Der Diesel: am Ende, ein Auslaufmodell, nicht mehr vermittelbar, Gebrauchtwagen unverkäuflich oder nur noch weit unter Wert zu verscherbeln. Die Tonart „Moll“ herrscht seit Monaten vor, wenn es um die Zukunft des Selbstzünders geht. Vor allem bei selbsternannten Experten.

Nun aber das. Diesel sind – wertstabil. Trotz aller Feinstaubdiskussionen, trotz der für Stuttgart beschlossenen Fahrverbote, denen sich möglicherweise auch andere Städte anschließen. Gut, es dauert ein wenig länger, bis sie vom Hof des Gebrauchtwagenhändlers wieder wegrotiert sind und einem Autofahrer als fahrender Untersatz dienen. Aber sie werden zu einem seit Jahren üblichen Preis verkauft.

Kein höherer Wertverlust für Diesel

Das sagt zumindest die Deutsche Automobil Treuhand (DAT), berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Die Zahlen kurz  zusammengefasst: Ein drei Jahre alter Diesel-Pkw hatte im Erhebungszeitraum März 2017 nach drei Jahren und durchschnittlicher Fahrleistung einen Restwert von 55,7 Prozent. Ein vergleichbares Auto exakt ein Jahr zuvor wurde noch mit einem Restwert von 55,2 Prozent gelistet, also sogar schlechter. Und Anfang 2017, kurz bevor die Diskussion in Stuttgart ganz heiß wurde, lag der Wert bei 56 Prozent. Minimale Schwankungen somit, ermittelt aus den Verkaufspreisen, die rund 18.000 Autohändler in Deutschland an die DAT übermitteln, wenn sie ein Auto verkaufen.

Standzeiten für Diesel im Handel steigen

Es ist für den Autohandel jedoch nicht leichter geworden, Diesel zu vermarkten. Denn die durchschnittliche Standzeit ist in den letzten zwölf Monaten gestiegen.Dauerte es vor Jahresfrist noch 85 Tage zwischen Hereinnahme des Autos und dem Verkauf, ist diese Zeitspanne inzwischen auf 98 Tage angewachsen. Das schmälert die Marge des Händlers, denn das eingesetzte Kapital ist länger gebunden und die Autos müssen auch länger beworben werden. Für Benziner stieg im gleichen Zeitraum die durchschnittliche Standzeit ebenfalls an, aber nur von 86 auf 89 Tage.

Nach DAT-Angaben ist im Gebrauchtwagenhandel das Angebot an Diesel-Fahrzeugen in den vergangenen Jahren gestiegen. Grund sei das wachsende Angebot an Fahrzeugen, die von Firmenflotten und Autovermietern in den Gebrauchtwagenmarkt gedrückt würden.

Klaus Justen
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Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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