Wenn ein vierfacher Rallye-Weltmeister eine Stufe tiefer in der WRC2 mit dem VW Polo GTI R5 wieder in den Motorsport zurückkehrt, dann bitte mit entsprechendem Erfolg. Bereits im Shakedown  am 25. Oktober 2018 stellten Petter Solberg und seine Beifahrerin Veronica Engan (beide Norwegen) den 200 kW (272 PS) starken Polo auf Platz 1. Gefolgt von, wie soll es anders sein, den Teamkollegen Eric Camilli und Benjamin Veillas (beide Frankreich) auf dem zweiten Polo GTI R5.

Ein herausragender Shakedown

Der Shakedown der Rallye Spanien wurde auf einem zwei Kilometer langen Mix aus Schotter und Asphalt ausgetragen. „Natürlich ist es fantastisch, auf Anhieb mit guten Ergebnissen in ein neues Projekt zu starten“, so Volkswagen Motorsport-Direktor Sven Smeets. „Aber wir sollten das zweifellos positive Resultat des Shakedown nicht überbewerten. Wir freuen uns auf den ersten echten Vergleich mit der Konkurrenz. Jeder im Team ist hoch motiviert – auch, weil wir von der Rallye-WM-Familie nach zwei Jahren Abwesenheit extrem herzlich empfangen und viele schöne Erinnerungen an vier starke Jahre bis 2016 geweckt wurden.“

 

Der neue VW Polo GTI R5 für den Kundensport

Mit dem Volkswagen Polo GTI R5 startete Volkswagen Motorsport bei der Rallye Spanien in eine neue Ära im Kundensport. Das Kürzel GTI steht dabei nicht nur für die sportlichen Straßenfahrzeuge, sondern auch für die Kundensport-Programme der Marke.

Das Herzstück des Polo GTI R5 bildet der 1,6-Liter-Motor, der in der Zweiliter-Variante unter anderem auch im Polo GTI1 und im Golf GTI2 sowie Golf GTI TCR verbaut ist. Der Reihen- Vierzylinder-Motor mit Abgasturbolader, der quer vor der Vorderachse angeordnet ist, basiert auf dem EA888-Aggregat aus dem Volkswagen Konzern. Auch im R5-Fabia der Konzernschwester Skoda kommt dieses Aggregat zum Einsatz. Dennoch kamen im VW Polo GTI R5 andere Entwicklungen wie beispielsweise beim Kühl- und Abgaskonzept zum Einsatz.

Unmittelbar nach der Premiere am letzten Oktober-Wochenende beginnt in Hannover der Aufbau und die Auslieferung der ersten 15 R5-Polo, im Jahr 2019 folgen 30 bis 40 weitere. „Bis Weihnachten sollen die ersten 15 Polo GTI R5 an Kunden übergeben werden“, sagt Smeets. „Es gibt wesentlich mehr Nachfrage, als wir bedienen können. Wir sind überwältigt von dem großen Interesse.“

Die ersten Fahrzeuge werden nach Belgien, Finnland, Italien, Österreich, Paraguay, Portugal und Schweden ausgeliefert. Der Automobil-Weltverband FIA hat einen Höchstpreis für ein einsatzfertiges Fahrzeug in der R5-Kategorie festgelegt. Aktuell beträgt dieser 190.000 Euro zzgl. MwSt. pro Fahrzeug in der Asphalt-Version.

Auf Wunsch können für den Polo GTI R5 aber weitere Performance-relevante Optionen bestellt werden, beispielsweise leichtere Sitze. Weitere Optionen sind neben dem Umbau-Kit für Schotter auch die Performance-, Mobilitäts-, Licht- und Datenpakete. Neben alternativen Seitenscheiben und -netzen, Frontscheibenheizung und Wagenheber sind auch Nightfaces für Nacht-Rallyes sowie eine umfangreichere Datenerfassung optional erhältlich.

Fantastische Performance bei der Rallye

Von Anfang an bestimmte das Team Eric Camilli/Benjamin Veillas das Tempo der Rallye Spanien, die offiziell RallyRACC Catalunya-Rally de España bezeichnet wird. Über lange Zeit führten die beiden Franzosen die Rallye. Eine zu konservative Reifenwahl am Samstag warf die beiden jedoch zurück. Aber bereits wenige Stunden später waren sie nun nur noch drei Zehntelsekunden hinter den späteren Siegern Kalle Rovanperä/Jonne Halttunen aus Finnland.

Ein Defekt am Schaltgetriebe kostete jedoch einen möglichen Sieg des VW Polo GTI R5. Bei ihrer Rückkehr unter Rallye-2-Reglement am Sonntag sicherte sich das französische Duo dafür mehrere Top-Zeiten, darunter der Prüfungssieg auf dem berühmten „Riudecanyes“-Teilstück.

Mehr Fortune wurde Petter Solberg und Veronica Engan beschert. Die beiden Norweger stiegen mit dem dritten Platz aufs Podium. „Wir sind mit dem Debüt des Polo GTI R5 sehr zufrieden und ich denke, dass wir unsere Mission erfüllt haben“, so Sven Smeets, Volkswagen Motorsport-Direktor.

„Petter und Eric haben unter sehr schwierigen Bedingungen Topleistungen abgeliefert und dem Polo GTI R5 jeweils mit Bestzeiten zu einem starken Einstand verholfen. Gegen starke Konkurrenz die erste Rallye anzuführen und Wertungsprüfungen auf unterschiedlichen Untergründen zu gewinnen, ist ein deutliches Zeichen, dass der Polo GTI R5 absolut konkurrenzfähig ist. Gleichzeitig wissen wir, dass das Auto noch mehr Potenzial hat.“

Bestzeiten und mehr

Die Bestzeit in der ersten Wertungsprüfung, das auch mit dem Polo R WRC beim WM-Debüt im Jahr 2013 gelang, kann nun auch der Polo GTI R5 für sich beanspruchen. Bei den extrem schwierigen Wetter-Bedingungen wurden die Vorteile der Erfahrungen mit dem Material und die eingespielten Fahrer-Ingenieur-Beziehungen voll ausgespielt werden.

„Das Tempo des Polo GTI R5 war von Beginn an gut“, so Gerard-Jan de Jongh, Technischer Projektleiter für den Polo GTI R5. „Eric Camilli und Petter Solberg haben gezeigt, dass das Auto unter allen Bedingungen und mit beiden Fahrern konkurrenzfähig und schnell ist. Ein Wettbewerb wie die Rallye Spanien ist aber stets eine andere Sache als ein Test – wir mussten deshalb auch mit einem kleinen Defekt mit großer Wirkung leben. Das Problem am Schaltgestänge lässt sich aber leicht lösen und vor der Auslieferung des Autos an die Kunden zuverlässig aussortieren. Alles in allem sind wir überaus zufrieden mit dem Debüt.“

In Hannover beginnt nun der Aufbau der Kundenfahrzeuge. Der Polo GTI R5 ist das erste Kundensport-Fahrzeug, das komplett am Standort von Volkswagen Motorsport an der Ikarusallee produziert und ausgeliefert wird.

Technische Daten VW Polo GTI R5

Antrieb und Fahrleistungen

Motor: 4-Zylinder-Turbo-Benziner

Getriebe: Sequentielles Fünf-Gang-Getriebe, quer angeordnet

Kupplung: Hydraulische betätigte Zweischeiben-Sintermetall-Kupplung

Hubraum in ccm: 1.600

Leistung in kW(PS) bei U/min: 200 (272)/5.500

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 400/4.000

Achsantrieb: Permanenter Allradantrieb mit starrem Durchtrieb zwischen Vorder- und  Hinterachse, Lamellensperrdifferenziale an Vorder- und Hinterachse

Federweg in mm: ca. 180 auf Asphalt, ca. 275 auf Schotter

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 4,1

Höchstgeschwindigkeit in km/h: bis 200 je nach Übersetzung

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.067/1.942/1.372

Spurweite in mm: 1.837

Radstand in mm: 2.540

Mindestgewicht ohne Fahrer und Beifahrer in kg: 1.230

Bereifung: Asphalt 20/65-18 (235/40 R18), Schotter 17/65-15 (215/60 R15)

Felgen: 8,0 x 18″ Leichtmetall für Asphalt, 7 x 15″ für Schotter

Preis

Listenpreis in Euro exklusive Mehrwertsteuer: 190.000

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka