Mit fast 1,8 Million Neuzulassungen hat sich der Automarkt in Deutschland im ersten Halbjahr 2017 deutlich besser entwickelt als erwartet. Das Plus liegt bei 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) passt deshalb seine Prognose fürs komplette Jahr an und geht von insgesamt 3,4 Millionen Neufahrzeugen für 2017 aus.

Der Automarkt reagiert auf die Schadstoffdiskussion: Acht Prozent Rückgang bei Diesel-Fahrzeugen

Eine Delle gibt es bei den Neuzulassungen von Dieseln: Die Schadstoffdiskussion ist nicht spurlos an den Käufern vorbeigegangen. Acht Prozent weniger Neuwagen mit Selbstzünder wurden im Vergleich zum Vorjahr verkauft. Allerdings hat der Diesel immer noch einen Anteil von 42 Prozent an den Neuwagenverkäufen.

Hohe Zuwachsraten für Autos mit Hybrid, Plug-in Hybrid und Elektroantrieb

Mehr als aufgewogen wurde der Diesel-Rückgang am Automarkt durch die Zuwachsraten für Benziner (11 Prozen) sowie bei den alternativen Antrieben. Zuwachsraten von 75 Prozent bei Hybrid-Fahrzeugen (25.000 Einheiten im ersten Halbjahr), 98 Prozent Plus bei Plug-in Hybriden (12.000 Fahrzeuge) und 119 Prozent bei reinen Elektrofahrzeugen (9500 Fahrzeuge) zeigen, dass dieser Markt so langsam ins Rollen kommt, wenngleich die hohen Zuwachsraten natürlich dem insgesamt noch immer niedrigen Ausgangsniveau geschuldet sind. Immerhin liegt der Anteil der alternativen Antriebe bei inzwischen 2,8 Prozent an den Neuzulassungen.

Bei den reinen Elektroantrieben haben die Importeure einen Anteil von 47 Prozent, das ist ein um gut neun Punkte höherer Marktanteil als über den gesamten Automarkt gesehen (37,7 Prozent). Mit insgesamt über 670.000 Neuwagenverkäufen erreichten die Importeure das beste Halbjahresergebnis seit dem Jahr der Umweltprämie.

Anteil der privaten Käufe am Automarkt wieder gestiegen

Besonders zulegen konnten die Importeure im Privatmarkt. Der Anteil der privaten Autokäufer wuchs wuchs um 3,2 Prozent auf rund 620.000 Pkw-Neuzulassungen und hat jetzt einen Anteil von 35 Prozent am Pkw-Markt. Die Importeure konnten mit einem Plus von 10 Prozent ihren Marktanteil im Privatmarkt von 43,4 auf 46 Prozent steigern. Fast jedes zweite Fahrzeug im Privatmarkt stammt also von einem internationalen Hersteller.

Der Flottenmarkt erreicht im ersten Halbjahr 2017 mit rund 420.000 Zulassungen ein neues Rekordniveau und wuchs um 1,4 Prozent. Auch hier sind die Importeure mit einem Plus von 13 Prozent überdurchschnittlich erfolgreich, vermeldet der VDIK in einer Pressemitteilung. Ihr Marktanteil in diesem Bereich ist von 25,6 auf rund 29 Prozent gestiegen.

Die Neuzulassungen auf Hersteller, Kfz-Handel und Vermieter stiegen um rund 4,4 Prozent auf 745.000 Einheiten. Damit sind unter anderem die Dienstwagenflotten der in Deutschland ansässigen Autohersteller gemeint, aber auch sämtliche Vorführwagen bei den mehr als 7000 Autohändlern. Diese Fahrzeuge werden kurz- bis mittelfristig als Junggebrauchtwagen in den Markt kommen, ebenso wie die Fahrzeugflotten der Autovermieter.

SUV boomen weiter bei den Verkaufszahlen

SUV und Geländewagen verzeichnen zusammen ein Plus von 25 Prozent auf 418.000 Einheiten. Damit erreicht dieses Segment inzwischen fast das gleiche Volumen wie die Kompaktklasse, die auf 420.0000 Neuzulassungen kommt und damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 6 Prozent zurückfällt. Das Segment der Kleinwagen steigert sich um 4 Prozent, während die Mittelklasse knapp unter dem Vorjahresniveau bleibt.

Konsequenzen für die Verbrauchswerte

Weniger Diesel- und mehr Benziner-Modelle, dazu der anhaltende Trend zu SUV: Das hat auch Konsequenzen für die Verbrauchswerte. Der Emissionsdurchschnitt der in Deutschland zugelassenen Neuwagen im ersten Halbjahr 2017 ist  innerhalb eines Jahres um 0,6 Gramm auf 127,6 Gramm CO2 pro Kilometer gestiegen, so die Angaben des VDIK.

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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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