Im Prinzip ganz einfach, im Alltag oft ein Ärgernis: Autofahrer, die das Reißverschlussverfahren beherrschen, fahren deutlich entspannter und produzieren weniger Stau. Und zu frühes Einfädeln ist gefährlich. .

Würden Sie beim Anziehen einer Jacke auf die Idee kommen, den Reißverschluss irgendwo in der Mitte einzufädeln und dann darauf hoffen, dass er richtig schließt?

Nein, natürlich nicht. Irgendwann im Kindergarten- oder Grundschulalter haben wir gelernt, dass man die beiden Enden des Reißverschlusses ganz unten zusammenbringen muss, dann läuft es anschließend wie geschmiert. Meistens zumindest.

„Reißverschluss erst in 500 Metern“

Auf der Straße ignorieren viele Autofahrer dieses Basiswissen und das, was der Fahrlehrer irgendwann einmal gepredigt hat.  Alles in Sekundenschnelle vergessen, wenn das Schild mit dem Hinweis auf die Baustelle am Horizont auftaucht und der weiße Pfeil auf dem blauem Schild ankündigt, dass sich die Fahrbahn auf eine Spur verengt und man bitteschön von links nach rechts wechseln soll.

Inzwischen belassen es Autobahnmeisterei oder das zuständige Straßenbauamt nicht mehr beim einfachen Hinweis – sondern stellen gleich noch Hinweisschilder dazu: „Reißverschluss erst in 500 Metern“. Ein Hinweis, der aber nicht immer fruchtet.

Hektik und stockender Verkehr durch Spurwechsel

Denn auch er hält viele Autofahrer nicht davon ab, in den Panikmodus zu verfallen. Sie blinken kurzentschlossen (oder lassen es gleich bleiben) und ziehen  sofort rüber auf die weiter durchgehende Spur. Ist der Verkehr schon ziemlich dicht oder sogar stockend, geht das nicht immer reibungslos ab. Der Verkehr stockt noch mehr, die Wechselwilligen bleiben schräg zwischen den beiden Fahrspuren stehen.

Das nervt wiederum die Autofahrer, die sich an die Verkehrsregeln halten und sich deshalb  an den Frühwechslern vorbeidrücken, um nach ganz vorne zu fahren, damit sie an der Engstelle einscheren können.  Was ihnen aber nicht immer auf Anhieb gelingt – denn der eine oder andere Autofahrer im inzwischen nur noch zäh dahinfließenden Verkehr will es den vermeintlichen Dränglern mal so richtig zeigen und fährt die kleinste Lücke sofort zu. Was dazu führt, dass die Gefahr von Auffahrunfällen rapide ansteigt. Flüssiger wird der Verkehr auch nicht. Und die Unkenntnis der Verkehrsregeln belegt es obendrein.

Regeln für das Reißverschlussverfahren

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) nennt die Regeln für das Einfädeln an einer Engstelle und verweist auf  § 7 Absatz 4 der Straßenverkehrsordnung:

Wenn auf einer Straße mit mehreren Fahrstreifen für eine Richtung ein Fahrstreifen endet oder wegen eines Hindernisses nicht weiter befahrbar ist und sobald der Verkehr so dicht ist oder die Abstände der Fahrzeuge untereinander so gering sind, dass ein Einordnen auf den durchgehenden Fahrstreifen mit ausreichendem Abstand nicht mehr möglich ist, ist das sogenannte Reißverschlussverfahren anzuwenden. Dabei ordnen sich die Fahrzeuge abwechselnd hintereinander auf der weiterführenden Spur ein. Was viele aber nicht wissen: Das abwechselnde Einfädeln beginnt erst unmittelbar vor Beginn der Verengung.

„Viele Fahrerinnen und Fahrer wechseln schon mehrere hundert Meter vor der Verengung die Spur. Das kann je nach Verkehrsdichte dazu führen, dass das Stauende sich weiter nach hinten verschiebt. Abrupte Spurwechsel erhöhen außerdem die Gefahr von Unfällen“, warnt Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR). „Im Gegenzug müssen die Fahrerinnen und Fahrer auf der freien Spur den anderen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern natürlich die Möglichkeit geben, sich dort einzufädeln.“

Also alles im Prinzip ganz einfach. Nur an das richtige Reißverschlussverfahren erinnern muss man sich, wenn das Schild mit der Baustelle oder ein Hindernis auftaucht. Und danach handeln. Je entspannter sich die beiden Fahrzeugkolonnen ineinanderschieben, desto störungsfreier rollt die Fahrzeugkolonne durch die Baustelle, an der Unfallstelle oder dem Pannenfahrzeug vorbei. Alle sind schneller am Ziel.

Das ist wie beim Schließen der Winterjacke: Hektisches Herumzerren am Reißverschluss bringt wenig.

 

Foto: Marcus Walter/pixelio.de

 

 

 

 

 

 

 

 

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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