In bergigen Lagen hat es erst kürzlich geschneit, in dieser Woche sind nun frühlingshafte Temperaturen angesagt. Dabei wird das Thermometer auf über 20 Grad steigen.  Zeit für den Reifenwechsel. Die Winterreifen verschwinden in Keller oder Garage. Was sollten Autofahrer beim Aufziehen der Sommerreifen beachten?

Wer es bequem mag, packt die Pne ins Auto und lässt den Reifenwechsel vom Reifen- oder Autohändler erledigen. Viele Autowerkstätten bieten den Tausch zu Pauschalpreisen um 20 Euro an.

Vorteil, gerade in Zeiten sehr langer Wartungsintervalle: Der Werkstattprofi hat auch zwischendurch die Chance, einmal einen Blick auf Bremsen, Fahrwerk und Unterboden des Autos zu werfen. Beschädigungen an den Gummimanschetten der Antriebswellen, oft eine Folge von Marderbiss, können so noch frühzeitig entdeckt werden;  bevor Schäden entstehen, die mehrere tausend Euro teuer sind.

Reifenwechsel in Eigenregie: Darauf ist zu achten

Wer den Reifenwechsel lieber in Eigenregie übernimmt: Aufpassen beim Aufbocken des Fahrzeugs. Der Wagenheber braucht einen ebenen, harten Untergrund, damit er solide steht und der Wagen keine gefährliche Eigendynamik entwickelt. Wichtig auch: Den Wagenheber in die dafür vorgesehenen Aufnahmen ansetzen. Sonst können teure Dellen in den Schwellern die Folge sein.

Zum Reifenwechsel selbst: Vor der Demontage der Winterreifen werden Pneus und Felgen gründlich mit Wasser und Bürste gereinigt, dann wird mit Kreide die bisherige Position am Fahrzeug markiert (vl für vorne links, hr für hinten rechts). Bevor die Reifen endgültig im Lager verschwinden, noch rasch Steine aus dem Profil entfernen und den Luftdruck um 0,5 bar erhöhen.

Reifen mögen es trocken, dunkel und kühl

Die Lagerung erfolgt idealerweise in einem trockenen, dunklen und kühlen Raum. Reifen mit Felgen verbringen die Sommermonate aufeinander gestapelt oder an der Wand aufgehängt. Reifen ohne Felgen sollten dagegen senkrecht stehen und von Zeit zu Zeit etwas gedreht werden, damit sich keine Unwucht bildet. Auf jeden Fall aufpassen, dass die Reifen nicht mit Öl, Benzin oder Lösungsmitteln in Berührung kommen, das bekommt der Gummimischung überhaupt nicht.

Beim Reifenwechsel auf die Profiltiefe achten

Vor dem Anbringen der Sommerpneus darf die Kontrolle des Profils nicht fehlen. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern reicht nicht aus. Fachleute empfehlen, sich bereits bei einem Restprofil von zwei bis drei Millimetern nach einem neuen Reifensatz umzusehen, zum Beispiel bei Reifendirekt. Bei nasser Fahrbahn nimmt die Bremsleistung schon bei einer Profiltiefe von unter vier Millimetern merklich ab. Außerdem steigt bei Nässe das Aquaplaning-Risiko enorm an. Dies gilt um so mehr, je breiter die Reifen sind.

Also nicht warten, die Polizei bei einer Fahrzeugkontrolle  zu wenig Profiltiefe reklamiert, sondern an die eigene Sicherheit denken.  Das Bußgeld von 60 Euro (plus Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg) investiert man besser in neue Sommerreifen.

Praktisch ist der Schnelltest mit der Ein-Euro-Münze: Der Goldrand ist exakt zwei Millimeter breit. Solange er noch gut verdeckt wird, wenn man die Münze zum Check in die Profilrillen steckt, ist man zumindest vor dem prüfenden Blick der Verkehrspolizei auf der sicheren Seite.

Wohin gehört das bessere Reifenprofil: Vorder- oder Hinterachse?

Immer wieder ein Streitthema: An welche Achse gehört das bessere Profil? Unter Sicherheitsaspekten eindeutig auf die Hinterachse. Entscheidend für die Richtungsstabilität des Autos sind die Seitenführungskräfte der Hinterachse. Vor allem bei kritischen Fahrzuständen, etwa in einer etwas schnellen Kurve.

Nicht vergessen: Nach 50 bis 100 Kilometern Fahrt mit den Sommerreifen noch einmal die Schrauben nachziehen. Das ist besonders wichtig, wenn von Stahl- auf Aluräder umgerüstet wird, denn kleine Mengen an Schmutz reichen schon aus, dass das Rad nicht fest sitzt und sich die Schrauben losarbeiten können.

Winterreifen über den Sommer aufbrauchen?

Und was machen die Autofahrer, deren Winterreifen für den nächsten Schneeeinsatz nicht mehr genügend Profil haben? Kann man die Winterreifen im Hochsommer noch abfahren? Im Prinzip ja. Aber: Denken Sie an Aquaplaning (Gewitterguss!) und dass die Gummimischung bei Sommerhitze nicht mehr für sichere Fahreigenschaften geradestehen kann, vor allem bei beladenem Fahrzeug. Die Urlaubsfahrt in den Süden wäre grober Leichtsinn.

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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