Was gibt es für ein klassisches Automobil schöneres, als den 50. Geburtstag im Rahmen des Oldtimer Grand Prix auf dem Nürburgring zu feiern. Der von Sir William Lyons ins Leben gerufene Jaguar XJ, erstmals 1968 auf dem Pariser Autosalon vorgestellt, stand im Mittelpunkt auf dem Stand von Jaguar Land Rover Classic Deutschland in der Eifel.

Acht Generationen Jaguar XJ

Heute ist die achte Generation der seit jeher sportlich designten Baureihe auf den Markt und das Jubiläum wird mit dem Sondermodell XJ50 gebührend gefeiert. Kurzer Szenenwechsel. Wenige Tage vor dem Oldtimer Grand Prix auf dem Nürburgring konnten wir einige XJ der ersten drei Serien fahren.

Der ehemalige Luftwaffen-Fliegerhorst in Mendig, nur wenige Kilometer vom Nürburgring entfernt, ist das ideale Gelände um die traumhaft restaurierten Exemplare aus dem Jaguar Daimler Heritage Trust zu bewegen. Begonnen haben wir mit einem Serie 1 Sechszylinder mit 245 PS, der seiner Zeit schon 200 km/h erreichte. Einer Sänfte gleich glitten wir über das Flugfeld, vollkommen tiefenentspannt und nur vom leisen Säuseln des Motors begleitet.

Der Zwölfzylinder im Jaguar XJ

Richtig kräftig wurde es eine Runde später mit dem Zwölfzylinder, der 1971 im E-Type sein Debüt feierte. Ein Jahr später wurde er auch in den XJ eingepflanzt, der sich mit einer Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h schnellste Limousine der Welt nennen durfte. So rasant zogen wir nicht über die Beton-Pisten, schließlich wollten wir den Genuss des Dahingleitens erleben.

Neben dem XJ 12 wurde auch der Daimler Double Six mit dem 5,3-Liter-V12 angetrieben. Beide mit serienmäßigem Automatikgetriebe und erstmals mit Klimaanlage. Ein Blick noch auf den Jahrgang 1997, mit dem die sechste Generation mit zwei V8-Triebwerken an den Start ging. Neben dem 3,2-Liter war auch ein 4-Liter im Angebot der mittels Kompressor 363 Pferdchen zum Galoppieren brachte.

Zwei besondere Exemplare

Zwei Jaguar XJ ragten ganz besonders hervor. Zum einen der Serie 1 mit 4,2-Liter-Reihensechszylindermotor in der Farbe Sable mit Interieur in Cinnamon, der Jaguar Gründer- und Firmenchef Sir Williams Lyons zwei Jahre lang als persönlicher Dienstwagen diente. Zum anderen der XJ12 Serie 1 Long Wheelbase, der 1973 den etwas in die Jahre gekommenen Jaguar Mk VII Baujahr 1955 der Queen Mum ersetzte.

Von 1973 bis zu ihrem Tod im Jahr 2002 fuhr Queen Mom diesen XJ12 Serie 1 Long Wheelbase mit der Top-Ausstattung von Vanden Plas und lackiert in der königlichen Hausfarbe Claret. Trotz vieler Angebote auf ein anderes Fahrzeug umzusteigen blieb sie ihrem 12-Zylinder treu und saß nach offiziellen Angaben in den 1970er Jahren oft selbst am Steuer.

Tipps für Sammler

Das Angebot ist groß, die Preisspanne ebenso. Ab 20.000 Euro ist ein XJ der Serie 1 als Limousine zu bekommen, ein Zweitürer der Serie 2 kann aber auch gerne 60.000 Euro kosten. Vorsicht ist trotzdem geboten, denn viele XJ sind nicht pfleglich behandelt worden, sodass die Technik und die Karosserie gelitten haben. Es ist deshalb ratsam, Fachbetriebe wie Jaguar Land Rover Classic in Essen zu Rate zu ziehen.

Fotos: Gudrun Muschalla

Der Jaguar 12 Serie 1 LWB der Queen Mum war eine Spezialanfertigung für das britische Königshaus. Die Vanden Plas Ausstattung der Serie 1 gab es sonst nur beim Daimler Double Six. Deshalb hier noch einige Fotos dieses Fahrzeugs.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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