Eine Gepäckbrücke wie beim Alfa Spider erweitert den Platz fürs Reisegepäck. Achtung: Auf Kratzer achten
Nicht nur beim Porsche Boxster: Cabrioverdeck und Heckscheibe immer genau anschauen
Cabrio-Klappdach aus Metall: Die aufwändige Kinematik sollte störungsfrei funktionieren
Cabrio-Innenraum: Regelmäßige Pflege wichtig
Cabrio-Kauf: Die Auswahl im Handel und bei privaten Verkäufern ist groß
Handwäsche: Schonende Behandlung fürs Stoffverdeck

Augen auf beim Gebrauchtwagenkauf: Das gilt immer. Gebrauchte Cabrios stellen höhere Ansprüche. Bei der Suche nach einem Cabrio aus zweiter oder dritter Hand ist die Liste der Prüfpunkte ein Stückchen länger als bei einer gewöhnlichen Limousine.

Endlich: So langsam verdient sich der Frühling seinen Namen. Beneidenswert alle, die „Open Air“ fahren können. Der Wunsch nach einem Cabrio erhält jedoch beim Blick auf die Neuwagen-Preislisten der Hersteller einen empfindlichen Dämpfer. Bleibt als Alternative die Suche nach einem Cabrio aus zweiter Hand.

Das Angebot der Gebrauchtwagenbörsen wie mobile.de oder autoscout.de ist groß. Fast 80.000 Treffer weist etwa mobile.de aus. Gebrauchte Cabrios gibt es in allen Preislagen. Aber nicht jedes auf Hochglanz polierte Angebot hält das, was die schönen Bilder versprechen.

Gebrauchte Cabrios: kritischer Blick auf Schwachstellen

Deshalb ist die Liste der Punkte, die bei der Fahrzeugbesichtigung angeschaut werden müssen, noch ein Stückchen länger als bei Limousine oder Kombi. Klar: Motor, Getriebe, Zustand insgesamt und auch Fahrzeugpapiere gilt es genau zu begutachten.

Danach aber müssen die cabriospezifischen Schwachstellen unter die Lupe genommen werden. Vor allem das Verdeck verdient einen genauen Blick. Sind auf der Oberfläche Flecken zu sehen? Besonders hartnäckig sitzt Schmutz im Gewebe, egal ob Textil- oder PVC-Dach, wenn das Auto in der Waschanlage mit Heißwachs behandelt wurde. Diesen Schmutz, wissen Cabriofahrer aus Erfahrung, bekommt man nie wieder heraus. Hat das Verdeck abgeschabte Stellen oder gar Risse, sind dies Argumente, hartnäckig um den Preis handeln. Für ein Austauschverdeck inklusive Gestänge sind schnell mehrere tausend Euro fällig.

Der Verdeckmechanismus darf  nicht haken

Auch die Metalldächer von Klappdach-Cabrios (Retractable Hard Tops) sollten unter die Lupe genommen werden. Sie sind deutlich unempfindlicher gegen Wind und Wetter als Stoffverdecke. Aber die Technik ist auch aufwändig, und deshalb sollte man schauen, ob sie reibungslos funktioniert oder ob die Verdeckschalen, durch Pannen beim Aufklappen Kratzer abbekommen haben. Das Dach muss reibungs- und geräuschlos schließen, egal ob mit Hand- oder Motorbetrieb. Eine verzogene Verdeckkinematik geht ins Geld, und wenn etwas klemmt oder nicht einrastet, ist über kurz oder lang eine Reparatur fällig.

Der Papiertest zeigt, wie gut das Verdeck schließt

Bei geschlossenem Verdeck sollte das Dach fest auf dem Windschutzscheibenrahmen aufliegen, sonst gibt es störende Windgeräusche und bei Regen nasse Füße. Tipp: Vor dem Schließen ein einzelnes Blatt Papier zwischen Verdeck und Scheibenrahmen einklemmen lassen. Wenn es sich herausziehen lässt, fehlt es an Spannung. Zum guten Schluss sollte geprüft werden, wie dicht das Verdeck an Türen und Fenstern schließt. Haben die Scheibenführungen zu viel Spiel, ist das ein Fall für die Werkstatt. Die Einstellung ist eine diffizile Angelegenheit für Spezialisten.

Weitere Schwachstelle: die Heckscheibe. Kunststoffscheiben werden durch Kratzer blind und unansehnlich. Einparken wird zum Glücksspiel. Mit Poliermitteln lassen sich allerdings viele Kratzer wieder entfernen.

Bei der Probefahrt auch über schlechte Straßen fahren

Trotz verstärkter Bodengruppe ist Vorsicht angesagt bei Cabrios mit überbreiten Reifen und tiefer gelegtem Fahrwerk. Die Karosserie altert schneller. Bei der Probefahrt bleibt das Autoradio deshalb aus, damit Quietsch- und Klappergeräusche zu den Ohren durchdringen können. Natürlich sollte die Probefahrt auch über schlechte, unebene Straßen führen, das deckt Schwächen gnadenlos auf.

Undichte Stellen: Gammel im Kofferraum

Flecken an Verkleidungen im Innenraum oder feuchte Stellen unter Fußmatten sind Indizien für undichte Stellen. Wasserflecken im Kofferraum signalisieren eine undichte Heckscheibe. Der Blick in den Verdeckkasten mit Hilfe einer Taschenlampe gibt Aufschluss darüber, ob dort Feuchtigkeit und Schmutz für blühende Landschaften sorgen.

Vor allem bei Roadstern mit Gepäckbrücke oder Skiträger sollte auf Kratzer an der Kofferraumklappe geachtet werden. Sie entstehen bei unvorsichtiger Montage. Hat der Vorbesitzer versucht, den winzigen Gepäckraum mehr als randvoll zu packen und mit Gewalt zu schließen, hinterlässt dies hässliche Dellen im Deckel.

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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