Es war eine kleine Überraschung, als mitten in der Saison bei den beiden Läufen der ADAC TCR Germany das Team von Engstler Motorsport mit zwei nagelneuen Hyundai i30 N TCR für Luca und Theo auf dem Nürburgring auftauchte. Tief, breit und lackiert in der Launch-Farbe Performance Blue Uni waren diesen Racer die Hingucker im Fahrerlager in der Eifel.

Luca und Theo in der Eifel

Der Umstieg vom VW Golf GTI TCR auf den Hyundai i30 N TCR gelang dem 18-jährigen Luca Engstler aus Wiggensbach und dem mittlerweile 19 Jahre jungen Théo Coicaud aus Frankreich problemlos. Am Samstag belegten die beiden Youngster die Plätze 7 und 8. Luca fuhr im zweiten Rennen von Startplatz 18 auf den 6. Rang, Theo schaffte es von 12 auf 8. Echter N-Thusiasmus also bei den vielen Fans und Gästen, die Hyundai in der Eifel begrüßen durfte.

Unglaubliches in den Dünen

Die traumhaft in den Dünen und in der Nähe des Strandes gelegene Rennstrecke von Zandvoort war Mitte August Schauplatz der ADAC TCR Germany. Bei traumhaftem Wetter donnerte Luca Engstler im ersten Rennen am Samstag auf seinem Hyundai i30 N TCR von Startplatz 10 auf den 5. Platz nach vorne. Bedingt durch die Regel, dass im zweiten Rennen der zehntplatzierte des Qualifying auf Rang 1 startet, stand Luca  am Sonntag auf der Poleposition.

Und der Allgäuer machte das Beste, was herauszuholen war. Bereits im vierten Rennen mit seinem neuen Hyundai i30 N TCR fuhr er den Sieg in den Niederlanden heraus. Engstler Motorsport durfte sich sogar doppelt freuen. Theo konnte den Vortagessieger und Lokalmatadoren Niels Langeveld im Audi RS3 LMS auf Platz 3 verweisen für das Team einen Doppelsieg sichern.

„Wahnsinnig, nach dem etwas frustrierenden Wochenende auf dem Nürburgring mit den Problemen im Qualifying jetzt hier ganz oben zu stehen, ist ein Wahnsinnsgefühl“, sagte Luca Engstler, der in der Gesamtwertung als Dritter nur 22 Punkte Rückstand auf Langeveld hat: „Ich kann mich nur bei meinem Team bedanken. Wir sind alle mehr als happy. Im ersten Training hatten wir hier auch Pech, danach hat uns etwas der Speed gefehlt. Aber dann das Rennen zu gewinnen, ist umso schöner.“

Ab nach Sachsen

Anfang September am Sachsenring. Es herrschte gute Stimmung im Fahrerlager und die übertrug sich eins zu eins auf Luca Engstler, der sich mit einem Start-Ziel-Sieg am Samstag auf Platz 2 in der Meisterschaft schob. Sein Teamkollege Théo Coicaud hatte weniger Glück, da er nach einem Kontakt mit Eberle auf dem Cupra TCR ausschied.

„Es war super. Wir dachten, dass es sehr schwierig wird am Wochenende. Ich hatte fast ein bisschen Bammel vor dem ersten Rennen, aber ich konnte dann am Anfang enorm Speed aufnehmen und eine Lücke bilden, aber die Safety-Car-Phasen waren für uns der Schlüssel zum Erfolg“, sagte Engstler, der nun nur noch drei Punkte Rückstand auf den Führenden Proczyk hat.“

Am Sonntag knallten die Champagner-Korken bei Engstler Motorsport. Zumindest fiktiv, denn Luca arbeitete sich von dem 10. Startplatz kontinuierlich nach vorne. In der vorletzten Runde nutzte er einen Verbremser von Langeveld auf Platz 1 und fuhr einen unglaublichen Doppelsieg am Sachsenring heraus.

Entscheidung in Hockenheim

Engstler im Hyundai, Langeveld im Audi, Proczyk im Opel und auch Mike Halder im Honda waren die Meisterschafts-Kandidaten, die in Hockenheim die letzten beiden Läufe der ADAC TCR Germany 2018 bestreiten mussten. Luca Engstler lieferte sich im ersten Rennen heftige Infights mit Langeveld und fuhr auf einen sehr guten 3. Platz. Teamkollege Théo Coicaud wurde im ersten Rennen Siebter, im zweiten Durchgang schied er nach einer Kollision in der zweiten Runde aus.

Luca nach dem Rennen: „Ich habe gekämpft und war komplett am Limit. Mehr wäre nicht möglich gewesen, das ist frustrierend. In den Sektoren mit den Kurven war ich der Schnellste – auf der Geraden aber habe ich sechs Zehntel verloren. Das tut weh, aber so ist es. Damit musste jeder schon kämpfen, wir müssen jetzt hart arbeiten, und dann werden wir sehen, was passiert. Dann hoffen wir, dass es reicht. Vielleicht haben wir ein Regenrennen, und dann sieht alles ganz anders aus. Aufgeben kommt nicht in Frage. Ich kämpfe bis zum letzten Meter, bis ich die Checkered Flag sehe. Und wenn es dann nicht reichen sollte, dann braucht sich niemand bei uns etwas vorzuwerfen.“

Wegen einer in unseren Augen seltsam erscheinenden Strafversetzung musste Luca am Sonntag von der undankbaren 19. Position ins Rennen gehen. Innerhalb von zwei Runden lag er aber schon auf Platz 8 und er kämpfte sich weiter Position und Position nach vorne. Zum guten Schluss reichte es für einen hervorragenden 4. Platz hinter dem Meister Proczyk und den Titel des Vizemeisters.

Luca Engstler nach dem Rennen: „Es ist etwas schade, wenn man als Meisterschaftsführender nach Hockenheim kommt und ‚nur‘ als Vizemeister wieder abreist. Aber ich habe alles gegeben, mehr war einfach nicht drin. Wenn mir jedoch jemand vor der Saison den Vizetitel prophezeit hat, hätte ich es nicht für möglich gehalten. Ich bin sehr stolz, glücklich und dankbar für die gute Arbeit des Teams.“

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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