Mühelos durch die Stadt rollen und dabei entspannt auch größere Strecken überwinden. Elektro-Tretroller sollen einen Beitrag dazu leisten, den Verkehr zu entlasten und damit die Luft in Großstädten ein Stück sauberer zu machen. Wie sieht die Rechtslage aus?

Derzeit sind die  Elektro-Tretroller in Deutschland noch verboten, während sie in den Nachbarländern Österreich oder Schweiz schon häufig durch die Innenstädte cruisen. Das soll sich ändern: Für den Sommer plant das Bundesverkehrsministerium eine Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung.  Derzeit befindet sich diese aber noch im Stadium des Referentenentwurfs.

 Elektro-Tretroller von Metz und BMW mit Ausnahmegenehmigung legal

Tritt die Verordnung in Kraft, dürfen die Scooter auf öffentlichen Wegen und Straßen benutzt werden. Zwei Hersteller haben bereits jetzt im Vorgriff auf diese Verordnung eine Ausnahmegenemigung erhalten: Der Metz moover wird seit 1. März in Deutschland für rund 2000 Euro angeboten. Schon im Februar brachte BMW den X2 City auf den Markt, der 2400 Euro kostet und über den  Fachhandel von Kettler Alu-Rad verkauft wird. Aktuell muss man mindestens 15 Jahre alt sein und im Besitz eines Mofa-Führerscheins, um den Elektro-Tretroller legal zu benutzen. Das wird sich indes mit Inkrafttreten der neuen Verordnung ändern.

Zwei Klassen von Elektro-Tretrollern

Die Stiftung Warentest gibt einen guten Überblick, welche Regeln künftig in diesem Segment der Elektromobilität gelten sollen. Demnach wird die neue Verordnung zwei Klassen von Elektro-Tretrollern betreffen:

  • E-Scooter mit einer bauartbedingten Höchst­geschwindig­keit von maximal 12 km/h. Diese dürfen laut Verordnung überall dort fahren, wo auch Fußgänger unterwegs sind. Also vor allem auf Gehwegen, kombinierten Rad- und Gehwegen sowie in Fußgängerzonen. In Fußgängerzonen dürfen sie jedoch nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden, also mit maximal 6 km/h. Gibt es keinen Gehweg, darf der Rollerfahrer auch auf den Fahrradweg, und wenn es den auch nicht gibt, sogar auf die Straße. Dies allerdings nur innerhalb geschlossener Ortschaften. Außerhalb sind Straßen für die E-Roller tabu. Das Mindestalter für diese Roller wird laut Referentenentwurf bei 12 Jahren liegen.
  • E-Scooter mit einer bauartbedingten Höchst­geschwindig­keit von 12 bis maximal 20 km/h. Für sie gelten Regelungen wie für Fahrräder.Sie müssen Radwege oder Radfahrstreifen benutzen, dürfen also wegen des hohen Tempounterschieds nicht auf den Gehweg. Ist kein Radweg vorhanden, darf man sie auf der Straße fahren, auch außerhalb geschlossener Ortschaften. Für die schnelleren Roller muss man mindestens 14 Jahre alt sein. In verkehrsberuhigten Bereichen dürfen sowohl die langsamen als auch die schnelleren Fahrzeuge die Fahrbahn nehmen.

Keine Führerscheinpflicht, keine Helmpflicht

Für beide Roller-Typen wird man in Zukunft keinen Führerschein benötigen, wegen der Begrenzung auf maximal 20 km/h ist auch keine Helmpflicht vorgesehen. Speziell beim Fahren mit einem schnelleren Elektro-Tretroller sollte man den Fahrradhelm, wie auf dem Velo, allerdings freiwillig tragen.Zwei unabhängig voneinander arbeitende Bremsen sowie eine Beleuchtung wie bei einem Fahrrad gehören zum vorgeschriebenen technischen Rüstzeug.

Wichtig zu wissen: Bei der Benutzung eines solchen Rollers leistet die Privathaftlichtversicherung nicht. Deshalb wird voraussichtlich eine Versicherungspflicht eingeführt, vergleichbar mit Mofas oder S-Pedelecs, den schnellen E-Bike.  Geplant ist ein Versicherungskennzeichen, das aber deutlich kleiner ausfallen soll wie bei Mofas und in Form einer kleinen Plakette kommt, die auf den Rahmen geklebt werden muss. Metz gibt für seinen moover die jährlichen Kosten für die Haftpflicht mit 37,50 Euro an.

Metz moover: Zusammenklappen und mit ins Büro oder die Bahn nehmen

Der Metz moover hat nach Herstellerangaben eine Reichweite von 25 Kilometern, dann muss der Akku wieder an die Steckdose und braucht drei bis vier Stunden Ladezeit. Nach kurzem Anschieben beschleunigt der Fahrer den moover mit einem Handpedal am Lenker. Am Zielort angekommen, lässt sich der Roller zusammenklappen und mit ins Büro oder in die Straßenbahn  nehmen. Mit 16 Kilogramm ist er jedoch kein Leichtgewicht.

BMW X2 City: Tempowahl mit einem Kick aufs Pedal

Den BMW X2 City treibt ein Getriebenabenmotor mit Freilauf an. Den Strom liefert ein Lithium-Ionen-Akku mit 408 Wh Kapazität. Das soll für eine Reichweite von maximal 30 Kilometern gut sein. Nach zweieinhalb Stunden an einer normalen Haushaltssteckdose ist der Akku wieder aufgefüllt. Dafür kann man den Akku auch aus dem Roller entnehmen. Damit das Smartphone unterwegs auf dem Elektro-Tretroller mit Energie versorgt wird, hat der BMW X2 City einen integrierten USB-Anschluss.

Die Geschwindigkeit lässt sich beim BMW-Roller über ein Bedienteil am Lenker in für Stufen vorwählen (8, 12, 16, 18 und 20 km/h). Bevor der Motor seine Arbeit aufnimmt,  muss der Roller per Fußkick auf mindestens 6 km/h beschleunigt werden. Zusätzlich zur Tempowahl am Lenker kann der Fahrer auch mit einem Fußpedal das Tempo kontrollieren. Läuft der Motor, reicht ein kleiner Kick auf das Pedal, um weiter zu beschleunigen, bis das Wunschtempo erreicht ist. Hält man den Fuß auf dem Pedal gedrückt, fährt der Roller automatisch weiter mit dem erreichten Tempo.

 

 

 

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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