Gut drei Dutzend Fahrerassistenzsysteme, Technik von der feinen Sorte und jede Menge Oberklasse-Gefühl: Mit dem neuen A6 unterstreicht Audi den Premiumanspruch des Modells, das im Juli 2018 auf den Märkten in Europa startet

Will man den neuen Audi A6 in einem Satz beschreiben, geht das ganz schlicht: Man nehme alles, was in den Oberklassemodellen A7 und A8 gut, neu und teuer ist, und bringe es auch im A6.

Auf weniger als fünf Meter Fahrzeuglänge und eine halbe Klasse tiefer ist jetzt alles verfügbar, was die beiden Technologieträger der Ingolstädter ausmacht. Damit versucht der A6 das Terrain wieder aufzuholen, das in jüngster Zeit ein wenig verloren ging im Wettbewerb mit Mercedes E-Klasse und BMW 5er. Die beiden Premium-Konkurrenten aus Stuttgart und München haben ihre Businessklasse-Limousinen (und die dazugehörigen Kombis) bereits in den beiden letzten Jahren komplett renoviert und deren neueste Modellgeneration auf den Markt gebracht.

Wenig Längenwachstum, mehr Platz hinten

Äußerlich ist der neue A6 nur um Fingernagelbreite gewachsen: um 7 Millimeter auf jetzt knapp 4,94 Meter Gesamtlänge.  Trotz dieses marginalen Zuwachses haben die Entwickler und Designer das Kunststück fertiggebracht, den Innenraum um mehr als zwei Zentimeter zu verlängern, ohne dass dabei Kofferraumvolumen verloren ging. Der misst klassentypische 530 Liter und ist nun noch ein wenig einfacher zu beladen.

Gewonnen hat der A6 bei der Beinfreiheit, hier gibt es nun 17 Millimeter mehr Platz, und über dem Scheitel erhöht sich die Kopffreiheit um 11 Millimeter. Damit finden auch auf den hinteren Sitzen Erwachsene gut Platz. Nicht so gut gelungen ist der Verstellbereich der hinteren Kopfstützen. Die lassen sich nicht weit genug ausziehen, schützen also bei einem Unfall nicht optimal.

Komplett überarbeitetes Bedienkonzept

Beim Bedienkonzept geht Audi seit A8/A7 komplett neue Wege. MMI touch response nennt Audi das System aus zwei hochauflösenden berührungsempfindlichen Bildschirmen, die haptisch und akustisch Rückmeldung geben, wenn eine Schaltfläche aktiviert wurde. Wenn man das große MMI-Drehdrückrad von Audi einmal gewohnt war (und lieben gelernt hat), wird man das erst einmal beklagen.  Andererseits: An die neue Bedienung gewöhnt man sich schnell, und sie bietet auch eine Menge Komfort. Die Handschrifterkennung auch mit rezeptpflichtig hingeschnörkelten Schriften klar. Und wer lieber mit der Technik redet: Die Spracherkennung filtert die Wünsche aus normal gesprochenen Sätzen heraus. Die Maschine passt sich an den Menschen an, nicht umgekehrt.

Mit dem Audi Virtual Cockpit (Full-HD, 1920x720 Pixel, 2200 Euro) und  einem zusätzlichen Head-up-Display (1400 Euro) lässt sich das A6-Instrumentarium Richtung Airbus erweitern – wobei die Navigationsdarstellung im Head-up-Display je nach Einstellung etwas verspielt und unübersichtlich ist. Dass die Navigation anhand öfter gefahrenen Strecken Ziele identifiziert und zur Routenführung anbietet, kann man unter den vielen Komfortfunktionen vernetzter Autos verbuchen. Man darf sich aber auch immer ein wenig beobachtet fühlen…

Bis zu 39 Fahrerassistenzsysteme

Radarsensoren für verschiedene Entfernungsbereiche, Laserscanner, Kameras und  Ultraschall überwachen die Umgebung des A6, der damit bis zu 39 Fahrerassistenzsysteme ermöglicht.  Neu sind unter anderem der Kreuzungsassistent (1200 Euro) oder der adaptive Fahrassistent (2000 Euro).

Theoretisch kann der Fahrer für einen kurzen Zeitraum die Hände vom Lenkrad nehmen, der A6 folgt dennoch weiter der Fahrbahn. Nach spätestens einer halben Minute schlägt das Auto aber vernehmlich Alarm und bremst das Fahrzeug in seiner Spur bis auf Stillstand herunter. Ein Engstellenassistent warnt den Fahrer, wenn in einer Autobahnbaustelle der Platz zwischen Mittelleitplanke und rechts fahrendem langsamen Verkehr nicht für die Breite des A6 reicht.

Kompakter Fahreindruck

Mit knapp 1,90 Meter Fahrzeugbreite ist der A6 ja durchaus eine wuchtige Erscheinung, fährt sich aber völlig anders. Dazu trägt unter anderem die sehr feinfühlige serienmäßige Progressivlenkung bei, vor allem aber die Allradlenkung (Aufpreis 1900 Euro). Die gelenkten Hinterräder machen das Kurvenfahren und Rangieren zu einem Kinderspiel. Der Wendekreis des A6 schrumpft auf 11,1 Meter, das ist das Niveau eines Kompaktklassefahrzeugs.

Auch die gute Übersichtlichkeit zumindest nach vorne trägt dazu bei, dass man selbst auf engen Dorf- und Bergstrassen Nordportugals, wo die ersten Testfahrten mit dem Audi A6 möglich waren, immer sehr entspannt unterwegs sein konnte.

Das serienmässige Stahlfahrwerk bietet klassentypischen Komfort. Dennoch dürften viele A6-Käufer zur adaptiven Luftfederung greifen, die 2000 Euro Aufpreis kostet. Sie bietet höchsten Fahrkomfort selbst auf Kopfsteinpflaster oder geflickten Landstrassen und lässt sich für die sportlichen Momente vielfältig anpassen.

Zwei Motoren zum Marktstart im Juli

Zwei Sechszylindermotoren stehen zur Markteinführung des Audi A6 zur Wahl, beide übertragen ihre Kraft serienmäßig auf alle vier Räder. Die V6 haben drei Liter Hubraum und Turboaufladung. Der Benziner (TFSI) leistet 250 kW/340 PS, hat 500 Newtonmeter maximales Drehmoment und ist mit einem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt.

Der Diesel leistet 210 kW/286 PS und bietet ein bärenstarkes Drehmoment von 620 Nm. Deshalb überträgt er seine Kraft mit einer achtstufigen Wandlerautomatik.

Beide Sechszylinder sind mit 48-Volt-Bordnetz mit Mild-Hybrid-Technik ausgestattet.  Der Riemen-Starter-Generator und die Lithium-Ionen-Batterie bieten einen erweiterten Stopp-Start-Bereich und ermöglichen das Segeln mit ausgeschaltetem Verbrenner. Dies bringt laut Audi einen Verbrauchsersparnis von bis zu 0,7 l/100 km.

Modellerweiterung im Laufe des Jahres 

Beide Motoren überzeugen durch ruhigen und leisen Motorlauf bei hoher Fahrdynamik. Zwei weitere Diesel werden folgen: Ein weiterer V6 mit 231 PS sowie ein Zweiliter-TDI mit 204 PS für den Einsatz (nicht nur) in der Flotte. Auch mit diesem Vierzylinder macht der A6 bei weitem keinen untermotorisierten Eindruck.

Im Laufe des Jahres wird nicht nur die Motorenpalette erweitert, sondern im Herbst kommt mit dem Audi A6 Avant auch der Bestseller für den europäischen Markt. Hierzulande ist die Limousine mit knapp zehn Prozent Verkaufsanteil eher unbedeutend, was sich in den USA und in China aber komplett anders darstellt.

Knapp unter 60.000 Euro geht es los 

Die Preisliste für den Audi A6 beginnt derzeit bei 58.050 Euro für den TDI mit 286 PS, der serienmäßig unter anderem mit LED-Scheinwerfern und MMI touch response kommt. Dieser Preis findet sich so aber nur in der (fast 80 Seiten starken) Preisliste, denn mit ein paar Technik-Features, die ja gerade den Reiz des A6 ausmachen, steht beim Preis schnell eine 7 oder gar 8 an erster Stelle. Oberklasse halt.

Die neuen Typenbezeichnungen bei Audi

Auch die neuen Typenbezeichnungen für den A6 entsprechen der neuen Audi-Nomenklatur mit zweistelligen Leistungskennziffern. Diese ersetzen die bisher üblichen Typenbezeichnungen, die vom Hubraum abgeleitet waren. Die Kombination 30 steht dabei am Heck jener Modelle, die zwischen 81 und 96 kW Leistung haben. Für die Klasse oberhalb von 400 kW steht die Ziffernkombination 70.

Ergänzt werden die Ziffern von der Motorentechnologie – also TFSI, TDI, g-tron oder e-tron.

Im Fall des A6 heisst das: Der 210 kW starke Diesel firmiert als Audi A6 50 TDI, der 250 kW/340 PS starke 3.0 TFSI als Audi A6 55 TFSI.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Audi A6 50 TDI quattro

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: V6, Common-Rail-Diesel

Getriebe: Automatik, 8 Stufen

Hubraum in ccm: 2.967

Leistung in kW (PS) bei U/min: 210 (286)/3.500–4.000

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 620/2.250–3.000

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 5,5

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 250

Tankinhalt: 63 l

Kraftstoffverbrauch kombinierter Verkehr: 5,8-5,5 l auf 100 km

CO2-Emission kombiniert in g/km: 150–142

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.939/1.886/1.457

Radstand in mm: 2.924

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.900

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.475

Kofferrauminhalt in l: 530

Bereifung: 225/60 R 17 bis 255/35 R21

Felgen: 7,5J x 17 bis 8,5J x 21

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 58.050 Euro

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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