Defekt am Auto? Dann finden sich im Internet viele nützliche Tipps. Ebenso, wenn man bei Pflege und Wartung sparen will. Web-Experten haben eine Menge Geheimtipps für Autofahrer parat. Leider auch gefährlichen Unsinn.

Einige der vermeintlichen Geheimtipps, die im Web kursieren, hat der ZDK (Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe) zusammengestellt. Nicht ganz uneigennützig natürlich, denn der Verband vertritt ja die Interessen der Autowerkstätten hier zu Lande. Kein Wunder also, wenn er  Autobesitzern nahelegt,  in Zweifelsfragen die freundliche Fachwerkstatt zu kontaktieren. Wobei das bei der Komplexität moderner Autos und der Unbedarftheit vieler Autofahrer nicht der schlechteste Rat ist. Gerade bei sicherheitsrelevanten Bauteilen.

Beim Wechsel von Fahrwerks- und Lenkungsteilen ist eine Achsvermessung überflüssig. Es genügt, sich Markierungen an den Einstellschrauben zu machen.

Das meint der ZDK: „Das Risiko lebensgefährlicher Fehler ist viel zu groß. Außerdem geht es beim Einstellen von Spur, Sturz und weiteren Geometriewerten um Bruchteile von Millimetern, jede Markierung wäre viel zu ungenau. Auch, weil ein verschlissenes Altteil gegen ein neues ersetzt wird und sich schon dadurch Änderungen ergeben. Und letztlich weiß doch niemand, ob die Achseinstellung vor der Reparatur in Ordnung war. Schon deshalb sollte die Fahrwerksgeometrie regelmäßig in einer Fachwerkstatt kontrolliert werden.“

Die Scheibenwischer regelmäßig mit Silikonspray zu pflegen verlängert die Lebensdauer.

Das meint der ZDK: „Ebenfalls ein Sicherheitsrisiko. Denn das Silikon gelangt mit den Wischern natürlich auch auf die Frontscheibe, bildet im Regen einen zähen, milchigen Schmierfilm, der sich nur mühsam wieder beseitigen lässt und ein Fahren bei Gegenlicht oder im Dunkeln unmöglich macht. Außerdem bestehen hochwertige Markenwischer aus echtem Naturkautschuk, der unter Silikon aufquillt und dann erst recht verschleißt.“

Fensterputzen klappt am besten mit Zeitungspapier.

Das meint der ZDK: „Klares Nein. Denn Zeitungspapier ist bedruckt, Druckerschwärze enthält Fett und färbt ab. Deshalb wird das Glas damit nie streifenfrei durchsichtig. Die einzig funktionierende Methode: Glasreiniger und Küchenkrepp. Und dann rubbeln, bis der Arm abfällt.“

Brennspiritus und Geschirrspüler in der Scheibenwaschanlage verhindern das Einfrieren und reinigen gut, sind vor allem viel billiger als spezielle Scheibenreiniger.

Das meint der ZDK: „Stimmt alles nicht. Beginnend beim Preis: Ein Spiritus kostet pro Liter mindestens drei Euro, Scheibenreiniger im Kanister nur etwa einen Euro. Spiritus verfliegt sofort nach Verlassen der Waschdüsen, das Wasser gefriert auf der Scheibe. Echter Scheibenreiniger hingegen enthält Glycole, die ein Wiedereinfrieren vermeiden. Und letztendlich sind sowohl Spiritus als auch Geschirrspüler schädlich für Lack, Gummi und Kunststoff.“

Bremsscheiben und –beläge bekommt man günstig gebraucht auf dem Schrottplatz.

Das meint der ZDK: „Da wird’s nun abenteuerlich, denn die Bremsen sind absolut kein Laien-Spielplatz. Der kleinste Fehler kann tödlich enden – für den Bastler, aber auch für Unbeteiligte. Außerdem wird kein seriöser Autoverwerter gebrauchte Verschleißteile für Bremsen anbieten.“

Den Reifendruck auf fünf bar erhöhen spart Sprit und senkt den Verschleiß.

Das meint der ZDK: „Gute Absicht, aber nicht zu Ende gedacht. Denn der normale Reifendruck bei Pkw liegt meist zwischen 1,8 und maximal 3,0 bar. Das ist ausreichend für einen niedrigen Rollwiderstand und damit geringen Spritverbrauch. Wird der Druck nun nahezu verdoppelt, ergibt sich in diesem Bereich keine nennenswerte Verbesserung. Dafür verschlechtert sich aber die Kraftübertragung des Reifens auf die Fahrbahn, weil die Aufstandsfläche sich stark verringert.

Folge: Das Fahrzeug gerät früher ins Rutschen, der Bremsweg verlängert sich. Außerdem schluckt ein knallhart aufgepumpter Reifen keine Straßenunebenheiten mehr, leitet vor allem hochfrequente Schwingungen ins Fahrzeug, der Fahrkomfort leidet erheblich. Deshalb: Beim Reifendruck an die Bedienungsanweisung halten, denn der Hersteller hat sich was dabei gedacht.“

Tipps für Autofahrer auf auto360.de

Geheimtipps haben wir auf auto360.de nicht zu bieten. Aber dafür jede Menge anderer Tipps rund ums Auto und seine Pflege. Wie man zum Beispiel die Klimaanlage optimal ausnutzt, das Auto fit für den Frühling macht, das Auto auch ohne teure Waschprogramme sauber bekommt oder durch eine effiziente Fahrweise den Kraftstoffverbrauch senkt.

Alle Tipps und Tricks im Service.

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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