit einem Reihen-Achtzylinder ist das einzige noch erhaltene Cabriolet der Baureihe aus dem Jahre 1932.

Der Skoda 860 im Skoda Museum

Das Skoda Museum ist seit 1998 im Besitz des Skoda 860 Cabriolet. Es wurde in den vergangenen zwei Jahren originalgetreu komplett restauriert. Die Restauratoren erneuerten Lackierung, Dachbezug und Sitzpolsterung, darüber hinaus führten sie kleine Reparaturen an der Holzkonstruktion sowie an der Karosserie durch.

Der Skoda 860 bot einige für die 1930er-Jahre äußerst innovative Ausstattungsdetails. Beispielsweise den Neigungsmesser auf dem Armaturenbrett, der als Vorgänger der modernen Schaltempfehlungsanzeige gilt. Bei Steigung oder Gefälle riet das Messgerät, rechtzeitig herunterzuschalten, auf gerader Strecke gab es die Empfehlung zum Hochschalten.

Ein weiteres Feature war die versenkbare Glasscheibe, die auf Wunsch die Fahrerkabine vom komfortablen Fahrgastraum trennte. Schon damals  überzeugte Skoda  mit einem großzügigen  Platzangebot. Auf der Rückbank des ŠKODA 860 können bis zu drei Erwachsene bequem  sitzen.  Zudem fanden dank der großzügigen Kniefreiheit noch zwei klappbare Behelfssitze Platz.

Sie waren zum Beispiel für Kinder oder Begleitpersonal bestimmt. Zum hohen Fahrkomfort trugen die im Boden verbaute Glühheizung, Armlehnen und Fußrasten ebenso bei wie Zigaretten- oder Zigarrenanzünder und Rollos an den Seitenscheiben.

Technisch knüpfte der Skoda 860 an den 1907 an den Laurent & Klement FF an, dem wahrscheinlich ersten Reihen-Achtzylinder in Mitteleuropa. Die Elastizität des Viertakt-Ottomotors mit einen Hubraum von 3.880 ccm ist noch heute erstaunlich. Im dritten und höchsten Gang beschleunigt das fast 5,5 Meter lange Fahrzeug bereits ab Schrittgeschwindigkeit.

Die Höchstgeschwindigkeit des 60 PS leistenden Skoda 860 liegt bei 110 km/h. Als vorbildlich kann für diese Zeit das Bremssystem mit einem Unterdruck-Bremskraftverstärker bezeichnet werden.

Virtuelle Rundgänge durch das Skoda Museum

Wem der äußerst empfehlenswerte Ausflug nach Mladá Boleslav nicht möglich ist, kann auch von zuhause durch das Museum streifen. Mit Google Streetview taucht man als virtueller Besucher mit nur wenigen Mausklicks in die Industriearchitektur der Ausstellungshallen.

Die virtuelle Besichtigung macht es möglich, sich in ausgewählten Exponaten auch ans Steuer zu setzen. Dieses Erlebnis ermöglicht zum Beispiel das erste Automobil des tschechischen Herstellers, die Voiturette A der Gründerväter Laurin und Klement.

Auch weitere legendäre Fahrzeuge wie der L&K-Skoda 110, der Skoda 860, der Skoda Superb 4000 oder das Skoda 1101 Tudor-Cabriolet bieten diese Perspektive. Ebenfalls einsteigen kann man in den Popular Sport Monte Carlo oder in den 1000 MB. Abgerundet wird das Angebot mit dem Innenraum der Designstudie Skoda VisionD sowie mit den Rennwagen-Cockpits des 130 RS und des Rallye-Fahrzeugs Fabia Super 2000.

Mladá Boleslav

60 Kilometer sind es von Prag nach Mladá Boleslav. Die Anreise kann über die Europastraße 65, die als Autobahn 10 durch die Tschechische Republik führt oder auch mit der Bahn erfolgen. Neben dem Skoda Museum sind der historische Stadtkern, die Ruine der gotischen Burg und der Putna besichtigt werden. Der Putna ist ein schiefer Turm mit einem ähnlichen Neigungswinkel wie der in Pisa, aber garantiert nicht so überlaufen. Kulinarisch bietet die Stadt mit rund 44.000 Einwohnern typisch böhmisch-tschechische Höhepunkte.

Anschrift und Öffnungszeiten:

ŠKODA AUTO Museum

Václava Klementa 294
29360 Mladá Boleslav
Tschechische Republik

Öffnungszeiten: täglich von 09 – 17h
E-Mail: muzeum@skoda-auto.cz
Telefon: 00420 / 326 / 831 1- 34, -35 oder -37
Telefax: 00420 / 326 / 832 039

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka