Wer mit seinem Fahrrad durch den Wald radelt, darf nach einem Sturz wegen eines Lochs im Waldweg nicht auf Schmerzensgeld hoffen. Die Verkehrssicherungspflicht des Waldbesitzers hat ihre Grenzen, so das Oberlandesgericht Frankfurt.

„Seien wir ehrlich: Leben ist immer  lebensgefährlich!“, hat der große Erich Kästner kurz und knapp formuliert. Weniger prosaisch, aber ebenso eindeutig formuliert das Landgericht Darmstadt: Ein Waldbesucher setzt sich mit dem Betreten des Waldes bewusst waldtypischen Gefahren aus. Schützenhilfe erhielten die Richter vom Oberlandesgericht Frankfurt am Main: „Bei einem 20 x 20 cm breiten und ebenso tiefen Loch im Boden eines Waldweges handelt es sich in der Regel um eine waldtypische Gefahr, für die die Haftung des Waldbesitzers ausgeschlossen ist.“

Von großem Schlagloch im Waldweg überrascht

Damit deuteten die Richter des OLG an, dass eine Frau auch in der zweiten Instanz mit ihrer Klage gegen das Land Hessen keine Chance haben würde. Die Frau hatte während einer Fahrradtour einen Waldweg benutzt. Dieser Weg ist nicht offiziell  dem öffentlichen Verkehr gewidmet, wird aber von vielen Fußgängern und Velofahrern genutzt. Der Waldweg ist unbefestigt und es gibt viele Schlaglöcher und Rillen, was der Klägerin auch bekannt war. Sie sei deshalb auch sehr umsichtig gefahren,  und  trotzdem von einem großen Schlagloch überrascht worden. Beim Versuch auszuweichen stürzte sie und zog sich schmerzhafte Verletzungen an der Schulter zu. Dafür forderte sie vom Waldbesitzer, dem Land Hessen, Schmerzensgeld.

Mit ihrer Klage beim Landgericht Darmstadt (Aktenzeichen  3 O 314/16) hatte sie jedoch keinen Erfolg und legte deshalb beim Oberlandesgericht Frankfurt Berufung ein. Ohne Erfolg. In einem Beschluss (Aktenzeichen 13 U 111/17) legten die Richter der Klägerin nahe, die Berufung zurückzunehmen, weil sie ihre keine Erfolgschance gaben. „Es entspricht allgemeiner Erfahrung, dass im bewaldeten Gelände Wege auf gewachsenem Boden durch Wurzelwerk und Auswaschungen infolge von Witterungseinflüssen erhebliche Unebenheiten, insbesondere auch Löcher, aufweisen können.“

Waldbesitzer muss kein Schmerzensgeld zahlen

Damit handelt es sich um eine waldtypische Gefahr, für die der Waldbesitzer nicht haftet. Auch die Tatsache, dass der Weg stark frequentiert sei, begründet keinerlei Ausnahme von diesem Grundsatz, so das OLG. Die Klägerin nahm den Hinweis ernst und zog die Berufung gegen das Urteil des Landgerichts zurück, um sich Gerichtskosten zu sparen.  Damit ist das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Darmstadt rechtskräftig.

Womit als Fazit nur bleibt: Beim Radlfahren im Wald oder beim Wandern genau aufpassen, wo man unterwegs ist. Denn der Schmerz eines Sturzes lässt sich nicht mit Schmerzensgeld versüßen.

 

 

 

 

Foto: Michael Bührke/pixelio.de

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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