Es war ein Niedergang der besonderen Art. Lancia, die italienische Traditionsmarke war fast schon vergessen.

Einzig im Heimatland mit dem Ypsilon vertreten, soll nun eine Wiederbelebung stattfinden. Vor dieser neuen Rolle in der Zukunft der Mobilität, die von Luca Napolitano, dem CEO von Lancia, verantwortet wird, werfen wir einen Blick auf eine herausragende Vergangenheit der automobilen Welt.

Automobile für die Ewigkeit

Vincenzo Lancia und sein Freund Claudio Fogolin gründeten im November 1906 das Unternehmen Lancia. In der 115-jährigen Geschichte setzten bereits die ersten Modelle Maßstäbe im Automobilbau.

Es begann 1907 mit dem Lancia 12HP. Das Fahrzeug besaß ein flach bauendes und vergleichsweise leichtes Chassis. Revolutionär war die Kraftübertragung vom Motor auf die Hinterachse mittels einer Kardanwelle. Üblich waren damals Ketten. 1913 kam mit dem Theta das erste Auto in Europa mit einer elektrischen Anlage inklusive Anlasser und beleuchteten Instrumenten auf den Markt.

Der 1923 vorgestellte Lambda besaß eine Einzelradaufhängung, hydraulische Stoßdämpfern sowie erstmals im Automobilbau eine selbsttragende Karosserie. Die Variante, die vordere und hintere Tür gegenläufig zu öffnen und auf die mittlere Säule zu verzichten, ließ Lancia in den 1930er Jahren patentieren.

Beim Lancia Aprilia wurden erstmals die Prinzipien der Aerodynamik auf einen Kleinwagen angewandt. Handwerkskunst und Liebe zum Detail sind beispielsweise beim Lancia Aurelia B24 Spider deutlich zu sehen. Alles Überflüssige an der Karosserie wurde weggelassen, sogar die äußeren Türgriffe.

Ein technisches Highlight der später 1980er Jahre war und ist bis heute der Lancia Thema 8.32. Eine Limousine mit einem V8 von Ferrari und einer Leistung von 215 PS. Neben dem außergewöhnlichen Antrieb wurde dieser Thema mit seiner luxuriösen Lederausstattung und dem Armaturenbrett aus Massivholz zu einer Ikone des italienischen Stils.

Die Entwicklung der Logos von Lancia

Das erste Logo von Lancia wird 1907 enthüllt, es ist sehr einfach und auf das Wesentliche reduziert. Der Name Lancia steht in weißen Großbuchstaben auf einem dunklen und rechteckigen Hintergrund. Das „L“ ist deutlich größer und leicht versetzt, ein Stilelement, das das Markenlogo über Jahrzehnte prägen wird.

1922 wurde das bereits 1911 in Auftrag gegebene neue Logo von Graf Carlo Biscaretti di Ruffia eingesetzt. Es zeigte ein Vier-Speichen-Lenkrad, Handgas und eine rechteckige Flagge an einer Fahnenstange in Form einer Lanze.

1929 wurde das Logo erneut geändert. Das Lenkrad wurde auf dem Hintergrund eines dreieckigen Schilds platziert. Dieses Stilelement ist bis heute erhalten. Mit der Einführung des Modells Flaminia wurde das Logo reduzierter, edler und eleganter. Das Schild und das Lenkrad sind nur noch stilisiert durch klare, geometrische Formen. Auch die Farbgebung wird deutlich zurückgenommen, nur noch Blau und Silber werden verwendet. Zwei charakteristische Designmerkmale blieben jedoch erhalten: die Lanze, an der eine Flagge befestigt ist, sowie der Schriftzug Lancia, weiterhin in Großbuchstaben und mit größerem, versetzten Buchstaben L.

Logos nach Übernahme durch Fiat

Als die Fiat Gruppe Lancia 1969 übernahm, wurde das Markenzeichen ein weiteres Mal geändert. Die rechteckige Form von 1907 kehrt in modernisierte Form erstmals auf den 1972 vorgestellten Lancia Beta zurück.

Nur neun Jahre später wurde vom Designer Massimo Vignelli der Bogen zum Markenzeichen des Jahres 1929 geschlagen. Speer, Lenkrad und Flagge werden stark stilisiert, als Farben kommen lediglich Blau und Weiß zum Einsatz. Zum ersten Mal wird das L auf die gleiche Größe wie die anderen Buchstaben gebracht.

2007 wird das Markenzeichen erneut stilistisch überarbeitet, einige der für die DNA der Marke typischsten Elemente werden allerdings beibehalten. Dies gilt besonders für die Farbe Blau, die dunkler und glänzender wird. Das Schild im Hintergrund ist stärker konturiert. Das Lenkrad wird im Zeichen des Minimalismus komplett überarbeitet, wobei die vier Speichen in zwei Spitzen oberhalb und unterhalb des Wortes Lancia umgewandelt werden. Die Lanze und die Flagge mit dem Logo entfallen ganz.

Die Modellnamen von Lancia bis in die 1930er Jahre

In den ersten Jahren wurden die Modelle von Lancia nach ihrer Motorleistung mit HP als Abkürzung für den englischen Begriff horse power benannt.  So kamen der Lancia 12 HP, der Lancia 18/24 HP, der Lancia 20/30 HP und der Lancia 25/35 HP zu ihren Bezeichnungen.

1919 wurde Vincenco Lancia von seinem Bruder Giovanni, einem Gelehrten der klassischen Philologie, angeregt, Buchstaben des griechischen Alphabets als Modellnamen zu verwenden. 1919 war das erste Fahrzeug der Lancia Kappa.

Rückwirkend wurden alles bis dato produzierten Modelle umbenannt.  Aus dem 12 HP wurde so beispielsweise der Alpha. Für verbesserte oder weiterentwickelte Fahrzeuge wurden zudem die Silbe Di und Tri verwendet.

In den 1930er Jahren erfolgte eine weitere Änderung der Modellnamen. Historische Ortsnamen aus den Zeiten der alten Roms wie Artena, Astura, Augusta, Aprilia und Ardea. Um mehr Autos in Frankreich zu verkaufen wurde der Augusta in Belna und der Aprila in Ardennes umbenannt.

Die Modellnamen nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte Gianni Lancia, Sohn des 1937 verstorbenen Firmengründers die Modellnamen ein weiteres Mal. Das alte Rom bleibt im Fokus, nun sind es aber berühmte Straßen wie Aurelia, Appia, Flaminia, Flavia und Fulvia.

Ab den 1970er Jahren kehrte Lancia zum griechischen Alphabet zurück. Den Anfang macht 1972 der Lancia Beta, gefolgt 1976 vom Lancia Gamma und 1979 vom Lancia Delta.

Die Tradition der klassischen Namen wird dann mit dem Lancia Prisma (1982) und dem Flaggschiff Lancia Thema (1984) fortgesetzt, sie zieht sich über Lancia Thesis (2002) und Lancia Phedra (2002) bis zum Lancia Delta der dritten Generation im Jahr 2008. Eine der wenigen Ausnahmen war der Lancia A112, vormals Autobianchi A112.

Der aktuelle Lancia Ypsilon wurde 2020 vorgestellt und ist nun seit 35 Jahren, vier Generationen, 35 Sonderserien und über drei Millionen verkauften Einheiten immer noch ein modisches Stadtauto. Lassen wir uns nun überraschen, was die nähere Zukunft der Marke Lancia bringt.

Dietmar Stanka