Was tun, wenn im Urlaub die Geldbörse mit Bargeld, Ausweispapieren, Konto- und Kreditkarten verloren geht?

Gerade eben in dem netten Straßencafé war sie noch da. Plötzlich ist nur noch gähnende Leere in der Handtasche: Die Geldbörse ist weg. Ob verloren oder geklaut: Jetzt sollte man schnell handeln und das Plastikgeld sperren lassen. Der schnelle Griff zum Telefon sorgt dafür, dass Bank oder Kreditkartenunternehmen dafür haften, wenn die Diebe mit Hilfe der Karten Cash machen.
Am schnellsten sperren lässt sich die Bank-Karte bei der eigenen Bankfiliale. Es schadet also nichts, die Telefonnummer im Handy zu speichern.

Wie kann man Bankkarten, Kreditkarten oder Onlinebanking sperren lassen?

Abends oder am Wochenende hilft das jedoch nichts, dann kann man die Kartensperrung unter der in Deutschland gebührenfreien Rufnummer 116 116 veranlassen. Dieser Dienst ist Tag und Nacht erreichbar. Nach Aussagen des Sperrnotrufbetreibers Servodata können alle so genannten Girocards (früher: EC-Karte) über den Notruf unabhängig von der herausgebenden Bank gesperrt werden. Ob auch weitere durch seine Hausbank herausgegebenen Kreditkarten oder auch das Online-Banking über diese Nummer erfasst werden, kann man auf dieser Seite herausfinden.

Auch vom Ausland aus ist die 116 116 zu erreichen in Kombination mit der Landesvorwahl 0049 für Deutschland.

Deutsche Ländervorwahl am besten mit +49 im Mobiltelefon abspeichern

Aber Achtung: Je nach Land, in dem man sich befindet, gelten andere Landeskennungen für Deutschland. Aus den USA und Kanada zum Beispiel wäre es die 01149, aus Russland die 81049 oder von Australien aus die 001149.Falls man sowieso mit seinem Mobiltelefon bei der Sperrstelle anruft, kann man dieses Nummernproblem einfach umschiffen, indem man wie üblich die führenden Ziffern durch das Zeichen „+“ ersetzt, also die deutschen Nummer mit der Vorwahl +49 eingibt oder speichert.

Kommt man dennoch nicht durch, gibt es eine Alternative zur Sondernummer: Bei Problemen mit der Sondernummer kann man es unter der 0049 30 4050 4050 versuchen (auch hier gilt: Landesvorwahl muss nötigenfalls angepasst werden).

Was benötigt man für die Kartensperrung?

Für die Sperrung seiner Maestro- oder Girocard muss man seine IBAN wissen (oder die gute alte Kontonummer und Bankleitzahl), und auf jeden Fall sollte man sich den genauen Zeitpunkt der Sperrung notieren.

Bei Kreditkarten benötigt man den Namen des Kartenherausgebers oder alternativ die Bankleitzahl.

Zur Sperrung von Online- und Telefon-Banking-Accounts verlangt die Sperrhotline je nach Herausgeber die Kontonummer oder die Zugangsdaten.

Wer die eID-Funktion des neuen Personalausweises sperren lassen will, muss sein Sperrkennwort zur Hand haben.

Was kann man vor dem Urlaub tun?

Vor dem Urlaub sollte man die Geldbörse ausräumen: Kundenkarten etwa von Kaufhäusern, Bibliotheken oder Fitnesscentern braucht man im Urlaub nicht. Gehen diese Karten im Urlaub verloren, verliert man mindestens einen halben Urlaubstag. Denn man müsste die Unternehmen umgehend informieren, wenn die Karte verloren geht. Je nach Vertragsregelung haften die Kunden sonst für Schäden.

Und es lohnt sich auch, Kopien der Reisepapiere zu machen und sich Kreditkarten- und Kontonummer zu notieren.

Am Urlaubsort selbst kann man auch vorsorgliche Schadenbegrenzung betreiben. Denn für die täglichen Ausflüge muss man nur das notwendigste an Ausweispapieren und Karten dabei haben. Der sicherere Platz ist in den meisten Fällen der Hotelsafe. Damit geht nicht die komplette Barschaft verloren. Und wenn der Reisepass sicher im Safe liegt und man für den Trip zum Strand oder zum Shoppen nur den Personalausweis oder Führerschein mitnimmt, muss man sich keine Gedanken machen, noch im Urlaub einen Ersatzpass zu beschaffen.

Wie kommt man an einen neuen Reisepass?

Den Diebstahl der Geldbörse sollte man unbedingt bei der örtlichen Polizei anzeigen. In Touristen-Regionen gibt es oft speziell geschulte Polizeibeamte mit Fremdsprachenkenntnissen.

Sind die Ausweispapiere weg, ist der Weg zur Polizei auf jeden Fall erforderlich. Eine Kopie der Verlustmeldung benötigt man für die Deutsche Botschaft oder das Konsulat. Diese können einen „Reiseausweis als Passersatz zur Rückkehr in die Bundesrepublik Deutschland“ auszustellen. Außerdem muss der Reisende in manchen Ländern wie zum Beispiel den Vereinigten Arabischen Emiraten den Verlust bei der Immigrationsbehörde melden“, erklärt Birgit Dreyer vom Reiseversicherer EVR. Reiseprofis haben einen Satz Fotokopien der wichtigsten Dokumente im Koffer und Handgepäck. Damit lassen sich Ersatzpapiere schneller ausstellen. Wer gleich noch überzählige Passfotos mit in den Umschlag packt, hat schon mehr als die halbe Miete geschafft.

Wie füllt man die Reisekasse wieder auf?

Bargeld gibt es von der Botschaft nur in wenigen Ausnahmefällen; zurückgezahlt werden muss es in jedem Fall. Wer völlig abgebrannt und mit einem Reiseveranstalter unterwegs ist, wendet sich am besten an die Reiseleitung. Je nach Reiseveranstalter können Angehörige oder Freunde einen Betrag auf ein Konto des Reiseveranstalters überweisen. Die Reiseleitung vor Ort zahlt das Geld dann in bar aus und füllt die Reisekasse wieder auf.

Blitzüberweisung ins Ausland

Es geht aber auch anders. Die Finanzdienstleister Western Union und Moneygram ermöglichen weltweite Überweisungen, und das sogar innerhalb weniger Minuten. Ein Transfer zur Barauszahlung von 1000 Euro nach Thailand kostet bei Western Union knapp 30 Euro, in die USA ist es rund die Hälfte.

Wer bei Moneygram vom heimischen Rechner oder Tablet den Geldtransfer online in Auftrag gibt, zahlt für 1000 Euro in die USA 6,80 Euro Gebühren, wer von einer Filiale aus den Auftrag erteilt, zahlt mehr als das fünffache (39 Euro). Nach Russland sind es online happige 35,90 Euro, von der Filale aus nur 25 Euro. Nach Thailand wiederum empfiehlt sich wieder der Onlineservice, der ist mit 10 Euro deutlich günstiger als die Filiale (39 Euro).

Es empfiehlt sich also, kurz die Konditionen für das jeweilige Empfängerland zu vergleichen.

 

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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