Weltweit proklamieren Automobilhersteller, dass bahnbrechende Innovationen aus dem eigenen Hause stammen. Das mag manchmal richtig sein, oftmals ist es jedoch nur die halbe Wahrheit. Denn die großen Zulieferer, wie beispielsweise Magna, sind in vielen Fällen die Technologietreiber der Automobilindustrie. Bei einem Besuch des Magna-Werkes in Graz Anfang Juni 2017 konnte ich mir ein Bild über die vielfältigen Einsatzgebiete und wesentlichen Entwicklungen des kanadisch-österreichischen Unternehmens machen.

Produktion bei Magna in Graz

BMW lässt die 5er-Serie bei Magna in Graz bauen. In den Produktionshallen, in denen ehemals der Mini Countryman gefertigt wurde, wird nun das Business-Klasse-Modell der Münchner hergestellt.

Der Klassiker von Mercedes-Benz, die G-Klasse wird traditionell seit 1979 in der Steiermark gebaut und entwickelt. Die Bergstrecke hoch zum 1.445 Meter hohen Schöckl in der Nähe von Graz ist seit Anbeginn der G-Klasse-Produktion das ultimative Testrevier für den Geländewagen mit dem Stern. Von dem rund 20.000 Exemplare jährlich das Werk verlassen.

Ab dem kommenden Jahr lässt Jaguar den rein elektrisch betriebenen I-Pace ebenfalls in Graz bei Magna bauen. In den früheren Jahren wurden in Graz unter anderem der Pinzgauer, der BMW x3 der Chrysler Voyager, der Jeep Grand Cherokee sowie der Aston Martin Rapid und der Peugeot RCZ hergestellt.

Elektrifizierung und Brennstoffzelle

Für Magna ist die Brennstoffzelle und der damit verbundene Wasserstoff ein wichtiges Thema in der Forschung und Entwicklung. Ich erlebte auf dem Testgelände von Magna in Graz eindrucksvolle Testrunden mit einem Prototyp mit Brennstoffzelle. Dieser Kleinbus kann mit vollgeladener Batterie rund 50 Kilometer rein elektrisch fahren.

Ist der Wasserstofftank voll, steigt die Reichweite auf deutlich mehr als 500 Kilometer. Mit dem sukzessiven Ausbau der Wasserstofftankstellen kann immer mehr auf diese saubere Technologie gesetzt werden. Vorausgesetzt, der Wasserstoff wird am Point of Sale (POS) aus alternativen Energien wie Wind oder Solar hergestellt.

Leichtbau und Reduzierung von Bauteilen

In Zusammenarbeit mit Ford entstand ein neuer Rahmen für den Vorderbau eines Fahrzeugs. Dr. Joseph Laux, Direktor Lightweight Composites bei Magna, berichtete in seinen Ausführungen von einer Teilereduzierung von 87 Prozent. Beispielsweise wurden aus bis dato 45 Teilen aus Stahl, zwei aus geformten Werkstoffen und vier aus Stahl. Zudem konnte das Gewicht des gesamten Bauteils um 34 Prozent gesenkt werden.

Über Magna

159.000 Menschen arbeiten weltweit an 321 Standorten bei Magna. 36 Milliarden Euro Umsatz jährlich ermöglichen die Nummer-1-Marktposition in den USA und weltweit den dritten Rang in der Branche. Allein in Europa arbeiten 58.225 Beschäftigten in 115 Produktionsstätten sowie in 50 Forschungs- und Entwicklungsbetrieben.

 

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka

Letzte Artikel von Dietmar Stanka (Alle anzeigen)