Durch den sensiblen Umgang mit dem Gaspedal lässt sich der Kraftstoffverbrauch um bis zu 20 Prozent senken, ohne dass der Fahrspaß leidet.

Mal geht es den deutschen Autofahrern gut und die Benzin- und Dieselpreise an den Zapfsäulen sind auf Talfahrt. Dann aber schlagen die Preisangaben wieder die andere Richtung ein und die monatliche Kraftstoffrechnung belastet vor allem bei Pendlern mit hohen Fahrleistungen kräftig das Budget.

Kleine Tricks senken den Kraftstoffverbrauch

Aber wer seinen Fahrstil nur ein wenig ändert, schafft seinem Konto wieder Luft. Denn mit ein paar Änderungen bei den Fahrgewohnheiten kann glatt zehn, eher sogar zwanzig Prozent Kraftstoff einsparen. Ganz nebenbei entlastet das auch die Umwelt: Wenn jedes der mehr als 40 Millionen deutscher Autos nur einen Liter auf 100 Kilometer weniger verbraucht, entspricht dies einer Ersparnis von sechs Milliarden Litern und 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich, hat  der TÜV Bayern einmal ausgerechnet.

Der Fahrspaß muss nicht leiden beim sparsamen Fahren

Für den richtigen Umgang mit dem Gasfuß  muss man im Alltag nur ein paar Tipps beherzigen. Der Erfolg lässt sich beim nächsten Tankstopp am Kilometerzähler ablesen – für einmal Volltanken gibt es einen deutlich höheren Gegenwert in Form gefahrener Kilometer. Das Schöne dabei: Der Fahrspaß muss nicht einmal unter dem vernünftigeren Fahrstil leiden.

Sparen beginnt schon vor dem Start

Schon beim Anlassen beginnt das Sparen: Das Auto immer ohne Gas starten. Moderne Motorelektronik bringt den Motor mit wenig Sprit in Gang. Außerdem: Sitz, Spiegel und Lenkrad vor dem Start einstellen. Und natürlich auch den Gurt vor dem Dreh am Zündschlüssel anlegen.

Schnell beschleunigen und früh schalten

Der nächste Tipp hört sich widersinnig an: Mit möglichst viel Gas beschleunigen. Denn dann ist die Drosselklappe weit geöffnet, und der Motor kann frei (und sparsam) atmen. Der Fahrmann nennt das Volllast-Betrieb. Am sparsamsten arbeitet ein Motor bei Volllast und wenig Drehzahl. Also: Mit viel Gas beschleunigen und möglichst früh hochschalten. Moderne Motoren vertragen niedrige Drehzahlen ohne Probleme. Wer schon unterhalb von 2000 Touren den höheren Gang einlegt, spart am meisten. Wer den Motor mit wenig Gas auf hohe Touren bringt, feuert das Geld zum Auspuff hinaus.

Ist das Wunschtempo erreicht, dieses Tempo im höchstmöglichen Gang fahren. Nahezu alle Autos vertragen Tempo 50 im fünften oder sechsten  Gang. Erst wenn der Motor beginnt zu ruckeln, ist es Zeit zurückzuschalten.

Das Auto schieben oder segeln lassen

Die Schubabschaltung nutzen. Einspritzer-Motoren kappen die Kraftstoffzufuhr, wenn der Fahrer vom Gas geht. Dann bremst der Motor den Wagen ab, ohne einen Tropfen zu verbrauchen – erkennbar an der Verbrauchsanzeige des Bordcomputers. Die springt nämlich im Schiebebetrieb auf null. Wer jedoch auf eine rote Ampel zurollt und dabei auskuppelt, verbraucht soviel Sprit wie im Leerlauf. Fahrzeuge der neuesten Generation bietet oft eine Segelfunktion. Dann entkoppelt das System Motor und Antriebsstrang, um möglichst weit mit der vorhandenen Bewegungsenergie zu rollen (oder segeln).

An der roten Ampel Motor ausschalten

Die Stopp-Start-Automatik, die bei einer Vielzahl neuer Fahrzeugmodelle inzwischen Standard ist, spart je nach Fahrzyklus einige Prozent Kraftstoff. Wer diese Spartechnik nicht an Bord hat, muss selber denken und handeln. An der Ampel oder Bahnschranke gilt: Bei längeren Stopps den Motor abstellen. Eine Stunde Leerlauf kostet rund einen Liter. Auch bei kürzeren Stopps senkt das Abschalten des Motors den Verbrauch. Das erneute Starten (ohne Gas!) schadet der Technik nichts. Allerdings: Niemals während der Fahrt den Motor abschalten. Denn der Motor treibt die Servopumpe der Lenkung an und liefert den Unterdruck für den Bremskraftverstärker.

Vorausschauend und gleichmäßig fahren

Beim Bremsen vernichtet man die Energie, die man beim Beschleunigen investiert hat. Also: Nicht noch einmal überholen oder kräftig beschleunigen, wenn die rote Ampel, die scharfe Kurve oder die geschlossenen Bahnschranken schon in Sicht sind. Gleiten statt hetzen: Die Devise stimmt und kostet kaum Zeit, spart aber Sprit und Nerven. Teilnehmer von Eco-Fahrtrainings fahren eine Strecke durch Stadt und Land einmal wie gewohnt und zum Schluss des Trainings im neuen Eco-Stil. Und immer wieder stellen sie fest, dass 20 oder in Extremfällen sogar 40 Prozent Verbrauchsersparnis gerade einmal zwei oder drei Prozent mehr Fahrzeit bedeuten. Wenn überhaupt.

Die Höchstgeschwindigkeit des Autos nicht nutzen. Den Effekt kennt fast jeder: Die letzten Zentimeter Weg des Gaspedals bringen wenig, das Auto wird nur unwesentlich schneller. Der Kraftstoffverbrauch aber steigt.

Unnötige Verbraucher abschalten

Heckscheibenheizung, Sitzheizung, Zusatzscheinwerfer oder Klimaanlage nicht unnütz laufen lassen. Denn wenn die Lichtmaschine mehr Strom produzieren muss, hat der Motor mehr zu tun. Wenn er den Kompressor der Klimaanlage antreiben muss, auch.

Auto nie warm laufen lassen

Auch in der kalten Jahreszeit: Den Motor nicht warmlaufen lassen. Im Leerlauf kommt er nur langsam auf Betriebstemperatur und verbraucht immens viel. Besser: Unverzüglich losfahren und behutsam die Drehzahl steigern. Abgesehen davon: Warmlaufen lassen im Stand ist verboten und belastet die Umwelt.

An die Aerodynamik denken: runter mit dem Skiträger

Die Aerodynamiker der Autohersteller investieren viel Gehirnschmalz in die Formgebung des Autos, damit es dem Fahrtwind möglichst wenig Widerstand entgegensetzt. Wer den Dachgepäckträger, vielleicht sogar mit Ski oder Surfbrett beladen, über Wochen durch die Gegend fährt, verschenkt Sprit. Also so schnell wie möglich runter damit.

Reifendruck leicht erhöhen

Richtiger Luftdruck ist ebenfalls wichtig. Sind die Reifen zu schwach aufgepumpt, erhöht sich ihr Rollwiderstand. Daher zumindest den vom Fahrzeughersteller empfohlenen Luftdruck einstellen – auch aus Gründen der Verkehrssicherheit. Besser ist es, die Reifen etwas stärker mit Luft füllen. Zwei oder drei Zehntel bar mehr lassen die Reifen leichter abrollen und beeinträchtigen den Federungskomfort nicht über Gebühr.

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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