Meine erste Mitfahrt in einem Opel GT muss 1974 oder 1975 gewesen sein. Es war ein GT/J, der einem schon etwas älteren Schulkameraden von mir gehörte. Sensationelle 90 PS stark und rund 900 kg leicht, hinterließen diese Fahreindrücke tiefe Spuren. Dennoch nicht so tiefe, dass ich mir jemals eines dieser unglaublich schön designten Coupés gekauft habe.

Opel GT 1968

Ein bekennender Fan des Opel GT bin ich jedoch geblieben. Die in den USA liebevoll “Little Corvette” genannte Sportwagen-Ikone, die von 1968 bis 1973 insgesamt 103.643mal gebaut worden ist. Die Karosse übrigens in Auftragsarbeit bei Chausson in Gennevielliers, Lackierung und Innenausstattung bei Brissoneau & Lotz in Creil. Beide Unternehmen, wie es aus den Namen unschwer herauszulesen ist, in Frankreich ansässig.

Die Technik holte sich Opel dagegen durch die Bank aus Großserienmodellen. So stammten Bodengruppe und Fahrwerk sowie der 1,1-Liter-Motor vom Opel Kadett B. Der stärkere 1,9-Liter wurde von Opel Rekord C/D übernommen. Der Zusammenbau erfolgte im mittlerweile geschlossenen Werk in Bochum.

Opel GT/J 1971

Der mit einer Stückzahl von 3.573 Einheiten recht erfolglose 1,1-Liter mit 60 PS wurde 1970 eingestellt. Um weiterhin ein gegenüber dem Opel GT 1900 günstigeres Modell anbieten zu können, folgte 1971 der GT/J. Etwas weniger Luxus, man musste auf die Cordsitze ebenso verzichten wie auf die Ausstellfenster, Zusatzinstrumente und verchromte Teile, bedeutete dies eine Ersparnis von 1.710 DM gegenüber dem 12.210 DM kostenden GT 1900.

Opel Rallye-Kadett B 1966

Hat man sich mal in den nur 1,23 Meter schmalen Innenraum gezwängt und den Motor gestartet, wird klar, warum Opel bei der Markteinführung des GT mit dem Slogan “Nur Fliegen ist schöner” geworben hat. Leichtfüßig flitzt der Opel GT um die Kurven. Der 1,9-Liter, bekannt auch aus dem Rallye-Kadett, hängt willig am Gas und mit dem kleinen Lenkrad und der tiefen Sitzposition ist die Einheit Fahrer-Auto in Perfektion geschaffen.

Rich Kavadas und Gil Wesson

Rund 70.000 Opel GT sind übrigens in den USA verkauft worden. Buick-Händler kümmerten sich damals um den Vertrieb und den Service. Heute ist es Gil Wesson aus Tuolumne in Kalifornien. Der malerische und in der Nähe des Yosemite Parks gelegene Ort ist das Zuhause der Opel GT Source. Von dort werden die GT-Besitzer mit allem versorgt, was das Herz begehrt.

Opel GT Elektrofahrzeug auf Testfahrt und mit Batteriepackage von Varta

Zwei Besonderheiten seien der Vollständigkeit noch erwähnt. Ein rein elektrischer angetriebener Opel GT kam bei diversen Fahrten auf dem werkseigenen Testgelände in Dudenhofen auf eine Höchstgeschwindigkeit von über 188 km/h. Der Fahrspaß endete jedoch bei einer Reichweite von 44 Kilometern. So kam dieser GT genauso wenig als Serienmodell in Frage, wie der Opel GT Aero. Eine Art Targa von dem zwei Stück gebaut wurden, die nun in Rüsselsheim in der historischen Sammlung stehen.

Opel GT Aero in Orange

Wer sich nach einem eigenen Opel GT sehnt, sollte entweder selbst Experte sein oder einen kennen. Die eindeutigen Schwachpunkte sind unzählige Rostnester in der vielfach verschweißten Karosserie. Es sollten deshalb Schweller, Kotflügel, die Partien um den Außenspiegel und die Klappscheinwerfer sowie die Heckschürze und die Heckscheibe genauestens geprüft werden.

Opel GT 1968

Vom 19. bis 20. Mai 2018 findet das mittlerweile 26. Opel GT Europa Treffen statt. Veranstalter ist die GT IG Bergstraße e.V. auf deren Webseite sämtliche Informationen zur Verfügung stehen.

Buchtipp

Interessanten Lesestoff mit tollen Fotos und Erlebnisberichten von Opel GT Fans aus aller Welt bietet das Werk „GT Love“ von Jens Cooper und Harald Hamprecht, der als General Director Product & Corporate Communications bei der Adam Opel AG tätig ist.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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