Im Rahmen einer großen Präsentation der Produktpalette von MAN Truck & Bus auf dem immer noch nicht im Betrieb genommenen Flughafen BER im Süden Berlins hatten wir die Gelegenheit, zwei Elektro-Trucks zu fahren.

MAN eTGE

Der jüngste im Stall von MAN Truck & Bus läuft bereits ab August 2018 als rein elektrischer Transporter vom Band. Der MAN eTGE läuft neben dem konventionellen MAN TGE und dem VW Crafter im polnischen Wrzesnia vom Band. Wir sind den Elektro-Transporter im Großraum bereits gefahren und waren ob des kräftigen Antriebs mit einem Drehmoment von 290 Nm begeistert.

Das Einsatzgebiet

Da statistisch betrachtet 70 Prozent der im urbanen Umfeld eingesetzten Nutzfahrzeuge im Schnitt täglich unter 100 Kilometer unterwegs sind, sind in diesem Bereich Elektrofahrzeuge das ideale Transportmittel. Deshalb ist der MAN eTGE mit einer Reichweite von rund 160 Kilometern und einer Nutzlast von 1t bis zu 1,75t für die Logistik der „Letzten Meile“ perfekt.

Laden und Ausstattung

Zunächst wird der MAN eTGE als Kastenwagen in der Hochdachvariante angeboten. Er bietet fast elf Kubikmeter Laderaumvolumen und  erreicht in der Praxis rund 130 Kilometer mit einer Batterieladung.  Das Aufladen ist an einer AC-Wallbox mit 7,2 kW in rund fünfeinhalb Stunden erledigt. Bei Bedarf ist eine Schnellladung von 0 auf 80 Prozent in 45 Minuten möglich. Dazu bedarf es aber einer Gleichstromladestation mit Comboladesteckdose (CCS) und einer Leistung von 40 kW.

Neben dem neuen Antriebskonzept packt MAN Truck & Bus eine Menge mehr in den eTGE 4.140. Komfort-Sitze für Fahrer und Beifahrer, Climatronic, Frontscheiben- und Sitzheizung, Navigationsgerät und Telefonvorbereitung sowie das aktuelle Kombiinstrument Colour und LED-Scheinwerfer sind serienmäßig. Zudem ist er mit Einparkhilfe inklusive Flankenschutz, Multifunktionskamera, Rückfahrkamera, Geschwindigkeitsregelanlage und -begrenzer sowie dem Umfeldbeobachtungssystem mit City-Notbremsfunktion ausgestattet. Selbstverständlich ist der Notbremsassistent EBA (Emergency Brake Assist) ebenfalls an Bord.

MAN eTGM

Eine Nummer größer und deshalb auch mit mehr Lade- und Transportkapazität ausgestattet, zeigt sich der MAN eTGM. Wir sind den 26-Tonner mit einer Ladung von 20 Tonnen ebenfalls in der Umgebung von Berlin gefahren und kamen wegen seiner herausragenden Kraftentfaltung nicht aus dem Staunen heraus.

Prädestiniert für den Güterverkehr in dem urbanen und suburbanen Gebieten, wird der eTGM ab Herbst 2018 von neun Mitgliedern des österreichischen Firmenkonsortiums CNL im Realbetrieb getestet. In Serie soll der auf einem 6 x 2 Solofahrgestell basierende Lkw ab 2021 gehen.

CNL-Praxiserprobung in Österreich zusammen mit MAN Truck & Bus

Das neue vollelektrische MAN TGM 6X2-Fahrgestell bildet die technische Basis für neun Fahrzeuge, die ab Herbst 2018 für  Praxiserprobungen bei neun Mitgliedsunternehmen des österreichischen Councils für nachhaltige Logistik (CNL) vorgesehen sind. Dabei wird es sich vorwiegend um 6x2-Fahrgestelle mit Kühlkoffern, Wechselbehältern und Getränkeaufbauten handeln. Zum Erprobungsumfang gehört aber auch eine Sattelzugkombination auf MAN TGM-Basis. Die Erkenntnisse aus den Praxiserprobungen mit den Versuchsfahrzeugen wird MAN Truck & Bus in die Entwicklung des künftigen Serienproduktportfolios von elektrisch angetriebenen Lkw einfließen lassen.

Das eTruck Entwicklungs- und Versuchsprogramm ist Teil der eMobility-Roadmap von MAN Truck & Bus für innerstädtische Transportlösungen, die ab 2021 Teil des Produktangebotes werden sollen. Truck und Bus nutzen dabei einen gemeinsamen eMobility-Baukasten, der künftig für verschiedenste Anwendungen zur Verfügung stehen wird.

MAN Lion’s City eBus

Nach Aussage von MAN ist die Zukunft des ÖPNV überwiegend rein elektrisch. MAN Truck & Bus geht davon aus, dass bis 2030 rund 66 Prozent der Linienbusse elektrisch sein werden. Auf der IAA Nutzfahrzeuge 2018 wird MAN daher die vollelektrische Version des neuen Stadtbusses MAN Lion’s City vorstellen. Damit komplettiert MAN die neue Stadtbusgeneration nach dem Diesel- und Gasmotor mit einer emissionsfreien Variante.

Ein leicht geändertes Design unterstreicht die Besonderheit des elektrischen Antriebs. Am auffälligsten ist dabei der Entfall des Motorturms und somit optimierte Sitzbereich im Heck durch die Platzierung der Batterien auf dem Dach. Damit befinden sie sich zum einen außerhalb des crashgefährdeteren Heckbereich. Zum anderen ermöglicht es mehr Gestaltungsfreiheit, freundlichere Lichtverhältnisse und bis zu vier zusätzliche Sitzplätze im Innenraum.

Starke Leistung

Der vollelektrische Antriebsstrang leistet im Solobus 160 bis maximal 270 kW. Die Energie dafür stammt aus den modularen Batterien mit 480 (Solo) bzw. 640 kWh (Gelenkbus). Hierbei greift MAN auf die ausgereifte Batterietechnologie aus dem Konzernbaukasten zurück, das ausgeklügelte Temperaturmanagement sorgt unabhängig von der Jahreszeit für eine besonders gute Verfügbarkeit. So kann der Lion’s City eBus zuverlässig die Reichweite von 200 km unter realistischen Bedingungen und über die gesamte Lebensdauer der Batterien sicherstellen.

Ab 2020 wird im Rahmen von Feldversuchen in Kooperation mit verschiedenen europäischen Betreibern eine Demo-Flotte auf ihre Alltagstauglichkeit getestet. Unter anderem gehören die Hamburger Hochbahn, die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH), die Stadtwerke München (MVG) sowie die Stadtwerke Wolfsburg und das luxemburgische Unternehmen Voyages Emile Weber.

Erdgas-Bus MAN Lion’s City G

Auf dem Weg zu weniger Emissionen in den Innenstädten kommt effizienten Antrieben mit alternativen Kraftstoffen enorme Bedeutung zu. Unter den fossilen Energieträgern erzeugt Erdgas bei der Verbrennung am wenigsten CO2. Setzt der Betreiber auf aufbereitetes Biogas ist sogar ein theoretisch CO2-neutraler Betrieb der Fahrzeuge ohne sonstige zusätzliche Anforderungen möglich.

Daher ergänzt künftig eine Gas-Variante die neue Stadtbusfamilie bei MAN. Der MAN Lion’s City G verfügt dabei über die komplett neu entwickelte Motorbaureihe E18. Dieser Motor bietet trotz des geringeren Hubraums im Vergleich zum Vorgängermodell ein höheres Drehmoment. Gerade in Verbindung mit dem Hybridmodul MAN EfficientHybrid bekommen Städte so ein maximal wirtschaftliches und umweltschonendes Fahrzeug, problemlos in die bisherigen Betriebsabläufe einfügt.

Unabhängig von den Stopp-Phasen an Haltestellen oder Ampeln, an denen die Stopp-Start-Funktion des MAN EfficientHybrid das komplette Abschalten des Motors ermöglicht, profitieren Fahrgäste und Anwohner immer von dem geringeren Motorengeräusch dank einer leiseren Verbrennung im Vergleich zum Diesel. Passagiere finden im Innenraum maximal 29 Sitz- und 70 Stehplätze vor.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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