Diskussionen um Fahrverbote, Angst vor Wertverlust: Die Diesel-Krise hat im vergangenen Jahr die Autokäufer in Deutschland beeinflusst. Dies belegt der DAT-Report 2018, den die Deutsche Automobil Treuhand vorstellte.

Der seit 44 Jahren herausgegebene DAT-Report analysiert repräsentativ den Gebrauchtwagenkauf, Neuwagenkauf und das Werkstattverhalten der Endverbraucher in Deutschland. Er gibt zudem Auskunft über das Nutzungsverhalten und die Einstellungen der Autokäufer und Pkw-Halter zu ihrem Automobil. In diesem Jahr im Mittelpunkt: Wie wirkt sich die Diesel-Krise auf das Kaufverhalten aus? Einige der wesentlichen Ergebnisse: Die Autofinanzierung gewinnt immer mehr an Bedeutung, die Markenhändler haben erstmals mehr als die Hälfte aller Gebrauchtwagenverkäufe abgewickelt, und Hybridautos sind erste Wahl vor reinen Elektrofahrzeugen.

Diesel-Krise hat Folgen auf dem Automarkt

23% der Neuwagenkäufer gaben an, die Diskussion um den Diesel habe ihre Kaufentscheidung beeinflusst. Gebrauchtwagenkäufer nur zu 15%. Den eigenen Diesel-Pkw haben aus Angst vor drohenden Fahrverboten oder Wertverlust 17% der Neuwagen- und 20% der Gebrauchtwagenverkäufer verkauft.

Laut KBA wurden 2017 13,2% weniger Neuzulassungen mit Dieselmotor und 2,7% weniger Besitzumschreibungen als im Vorjahr registriert.

48% der Neuwagen- und 42% der Gebrauchtwagenkäufer denken, dass Industrie und Politik eine Lösung für den Großteil der von möglichen Fahrverboten betroffenen Pkw anbieten wird.

Skepsis zur Zukunft des Diesels gewachsen: Im Vergleich zur Befragung für den DAT-Report aus dem Vorjahr wuchs die der Anteil der befragten Autokäufer um 10 Prozentpunkte auf 38%, wenn es um die Bejahung der Frage geht „Wird die Bedeutung des Diesels in Zukunft abnehmen?“.

Finanzierung immer wichtiger

Neu- und Gebrauchtwagen werden immer häufiger mit Finanzierung gekauft. Mittlerweile sind 44% (Vorjahr: 41%) der Gebraucht- und 64% (Vorjahr: 61%) der Neuwagen finanziert. Hinzu kommt bei den Neuwagen noch ein Leasinganteil von 17%. Befragt wurden private Autokäufer, im gewerblichen Bereich liegt der Leasinganteil deutlich höher.

Gebrauchtwagen werden vor allem beim Markenhandel gekauft: Erstmals seit der Analyse des Marktes durch die DAT liegt der Anteil des Markenhandels bei 51%. Auf dem Privatmarkt wurden 32% der Gebrauchtwagen gekauft, beim freien Handel 17%.

Wer in Deutschland ein Auto kauft, benötigt dazu etwa einen Monat (Neuwagenkäufer 38 Tage, Gebrauchtwagenkäufer 30 Tage). Das eigene Auto zu verkaufen, dauert etwa 22 Tage. Das gilt für Diesel und Benziner gleichermaßen. Gehalten wird ein Pkw in Deutschland im Schnitt zwischen 6 und 7 Jahren.

Wer einen Internetzugang hat, nutzt diesen für die Informationsbeschaffung – das gilt für 80% der Neuwagenkäufer und 78% der Gebrauchtwagenkäufer. Zwischen 20% und 25% aller Autokäufer haben wegen des Internets die Marke gewechselt. 15% haben ihren Neuwagen über ein Neuwagenportal erworben.

Spaßfaktor beim Fahren weiter hoch: 95% der Neuwagenkäufer, 91% der Gebrauchtwagenkäufer und 85% der Pkw-Halter in Deutschland bestätigen, dass Autofahren Spaß macht. Über 90% aller drei befragten Gruppen fühlen sich zudem ohne Automobil in ihrer Mobilität eingeschränkt.

Am wichtigsten ist allen Autokäufern die Zuverlässigkeit ihrer Pkw. Bei Neuwagenkäufern folgt Design und Preis, bei Gebrauchtwagenkäufer steht an Platz 2 der Preis und danach das Design. Der Kraftstoffverbrauch liegt bei beiden Gruppen auf dem 5., die Umweltverträglichkeit auf dem 16. Platz (beim Neuwagen) oder 15. Platz (beim Gebrauchtwagen). Der Wiederverkaufswert liegt bei beiden Gruppen auf Rang 13.

Anteil alternativer Antriebe weiterhin niedrig

3% der Neu- und 2% der Gebrauchtwagen waren 2017 laut KBA mit Elektro-, Hybrid- oder Erdgas-/Flüssiggasmotor ausgestattet. Solche Antriebsarten vor dem Kauf in Erwägung gezogen haben immerhin 24% der Neuwagen- und 16% der Gebrauchtwagenkäufer.

Reichweite und Ladeinfrastruktur hindern beim Kauf eines Elektroautos: Während generell von allen Käufern die hohen Anschaffungskosten eines E-Autos als Haupthinderungsgrund für den Kauf genannt wurden, haben diejenigen Käufer, die sich intensiv mit neuen Technologien beschäftigen (43% aller Neuwagenkäufer), eine andere Meinung. Sie kauften kein E-Auto wegen der zu geringen Reichweite und der fehlenden Ladeinfrastruktur. Der Hinderungsgrund „Anschaffungspreis“ landete erst auf Rang 3.

Hybridautos wären die erste Wahl, wenn es keine reinen Verbrenner mehr gäbe: Gefragt für welche Antriebsart sich die Autokäufer in einem solchen Szenario entscheiden würden, war die Wahl Nr. 1 der Hybridmotor. Im Vergleich zur identischen Befragung vor zwei Jahren verlor das reine Elektroauto deutlich zugunsten von Hybrid-Pkw.

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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