Mit seiner außergewöhnlichen Keilform, die von Bertone gezeichnet wurde, war der Fiat X1/9 1972 ein Hingucker der besonderen Art.

Dazu blinzelte der zweisitzige Sportwagen aus Klappscheinwerfern und punktete mit seinem herausnehmbaren Dach, einem feststehenden Überrollbügel und einem Mittelmotor.

Der Modellwechsel vom Fiat 850 und seiner Derivate in Form eines Cabrios und eines Coupés zum Fiat 128 war für Bertone Grund genug, 1969 auf dem Autosalon in Turin eine Designstudie vorzustellen. Der Autobianchi Runabout basierte trotz Mittelmotor auf der Technik des neuen 128er Fiat und der Bodengruppe des 850 Spider.

Obwohl Fiat 1972 das erste von insgesamt zwei Coupé-Versionen des Fiat 128 anbot, hatte der Entwurf von Bertone so viele Befürworter, dass auch der X 1/9 im gleichen Jahr auf den Markt kam. Anfangs mit dem 1,3-Liter-Vierzylinder mit 75 PS. 1978 wurde der Hubraum auf 1,5 Liter erhöht. Die Leistung stieg auf 86 PS und geschaltet wurde mit einem manuellen Fünfgang-Getriebe.

Fiat X1/9

Fiat X1/9

Klein, fein und sportlich

Das Kunststoffdach verschwand nach der Demontage im Kofferraum. Spätestens ab dann war verreisen zu zweit mit Gepäck ein frommer Wunsch. Dafür konnte man sich innen auf den beiden Plätzen recht wohlfühlen. Das Cockpit war, typisch für Fiat, sportlich ausgeführt und hielt Informationen über die Drehzahl, die Geschwindigkeit sowie Öldruck, Wassertemperatur und Tankinhalt bereit.

Mit der relativ geringen Leistung hatte das Fahrwerk des X 1/9 ein leichtes Spiel. Auch deshalb war die Tunerszene um Hörmann in Kempten und Leinberger in Weidensees bei Pegnitz sehr aktiv. Letztgenannter setzte beispielsweise einen von Dallara konstruierten X 1/9 mit breiter Karosserie und bis zu 230 PS Leistung 1977 in der Deutschen Rennsport Meisterschaft ein.

Emerson Fittipaldi, zweifacher Formel-1-Weltmeister äußerte sich nach einer ausführlichen Testfahrt begeistert über den Fiat X 1/9: „Ich übertreibe nicht, der X1/9 fährt sich wie ein Formel-1-Rennwagen. Ich habe selten ein Auto mit einer so guten und wahrhaften Straßenlage getestet.“

Fiat X1/9

Fiat X1/9

Bertone anstatt Fiat

1982 bis zur Einstellung der Produktion Ende 1987 wurde der X 1/9 unter dem Markennamen Bertone verkauft. Zwei Gründe waren dafür ausschlaggebend. Zum einen wurde das Werk Lingotto in Turin geschlossen, in dem die Endmontage stattfand und zum anderen zog sich Fiat vom US-Markt zurück. Zusammen mit Pininfarina, die den 124 Spider weiter in den USA vermarkteten, wurde auch der X 1/9 dort weiter verkauft.

Lancia stellte dem Fiat X 1/9 1975 einen Bruder im Geiste zur Seite. Der Lancia Beta Montecarlo basierte auf der Bodengruppe des von Bertone gezeichneten Fiat. Allerdings hatte der von Pininfarina gestaltete Lancia einen 2-Liter-Motor mit 120 PS unter der Haube. Der Lancia mit Mittelmotor war zudem als klassisches Coupé oder als Targa mit Rolldach verfügbar.

Rund 166.000 Exemplare wurden vom X 1/9 verkauft, die letzten Modelle als Gran Finale ausschließlich in Großbritannien. Weitere Sondermodelle waren der Exklusiv, der Lido und von Bertone der IN, VS und der Sunshine.

Lancia Beta Montecarlo

Lancia Beta Montecarlo

Tipps für Sammler

Wenn wir über einen Italiener aus den 1970er Jahren sprechen, ist das Thema Rost immer relevant. Die Bertone X1/9 Club ist nicht nur ein guter Ansprechpartner, er bietet zudem eine umfangreiche Kaufberatung zum Herunterladen an.

Fiat X1/9

Fiat X1/9

Dietmar Stanka