Am Anfang des Fahrrad-Checks: gründliches Putzen. Foto: ADFC
Die Kette des Fahrrads gründlich reinigen und nachfetten. Foto: ADFC
Fahrrad-Check: Bremsbeläge prüfen und notfalls ersetzen. Foto: ADFC

Die insgesamt erfreuliche Unfallbilanz 2016 mit einem Rekordtief bei den Verkehrstoten  hat einen schwarzen Fleck: Die Zahl der tödlich verunglückten Fahrradfahrer ist wieder gestiegen. Rund 400 Menschen verloren ihr Leben, fast 80.000 wurden verletzt.

Viele schlimme Folgen könnten gemindert werden, würden mehr Fahrradfahrer zum Helm greifen. Aber auch bei der technischen Ausrüstung von Fahrrädern liegt vieles im Argen. Leider sind viele Velos nicht in dem technischen Zustand, den der Gesetzgeber vorschreibt. Deshalb sollte jeder, der mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt oder in der Freizeit unterwegs ist, jetzt einen Fahrrad-Check vornehmen.

Das wird die Unfallzahlen nicht nachhaltig beeinflussen, denn bei Kollisionen mit Kraftfahrzeugen ist in 75 Prozent der Fälle der Autofahrer Schuld. Bei den LKWs sind es sogar 80 Prozent, wie der Allgemeine Deutsche Fahrad-Club (ADFC) mit Blick auf die Unfallstatistik festhält.

Aber jedes verkehrssichere Fahrrad minimiert das Unfallrisiko.

Speziell bei teuren Rädern schadet es nicht, sie regelmäßig vom Fahrradhändler seiner Wahl durchsehen zu lassen. Wer das selber erledigen will, solllte nach Empfehlung des ADFC auf folgende Punkte achten:

Sichtcheck und Schraubverbindungen prüfen

Rahmen, Gabel und Felgenflanken mit Wasser und Spülmittel oder Fahrradreiniger reinigen. Dann nach Rissen oder Verformungen suchen. Verdächtige Stellen im Fachhandel prüfen lassen. Sitzen alle Schrauben fest? Wenn nötig, nachziehen. Aber mit Gefühl.

Kette sauber machen

Kette mit einem Tuch von grobem Schmutz befreien. Dann mit Kettenöl oder Kettenfließfett von innen an den Laschen nachfetten. Kurbel drehen, damit sich das Öl verteilt, den Überschuss abwischen.

Funktionieren Scheinwerfer und Rücklicht?

Kontrollieren Sie, ob die Stecker des Lichtkabels an den Leuchten und am Dynamo festsitzen. Sind die vorgeschrieben Reflektoren vorn, hinten, an den Pedalen und in den Speichen vorhanden und sauber? Speichenreflektoren sind nicht nötig, wenn die Reifen einen Reflexstreifen haben.

Reifendruck prüfen und die Laufräder des Fahrrads checken

Richtiger Luftdruck macht das Fahren leichter und mindert den Verschleiß. Der Mindest- und Maximalluftdruck steht auf der Reifenflanke.  Lässt sich das Reifenprofil kaum noch erkennen oder scheinen schon Fäden durch, muss der Reifen gewechselt werden. Platte Reifen aufpumpen und über einige Tage schauen, ob die Luft hält. Wenn nicht, ist ein kleines Loch im Schlauch. Beim Flicken immer auch den Reifen auf Fremdkörper kontrollieren.

Prüfen, ob eine Speiche gerissen oder locker ist. Eine ungleichmäßige Speichenspannung und gerissene Speichen ziehen auf Dauer weitere Defekte nach sich.

Hat die Felge einen Schlag? Halten Sie einen Schraubenzieher so, dass die Spitze etwa zwei Millimeter Abstand zur Felge hat und drehen Sie das Rad. Sind deutliche Ausschläge zur Seite zu sehen oder schleift die Felge sogar am Bremsklotz, sollte das Laufrad zentriert werden. Gleiches gilt, wenn die Naben Spiel haben. Das lässt sich prüfen, indem man versucht, das Laufrad quer zur Laufrichtung hin- und her zu bewegen. Spürt man dabei ein Rucken, hat das Lager Spiel und muss eingestellt werden.

Bremsen prüfen: Packen die Bremsen noch richtig zu?

Wenn nicht, lässt sich das durch Nachstellen der Bremshebel und Seilzüge korrigieren – oder durch den Ersatz der verschlissenen Beläge. Achten Sie drauf, dass der Bremszug an keiner Stelle geknickt ist. Prüfen Sie, ob die Bremsarme sich leicht auf den Sockeln bewegen können. Wenn die Bremsarme mit spürbarer Reibung laufen, demontieren und fetten Sie diese. Säubern Sie Felge und Bremsbelag regelmäßig, vor allem nach Fahrten bei Nässe.

Die Schaltung des Fahrrads muss leichtgängig arbeiten

Schaltung prüfen: Seilzüge und Außenhüllen sollten ohne Knicke oder Beschädigungen verlaufen. Die Schalthebel oder Drehgriffe müssen sich leicht betätigen lassen, ansonsten benötigen die Seilzüge etwas dünnflüssiges Öl. Hilft das nicht, müssen sie getauscht werden. Läuft die Kette nicht sauber über die Ritzel oder fühlen sich einzelne Gänge hakelig an, kann sich die Kabelspannung verringert haben.

Bei Kettenschaltungen kann mit der Schraube am Schalthebel, aus der der Seilzug austritt, die Spannung angepasst werden. Hilft das nicht, ist vielleicht Verschleiß die Ursache, dann ist die Werkstatt gefragt. Bei Nabenschaltungen gibt es je nach Modell verschiedene Mechanis men, um die Kabelspannung einzustellen.

Tipps und Tricks für den Fahrrad-Check per Video

Eine ganze Reihe an Video-Anleitungen, wie man Schaltung oder Bremsen einstellt, Kette oder Reifen wechselt, zeigt der ADFC auf seiner Youtube Seite.

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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