Mit dem Bora und seinem aus dem Motorsport bekannten Mittelmotor wagte Maserati 1971 einen neuen Schritt in die Zukunft schneller Sportwagen.

Das Konzept mit dem Triebwerk hinter der Fahrzeugkanzel und vor der Hinterachse setzten die Italiener bereits 1961 im Rennwagen Tipo 63 ein. Zugleich wurde der Bora Vorbild für den Merak und den MC12. Heute setzt der Maserati MC20 diese Technik fort.

Niemand geringeres als Giorgetto Giugiaro von Italdesign bekam den Auftrag den Bora zu zeichnen. Die an ihn gestellten Vorgaben waren die Kombination aus sportlicher Performance, Design sowie Komfort und Sicherheit. Daraus entstand ein zweisitziges Coupé mit einfachen, aber doch eleganten und in erster Linie harmonischen Linien.

Die aerodynamischen Vorzüge mündeten in einer flach und schlank gestalteten Frontpartie mit Klappscheinwerfern. Der vordere Kühlergrill war zweigeteilt mit einem mittig angebrachten Dreizack, dem Markenlogo von Maserati. Seitlich zog sich ein schmaler Gummistreifen über die gesamte Länge des Fahrzeugs. Das mit drei Scheiben verglaste Heck endete mit einer steil abfallenden Kante.

Antrieb und Fahrverhalten                                                                                      

Im ersten Produktionsjahr wurde dem Bora ein V8 mit 4,7 Litern Hubraum und einer Leistung von 310 PS eingepflanzt. 1972 wurde der Hubraum um 200 Kubikzentimeter und die Leistung auf 330 PS erhöht. Ein Novum war bei Maserati die Einzelradaufhängung, die den Fahrkomfort genauso deutlich erhöhte, wie die Teleskopstoßfänger.

Um den schnellen Bora einzubremsen, waren rundherum Scheibenbremsen montiert. Geschaltet wurde mit einem manuellen Fünfganggetriebe, eine trocken gelagerte Einscheibenkupplung war für schnelle Gangwechsel verantwortlich.

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 265 Km/h und einem für einen Sportwagen beachtlichen Laufruhe hätte dem Maserati Bora mehr Erfolg beschieden sein sollen. Im Gegenzug schluckte der Italiener über die Maßen Sprit. Bis zu 25 Liter flossen über die vier Weber-42-DCNF-Vergaser in die Brennräume des V8.

Ein bitteres Ende

Da der Bora nicht von Anfang an die US-amerikanischen Zulassungsbestimmungen hinsichtlich Außengeräusch, Abgase und Sicherheit (Stoßstangen) erfüllte, war ein wichtiger Absatzmarkt zu lange versperrt. So wurden insgesamt nur 564 Exemplare gebaut. Zudem trennte sich Citroën, der damalige Eigentümer von Maserati, sodass neue Vertriebswege organisiert werden mussten. Unter der neuen Leitung von Alejandro de Tomaso wurde das Modell technisch überarbeitet, ehe es 1978 ohne direkten Nachfolger auslief.

Ein kleines Trostpflaster war seinerzeit der Maserati Merak, der dem Bora eins zu eins aus dem Gesicht geschnitten war. Der Merak verfügte zwar nur über Sechszylinder-Motoren, war aber deutlich preiswerter.

Tipps für Sammler

Unter 160.000 Euro wechselt kein gut erhaltener Bora den Besitzer. Interessenten sollten vor allem auf Rost im kompletten unteren Bereich, an den Kotflügeln, Schwellern und den Seitenteilen achten. Zudem sollten die Dämpfungselemente und die Aufnahmen des hinteren Hilfsrahmens genauer betrachtet werden.

Der Designer

Giorgetto Giugiaro darf als eine Ikone des Automobil-Designs bezeichnet werden. Neben dem Bora stammen unter anderem der erste VW Golf, der Fiat Panda, der Audi 80 und der Lotus Esprit seiner Feder.

Dietmar Stanka
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