Rund eine Viertelmillion Autos in Deutschland tragen ein H-Kennzeichen. Das weist sie offiziell als Oldtimer aus. In diesem Jahr kommt eine ganze Reihe an Modellen potenziell dazu. Denn diese Autos feierten 1987 ihre Premiere. Die Prüforganisation GTÜ hat die Prüfstatistiken der Neu-Oldtimer ausgewertet und nennt ihre Stärken und Schwächen.

Alle Besitzer von Autos aus dem Baujahr 1987 können deshalb in diesem Jahr mit ihrem Fahrzeug den Schritt vom Youngtimer zum Oldtimer machen. Voraussetzung dafür ist ein Gutachten nach Paragraph 23 der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung. Es muss bescheinigen, dass es sich um ein Auto in erhaltenswürdigem und weitestgehend originalem Zustand handelt. Für das Gutachten muss das Fahrzeug einer anerkannten Sachverständigenorganisation vorgeführt werden. Kostenpunkt: Zwischen 120 und 150 Euro, dabei ist die alle zwei Jahre fällige Hauptuntersuchung jedoch enthalten.

Einheitssteuersatz von 191 Euro im Jahr

Je nach Motorisierung des Neu-Oldtimers kann der Besitzer damit Geld sparen. Oldtimer mit H-Kennzeichen werden unabhängig von Hubraum und Schadstoffausstoß mit einem Einheitssteuersatz von 191 Euro im Jahr versteuert. Außerdem erlaubt das H-Kennzeichen das Befahren von Umweltzonen auch ohne Feinstaubplakette. Auch bei der Autoversicherung gen bei der Versicherung verbunden. Es ist aber auch so etwas wie die „amtliche Adelung“ als Oldtimer.

Doch wie sieht es mit dem technischen Zustand der „neuen“ Klassiker aus? Die GTÜ-Classic-Experten haben sich einige der beliebtesten Neuzugänge genauer angeschaut, den einen oder anderen technischen Mangel aufgespürt und ihre Stärken und Schwächen in einem Ranking aufgelistet.

Mängelzwerge Mercedes Coupé (C 124), Ford Sierra und Mazda 626

Mängelzwerg unter den „neuen“ Oldtimern ist das Mercedes Coupé (C 124). Genau 42,4 Prozent der von GTÜ-Prüfingenieuren gecheckten Wagen absolvierten die HU „ohne erkennbare Mängel“, dicht gefolgt vom Ford Sierra mit 39,4 Prozent mängelfreien Fahrzeugen. Den dritten Platz mit 37,6 Prozent belegt der Mazda 626.

Mängelriesen Peugeot 405 und Audi 90

Mängelriese unter den Neuen in der großen Familie der Klassiker ist der Peugeot 405. Von diesem Modell ist ein großer Teil (38,3 Prozent) der Fahrzeuge mit schwerwiegenden Mängeln behaftet. Auch beim Audi 90 sind über ein Drittel (34,2 Prozent) der Wagen mit erheblichen Mängeln unterwegs.

Mercedes Coupé (C124)

Mit den charakteristischen Rückleuchten im Dreiecksformat war die Limousine der 1993 dann in E-Klasse umbenannten Baureihe schon fast drei Jahre auf dem Markt, als Mercedes 1987 den Zweitürer zu den Händlern brachte. Konstruktive Unterschiede waren verstärkte Bodengruppe und Säulen. Die Karosserieform als Coupé erhöhte den Glamourfaktor und auch den Preis. Bei den von der GTÜ untersuchten Fahrzeugen waren über 40 Prozent der Coupés mängelfrei. Rund 28 Prozent dieses Modells waren mit erheblichen Mängeln unterwegs, 29 Prozent mit geringen Mängeln. Damit belegt der C124 den Spitzenplatz mit den geringsten technischen Mängeln unter den „jungen Alten“.

Hauptmängel: Umweltbelastung, Beleuchtung, Elektrik, Achsen, Räder und Reifen.

Ford Sierra

Flachere Frontscheinwerfer und endlich ABS – so kam 1987 die zweite Generation des Mittelklasseautos aus Köln auf den Markt, das lange Zeit als Rentnerauto verschrien war. Aber die Rallye-Erfolge des Sierra sprechen eine andere Sprache. Knapp 40 Prozent der geprüften Fahrzeuge waren mängelfrei. Rund 32 Prozent wiesen erhebliche Mängel auf und 29 Prozent hatten geringe Mängel.

Hauptmängel: Umweltbelastung, Fahrgestell, Rahmen, Aufbau, Aufhängung, Beleuchtung und Elektrik.

Mazda 626

Im Herbst 1987 gab es die um zehn Zentimeter gewachsene dritte Auflage des Mazda-Flaggschiffs erstmals in Deutschland zu kaufen. Der zunächst als Fließ- und Stufenheck erhältliche Wagen war üppig ausgestattet und verfügte über eine Allradlenkung. Nur der Diesel war noch nicht zum Höhenflug angetreten: Im 626 gab es einen einzigen Selbstzünder, der nur 60 PS Leistung abgab.Beim Mazda halten sich Wagen ohne Mängel und diejenigen mit erheblichen Mängeln knapp die Waage (37,6 zu 36,4 Prozent). Lediglich 26 Prozent sind mit geringen Mängeln unterwegs.

Hauptmängel: Fahrgestell, Rahmen, Aufbauten, Bremsanlage, Beleuchtung und Elektrik.

BMW 3er Touring (E30)

Kombis gehörten bis dato nicht gerade zum Markenzeichen von BMW. Doch mit dem intern E30/5 genannten Wagen schlugen die Münchner ein neues Kapitel auf, dessen Erfolg einen Türöffner für den später offiziell auch beim 5er eingeführten Touring darstellte. Der Innenraum galt als ebenso fein wie praktisch. Die recht kräftigen Motoren waren teils mit Allradantrieb zu haben. Beim 3er sind mehr als ein Drittel der Wagen mängelfrei als Oldtimer unterwegs. Rund 35 Prozent sind allerdings mit schwerwiegenden Mängeln behaftet, an die 28 Prozent mit geringen Mängeln.

Hauptmängel: Umweltbelastung, Beleuchtung, Elektrik, Achsen, Räder, Reifen und Aufhängungen.

Audi 90 (B3)

Im April 1984 brachte Audi die mit zahlreichen Annehmlichkeiten und Extras versehene Version des Audi 80 als Audi 90 auf den Markt. Drei Jahre darauf folgte die zweite Generation (Typ 89) mit besserer Ausstattung, Chromleisten, einer anderen Beleuchtung und kräftigeren Motoren. Darunter war auch ein Fünfzylinder mit 2,3 Litern Hubraum, der auf bis zu 70 PS kam. Auch bei diesem Modell liegt die Zahl der Fahrzeuge mit schwerwiegenden Mängeln und ohne Mängel fast gleichauf (34,2 zu 33,4 Prozent). Rund 32 Prozent weisen geringe Mängel auf.

Hauptmängel: Umweltbelastung, Beleuchtung, Elektrik und Bremsanlage.

Peugeot 405

Mit seinem seinerzeit als sehr modern empfundenen windschlüpfigen Design mischte die Limousine in der Mittelklasse mit. Vor allem die Motoren galten als langlebig. Neben einem recht breiten Angebot mit 1,4- bis 2,0-Liter-Aggregaten von 64 bis 158 PS waren auch Allradantriebe verfügbar. An über 38 Prozent der Fahrzeuge fanden die Ingenieure schwerwiegende technische Mängel. Genau 34 Prozent hatten geringe Mängel. Nur knapp 28 Prozent dieses Modells wurde Mängelfreiheit bescheinigt.

Hauptmängel: Umweltbelastung, Fahrgestell, Rahmen, Aufbau, Beleuchtung, Elektrik und Bremsen.

Oldtimer vor dem Kauf vom Profi checken lassen

Der Rat der GTÜ-Classic-Experten: Vor dem Kauf eines Oldtimers das Wunschfahrzeug unbedingt von einem Fachmann checken lassen. Dies spart mit Sicherheit Geld, Zeit und Ärger.

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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