Wer bei einem Unfall Erste Hilfe leisten will, braucht Verbandsmaterial, Pflaster, Kompressen, Rettungsdecke oder Einmalhandschuhe. Weil auch der Verbandskasten ein Verfallsdatum trägt, sollte man sich gelegentlich nach einem neuen Erste-Hilfe-Set umschauen. Wie teuer ist gutes Material für die Hilfe bei Unfällen?

Der Test von GTÜ (Gesellschaft für Technische Überwachung) und ACE (Auto Club Europa) brachte ein erfreuliches Ergebnis: Wer sich mit neuem Verbandsmaterial ausstatten will, muss nicht tief in die Tasche greifen. Einer der Testsieger kostet gerade mal fünf Euro. Da ist es eine Überlegung wert, dieses Set für die Erste Hilfe gleich doppelt anzuschaffen. So hat man auch im Haushalt oder zum Beispiel auf Wanderungen immer reichlich Pflaster- und Verbandsmaterial dabei.

Ein weiteres Testergebnis: Verbandkästen bieten in der Regel eine stabilere und gegen Staub und Flüssigkeiten dichtere Außenstruktur. Verbandtaschen sind dafür kompakter und einfacher sowie flexibler im Auto zu verstauen. Wo im Auto das Set für die Erste Hilfe verstaut werden muss, schreibt der Gesetzgeber nicht vor. Ebenso wenig die äußere Form der Verpackung, also ob fester Kasten oder Tasche. Sie muss aber den empfindlichen Inhalt vor Staub, Feuchtigkeit sowie Kraft- und Schmierstoffen schützen. Vorgeschrieben ist jedoch in DIN 13164 der Inhalt der Sets. Neu seit der letzten Aktualisierung der Norm sind unter anderem Fingerkuppenverbände, zugeschnittene Pflasterstrips und Feuchttücher zur Reinigung unverletzter Haut.

Große Preisspanne für Erste-Hilfe-Sets zwischen 5 und 25 Euro

Die Runde der Testkandidaten bestand aus zehn Sets in Kasten- und Taschenform zu Preisen zwischen 5 und 25 Euro, bezogen über den Einzelhandel oder das Internet.

Bei der Qualität des Verbandmaterials gab es laut GTÜ mehr oder weniger Übereinstimmung.  Das Material entspricht mittlerem Standard und ist zur Notversorgung zu gebrauchen.  Beim Thema Dichtheit ergab der Test: Verbandkästen sind besser vor Umwelteinflüssen geschützt und stabiler als Taschen. Allerdings variiert auch unter den Verbandkästen die Qualität der Verschlüsse und Scharniere. Ähnliches gilt für die Beschichtungen und Reißverschlüsse der Sets in Taschenform.

Als Testsieger  setzte sich der Kasten von Pearl (knapp 9 Euro) durch.Er überzeugte die Tester unter anderem durch gute Abdichtung dank einer Doppelkante am Deckel, solide Verschlussteile und mit klar getrennten Verpackungssegmenten. Damit ist auf einen Blick erkennbar, welches mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum versehene sterile Verbandmaterial austauschpflichtig ist. Den Preis-Leistungssieger des Tests, das Set von Kalff, lobt der Test unter anderem für seine mit leicht zu erfassenden Symbolen gestaltete Innenverpackung, die insgesamt gleichzeitig fest in der Außenhülle sitzt.

Sets für die Erste Hilfe: Tipps für Kauf und Alltag

Achten Sie bereits beim Kauf eines neuen Erste-Hilfe-Sets auf das Verfallsdatum, damit Sie keinen Ladenhüter erwerben. Die Steril-Bestandteile sollten mindestens noch vier Jahre haltbar sein.

Kontrollieren Sie das Erste-Hilfe-Set im Auto regelmäßig, möglichst einmal im Jahr. Vorsicht: Das auf Kasten oder Tasche gedruckte Verfallsdatum kann von jenem direkt auf den Verpackungen der sterilen Bestandteile abweichen.

Sinnvoll ist ein gut sichtbarer Vermerk, an welcher Stelle sich das Set befindet, besonders wenn der Wagen von unterschiedlichen Personen bewegt wird.

Überprüfen Sie den Inhalt auf Vollständigkeit. Gleichen Sie ihn mit dem beiliegenden Inhaltsverzeichnis ab. Wurden Teile entnommen, müssen diese ersetzt werden. Oft ist die Anschaffung eines komplett neuen Sets einfacher und günstiger, als der Ersatz einzelner Komponenten. Andererseits lassen sich unsterile Teile wie die Schere je nach Zustand länger nutzen.

Was gehört bei Reisen ins Ausland in die Autoapotheke?

Sets, die der DIN 13164 entsprechen, erfüllen laut GTÜ und ACE ebenso die Anforderungen in den meisten anderen europäischen Ländern. Auch für Zweiradfahrer empfiehlt sich, eine Verbandapotheke mitzuführen, auch wenn in Deutschland keine Pflicht besteht. Dies gilt aber nicht unbedingt für das europäische Ausland. Denn zum Beispiel in Österreich ist die Autoapotheke auch für Zweiräder vorgeschrieben, allerdings fällt der vorgeschriebene Inhalt weniger umfangreich aus.

Wer bei einem Unfall helfen will, sich aber unsicher ist: Ein Auffrischungskurs Erste Hilfe schadet nie.

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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