Das meistverkaufte Automobil von Skoda war zwischen den beiden Weltkriegen der Popular.

Auto360.de stellt in ingesamt sieben Folgen unbekannte und doch auch wegweisende Fahrzeuge der vergangenen Jahrzehnte vor. In Teil 3 ist es der Skoda Sagitta.

Doch der 1934 vorgestellte Bestseller der Marke aus Mladá Boleslav legte in den Folgejahren bei Hubraum und Motorleistung, Abmessungen und Preis immer weiter zu. Damit eröffnete das Mittelklassemodell in der Modellpalette Raum für eine erschwinglichere Alternative

Den 995 Popular Liduška mit wassergekühltem Vierzylinder. Dessen Entwicklung begann 1936 mit speziellen Prototypen, bei denen der böhmische Hersteller mit ungewöhnlichen Antrieben experimentierte. Zwei dieser Sagitta genannten Skoda-Modelle sind bis heute erhalten geblieben.

Skoda Sagitta

Skoda Sagitta

Das Experiment Sagitta

Ein erster Versuchsträger stand im April 1936 auf den Rädern. Mit Zentralrohrrahmen und vier einzeln aufgehängten Rädern mit querliegenden, halbelliptischen Blattfedern setzte er auf das inzwischen bewährte Konzept der Tschechen.

Welche Karosserie dieser Prototyp trug, ist nicht mehr bekannt. Ihm folgten auf jeden Fall zwei Cabrios, ein Zweitürer mit vier vollwertigen Sitzen statt einer 2+2-Anordnung und vier Coupés, die sich unter anderem durch seitliche Schiebe- oder Senkfenster voneinander unterschieden.

Ähnlich wie beim Popular bildeten ihre Dreiganggetriebe mit dem Verteilergetriebe an der Hinterachse eine fortschrittliche Transaxle-Einheit. Ein Konstrukt, dass sich erst später bei teuren Sport- und Rennwagen durchsetzte.

Im Popular und Sagitta bescherte es dem Fahrer und Beifahrer eine größere Beinfreiheit und senkte den Fahrzeugschwerpunkt. Dass dieses Transaxle-Prinzip obendrein auch noch die Traktion verbesserte, kam als weiterer Pluspunkt auf den seinerzeit zumeist unbefestigten, schlammigen oder sandigen Straßen und Wegen hinzu.

Skoda Sagitta

Skoda Sagitta

Ein interessanter Antrieb

Unter der Motorhaube mit integriertem Kühlergrill verrichteten die V2-Zylinder-Viertakter aus dem Versuchsprogramm des Ingenieurs Zubatý ihren Dienst. Jetzt mit SV-Ventilsteuerung, 844 ccm Hubraum und einer Leistung von 11 kW (15 PS) bei 3.000 Umdrehungen pro Minute.

Anders als sonst bei Skoda üblich, waren sie luft- statt wassergekühlt und besaßen einen Vierblatt-Ventilator aus Leichtmetall sowie je ein Kapillar-Thermometer hinter den gerippten Zylinderköpfen.

Anstelle der ursprünglich verwendeten Zenith 26 VEH-Vergaser kamen die moderneren Solex BFRH zum Einsatz. Sie verfügten bereits über einen Luftfilter, der aus einem mit Öl getränkten Drahtgitter bestand. Das Vorwärmen des Ansaugkrümmers durch Abgase erleichterte das Anlassen des Motors. Das elektrische Bordnetz basierte auf einem 6-Volt-System des schweizerischen Spezialisten Scintilla. Als Höchstgeschwindigkeit erreichte der Prototyp 70 km/h, der Durchschnittsverbrauch pendelte sich bei 5,5 Litern auf 100 Kilometer ein.

Skoda Sagitta

Skoda Sagitta

Zwei Sagitta im Museum

Zwei Exemplare des Sagitta befinden sich heute im Besitz des Skoda Museums in Mladá Boleslav. Das umfangreich restaurierte, in braun-metallic lackierte Coupé ist fester Bestandteil der ständigen Ausstellung.

Es besitzt Schiebefenster in den Seitentüren, eine durchdachte Lösung, die ohne Fensterkurbeln auskommt und so das Raumgefühl auf Ellbogenhöhe verbessert. Ein weiteres Coupé-Modell wartet im Museumslager auf seine Wiedererweckung.

In Serie gingen die Kleinwagen zwar nicht, ihren Zweck erfüllten sie trotzdem. Viele Elemente inklusive der Motoranordnung längs vor der Vorderachse und dem in die Motorhaube integrierten Kühlergrill, die damit Arbeiten am wassergekühlten Vierzylinder erleichterte, fanden ihren Weg in den ab November 1938 gebauten 995 Popular Liduška.

Dieses Automobil wurde trotz seines aufwändigeren, 995 ccm großen und 16 kW (22 PS) starken Motors und der 400 Millimeter längeren Karosserie zu einem echten Preis- und Verkaufsschlager. Skoda verlangte für ihn lediglich 17.300 Kronen ohne Umsatzsteuer. Bis 1946 liefen insgesamt 1.478 Exemplare der Liduška vom Band.

Übersicht über die weiteren Folgen:

Teil 1: LW-Dreirad von Laurin & Klement

Teil 2: Černá Hora-Montenegro -Omnibusse und -Lieferwagen von Laurin & Klement

Teil 4: Typ 998 Agromobil

Teil 5: Skoda 1000 MB Hajaja

Teil 6: Skoda Buggy Typ 736

Teil 7: Skoda Felicia Fun

Dietmar Stanka
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