Der Fiat Ritmo sollte vor 40 Jahren dem VW Golf das Fürchten lehren.

Als Nachfolger des kantigen 128 wurde er mit dem für die Kompaktklasse immer noch klassischen Schrägheck 1978 als Drei- und Fünftürer auf den Markt gebracht. Mit einem allerdings extrem gewöhnungsbedürftigen Design. Zwei Glubschaugen unter einer weit nach unten gezogenen Motorhaube und darunter eine große Plastikschürze, die gleichermaßen als Stoßfänger und als Kühlergrill mit schmalen Schlitzen diente. Unter der außergewöhnlichen Hülle des Fiat Ritmo war viel Platz für bis zu fünf Personen.

Internationale Präsenz des Fiat Ritmo

Die vielen unlackierten Kunststoffteile des Ritmo waren unter anderem der automatisierten Produktion namens Robogate in den Werken Cassino und Rivalta geschuldet. Neben dem europäischen Festland wurde der Fiat Ritmo in den USA und Großbritannien als Strada und in Australien als Bravo angeboten. In Spanien startete 1979 zudem die Lizenzproduktion bei Seat.

Bis 1981 wurde der Fiat Ritmo ausschließlich als Benziner mit Leistungen zwischen 60 und 75 PS angeboten. Mit dem neuen Modelljahr wurden nicht nur ein von Bertone gezeichnetes Cabrio mit feststehendem Bügel eingeführt, sondern auch besonders leistungsstarke Motoren. Zudem wurden Diesel-Motoren eingeführt.

Abarth mit 125 und 130 PS

Angefangen vom 75 auf 85 PS gesteigerten Ritmo Super über den dreitürigen Ritmo 105 TC und das Spitzenmodell Ritmo Abarth 125 TC. Fette zwei Liter Hubraum, zwei obenliegende Nockenwellen und ein Weber-Fallstromvergaser sorgten für ein Drehmoment von 172 Nm und eine Höchstgeschwindigkeit von 188 km/h.

Seinem direkten Mitbewerber, dem VW Golf GTI begegnete der Ritmo Abarth auf Augenhöhe. Der GTI zwar nur 112 PS, wog aber 130 kg deutlich weniger. So waren die beiden in Sachen Beschleunigung mit 8,8 und 8,9 Sekunden nahezu gleichauf.

Ein langes Leben war dem ersten Ritmo Abarth nicht beschert. Ein Jahr später wurde der Ritmo einem ersten Facelift unterzogen. Front und Heck verloren viel Plastik und geleuchtet wurde vorne nun aus Doppelscheinwerfern. Der Abarth hatte nun 130 PS und erreichte fast 200 km/h.

1988 war Schluss

Eine letzte Überarbeitung des Fiat Ritmo erfolgte 1985. Die zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahren im Handel befindliche Stufenheckvariante namens Regata war Vorbild in Sachen Front- und Heckstoßfänger sowie die Prallflächen an den Türen. Ein Jahr später wurde in Sachen Umweltschutz der Ritmo 75 i.e. mit geregeltem Drei-Wege-Katalysator sowie der Ritmo Turbo DS mit Turbodiesel vorgestellt.

Nach einer Bauzeit von 10 Jahren löste 1988 der Tipo den Fiat Ritmo ab. Rund zwei Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft.

Tipps für Sammler

Der Fiat Ritmo ist eine Rarität. Egal in welcher Version und mit welcher Motorisierung. Dafür sind sie recht günstig zu bekommen. Ordentliche Exemplare starten bei etwa 3.000 Euro. Für ein hübsches Cabrio oder einen guten Abarth können auch mal 10.000 Euro oder mehr fällig werden.

Mein Fiat Ritmo Abarth 125 TC

Der Autor dieses Artikels war von 1982 bis 1985 Besitzer eines Fiat Ritmo Abarth 125 TC. Lackiert in silbermetallic und wegen des Einsatzes im Slalom-Motorsport mit einem Überrollbügel versehen. Zu seiner Zeit war dieses Auto eine unglaubliche Spaßmaschine, die mit dem allgegenwärtigen VW Golf GTI absolut gleichauf war.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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