Die Finanzierung gehört inzwischen zum Auto wie Airbag und ABS. Der Griff ins Ersparte, um den Kauf eines neuen Autos zu bezahlen, ist weitgehend passé. Mehr als 70 Prozent aller Neufahrzeuge werden finanziert oder geleast. Mit Niedrigzinsaktionen  machen Hersteller und freie Banken den Käufern die Autofinanzierung und das neue Auto schmackhaft.

Klassische Tilgung oder Schlussratenfinanzierung?

Die Käufer können dabei zwischen zwei Finanzierungsformen wählen: Dem klassischen Tilgungsdarlehen oder der Schlussratenfinanzierung. Der Kredit mit der hohen Schlussrate wird von den Autobanken unter verschiedenen Namen angeboten und immer beliebter. Denn die monatliche Rate liegt knapp halb so hoch wie beim Volltilgungsdarlehen. Damit lässt es sich viel leichter ins monatliche Budget einpassen.

Der klassische Autokredit läuft nach einem schlichten Schema: Der Kunde zahlt in einem festen Zeitraum – das sind meist 24, 36 oder 48 Monate – den Darlehensbetrag plus Zinsen und andere Nebenkosten zurück. Damit tilgt er in diesem Zeitraum den Kredit komplett. Die Summe aller Zahlungen geteilt durch die Zahl der Monate ergibt die monatliche Rate. Autokäufer, die ihr Auto längerfristig behalten wollen, sind mit einem klassischen Kredit meist besser dran: Durch die relativ schnelle Tilgung sind die Kosten für das Darlehen bei einem vergleichbaren Zinssatz niedriger als bei einer Schlussratenfinanzierung. Allerdings mit dem Nachteil relativ hoher Monatsraten.

Niedrige Rate, aber die Autofinanzierung zieht sich in die Länge

Deshalb findet die Schlussraten- oder Dreiwegefinanzierung immer mehr Anhänger, denn sie schont das monatliche Budget. Bei dieser Kreditform, die zum Beispiel beim VW-Konzern AutoCredit heißt oder bei Mercedes Plus 3, wird nicht der komplette Kreditbetrag getilgt, sondern eine hohe Schlussrate von rund 40 bis 50 Prozent des Neupreises stehen gelassen. Vorteil: Die monatlichen Raten sind nur etwa halb so hoch wie beim klassischen Darlehen.

Am Ende der Laufzeit kann sich der Kunde entscheiden, ob er das Auto an den Händler zurückgibt. Das ist–interessant, wenn der Wagen schwer verkäuflich ist. Alternative: er zahlt die Schlussrate auf einen Schlag oder nimmt dafür ein neues Darlehen auf. Durch die Rückgabeoption ähnelt die Schlussratenfinanzierung ein wenig dem Leasing und eignet sich vor allem für Autokäufer, die nach drei Jahren auf ein anderes Modell umsteigen wollen. Allerdings gilt auch hier: Bequemlichkeit hat ihren Preis. Statt das Auto an den Händler zurückzugeben, ist es in vielen Fällen lukrativer, die Schlussrate zu bezahlen und den Wagen auf dem Privatmarkt zu verkaufen. Allerdings muss man sich darum rechtzeitig kümmern.

Auf keinen Fall ein Auto jenseits der eigenen finanziellen Möglichkeiten kaufen

Verbraucherschützer warnen, Schlussratenkredite seien unkalkulierbar, weil die hohe Restsumme teuer nachfinanziert werden müsse. Das gilt aber nur ernsthaft für den Fall, dass ein viel zu teures Auto so gerade eben hinfinanziert wird. Die ideale Vorgehensweise ist: Die monatliche Belastung auf Basis einer klassischen Finanzierung ermitteln. Wenn diese Rate aus dem laufenden Einkommen bestritten werden kann, passt das Auto in den Familien-Etat. Wenn man dann mit einer Schlussratenfinanzierung die Rate um knapp die Hälfte drücken kann, bleibt genug Liquidität, um Geld zur Seite legen zu können. Wichtig also: Der Käufer muss der Versuchung widerstehen, ein für seine Verhältnisse zu teures Auto zu kaufen – nur weil die monatlichen Raten auf den ersten Blick so günstig aussehen.

Beim Offertenvergleich immer gleiche Rahmenbedingungen schaffen

Prinzipiell gilt für die Autofinanzierung: Wer Angebote verschiedener Banken vergleicht, sollte immer Offerten für gleiche Laufzeiten anfordern. Denn durch das Verlängern der Kreditlaufzeit lassen sich die Raten senken – aber unter dem Strich wird das Darlehen teurer. Auf gar keinen Fall sollte man sich die Raten durch eine überlange Laufzeit künstlich niedrig rechnen.

Auch wenn der effektive Jahreszins auf einen Blick Aufschluss gibt, wie teuer das geliehene Geld ist: er sagt nur die halbe Wahrheit.  Denn gerne bieten die Banken ihren Kreditkunden zusätzliche Versicherungen an, zum Beispiel eine  Restschuldversicherung. Diese tritt ein, wenn der Kreditnehmer stirbt oder wegen Krankheit nicht arbeiten kann.

Wer also genau wissen will, welche Bank unter dem Strich die billigste ist, sollte auf den Rückzahlungsbetrag achten, den die Bank in ihrem Angebot ausweisen muss. Diese Zahl gibt auf den Cent genau an, wie teuer die Autofinanzierung in Wahrheit ist.

Beim Vergleichen von Konditionen helfen Vergleichsrechner im Web, etwa biallo.de oder check24.de

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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