Das gebirgig gelegene Fürstentum Montenegro suchte im Jahr 1907 Nutzfahrzeuge für den Personen- und Pakettransport im regelmäßigen Liniendienst.

Auto360.de stellt in insgesamt sieben Folgen unbekannte und doch auch wegweisende Fahrzeuge von Skoda der vergangenen Jahrzehnte vor. In Teil 2 sind es die Černá Hora-Montenegro -Omnibusse und -Lieferwagen von Laurin & Klement.

Mit den Černá Hora-Montenegro -Omnibussen und -Lieferwagen bot Laurin & Klement ab 1908 passgenaue und innovativ konstruierte Zugmaschinen an.

Mit einer Gesamtlänge von nur 3,69 Metern und einer Breite von lediglich 1,60 Metern waren sie sehr kompakt, boten aber gleichzeitig Platz für bis zu zwölf Personen oder 4,8 Kubikmeter Fracht. Die maximale Zuladung lag bei 900 Kilogramm, ihr Anhänger war für zusätzliche 1.500 Kilogramm Nutzlast ausgelegt.

Als Basis für die ,Černá Hora-Montenegro‘-Modelle wählten die Böhmen den L&K Typ E . Das leichte Nutz- und Personenfahrzeug wurde in Mladá Boleslav bereits seit 1906 produziert. Wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Spezialanfertigungen hatte der damals erst 25-jährige, hochtalentierte und sehr kreative Konstrukteur František Kec.

Černá Hora-Montenegro

Černá Hora-Montenegro

Ungewöhnliche Maßnahmen

Ein auf 70 Zentimeter verengtes Vorderteil des Typ-E-Rahmens ermöglichte eine 1.300 Millimeter schmale Spur an der Vorderachse. Sie erlaubte einen so großen Lenkeinschlag der Vorderräder, dass die Lkw und Busse selbst scharfe, enge Kurven im ersten Anlauf durchfahren konnten, ohne zurücksetzen oder rangieren zu müssen.

Der außerordentlich kurze Radstand von 2.210 Millimetern war dabei ebenso wichtig wie die knapp bemessenen Karosserieüberhänge von 450 Millimetern vorn und 1.030 Millimetern hinten.

Die kompakten Außenmaße der Typ E-Nutzfahrzeuge verlangten auch bei der Raumnutzung nach innovativen Ideen, denn das seinerzeit übliche Grund-Layout mit Frontmotor und dahinter positioniertem Chauffeur schränkte den verfügbaren Raum für

Personen und Pakete angesichts der sehr kurzen Gesamtlänge von 3,69 Metern stark ein. Die Lösung brachte ein fortschrittliches Konzept, das bis heute zur Anwendung kommt. L&K ordnete den Fahrersitz über dem Motor an, damit gingen die Černá Hora-Montenegro-Modelle als Vorläufer der heutigen Frontlenker-LKW in die Geschichte ein.

Fahrer und Beifahrer saßen in 1,68 Meter zwar in luftiger Höhe über dem Boden, doch auf den Strecken der montenegrinischen Postlinien gab es keine niedrigen Tunnel und die geringen Geschwindigkeiten zwischen 20 und 30 km/h gefährdeten die Fahrstabilität der 2,82 Meter hohen Mobile nicht allzu sehr.

Černá Hora-Montenegro

Černá Hora-Montenegro

Der Antrieb

Als Antrieb diente ein fortschrittlich konstruierter, 25,7 kW (35 PS) starker Vierzylinder mit 4.652 ccm Hubraum, der sich durch jeweils zwei getrennte Zylinder- und Kurbelgehäuse auszeichnete. Der T-Zylinderkopf besaß eine Seitenventilsteuerung und die Ein- und Auslassventile befanden sich jeweils auf gegenüberliegenden Seiten des Zylinderkopfs, was eine zweite Nockenwelle erforderte.

Die Kraftübertragung an die Hinterachse erfolgte durch eine Kegelkupplung mit Lederbelag und ein direkt geschaltetes Vierganggetriebe. Vollgummi-Pneus lösten das Problem der damals sehr häufigen Reifenpannen.

Černá Hora-Montenegro

Černá Hora-Montenegro

Die Černá Hora-Montenegro Omnibusse und Transporter im Einsatz

Die L&K-Entwicklungen auf Basis des Typ E überzeugten, im Juli 1908 wurde schließlich der Vertrag mit dem montenegrinisches Innenministerium unterzeichnet. Schon einen Monat zuvor hatte in Mladá Boleslav die Herstellung von sechs Omnibussen, einem Pritschen- und zwei Lieferwagen mit Kofferaufbau des Typs E begonnen.

Im Januar 1909 bestanden die Spezialfahrzeuge von Laurin & Klement in Montenegro erfolgreich die Betriebsprüfung und nahmen noch im Frühling des gleichen Jahres auf allen vier Verkehrslinien den Betrieb auf.

Bis zum Jahr 1912 verrichteten die tschechischen Sonderanfertigungen ihren Dienst im zivilen Einsatz, dann wurden sie von der montenegrinischen Armee und dem Roten Kreuz im Ersten Balkankrieg genutzt, der bis 1913 dauerte.

Nach dem Ende der Kampfhandlungen waren die Fahrzeuge wieder auf den erneuerten Postlinien unterwegs, bis der Erste Weltkrieg im Januar 1916 mit dem Angriff Österreich-Ungarns auf Montenegro auch das kleine Land auf dem Balkan traf.

Nach heutigem Kenntnisstand ist keiner der Omnibusse, Liefer- oder Pritschenwagen der Černá Hora-Montenegro-Fahrzeuge erhalten geblieben.

Dietmar Stanka