Zu Hause lässt die Maut für die Autobahn noch ein wenig auf sich warten.  Im Urlaub kennen die deutschen Autofahrer die Autobahngebühren schon zur Genüge, denn in den europäischen Nachbarländern ist die kostenlose Benutzung von Autobahnen, Tunneln, Brücken oder Pässen längst Vergangenheit. Die Fahrt zum Urlaubsort belastet zum Teil kräftig das Reisebudget.

Österreich: Ein Pickerl plus Extragebühren

In Österreich ist die Benutzung der Autobahnen und Schnellstraßen generell gebührenpflichtig. Ob das so genannte Pickerl auch auf der Windschutzscheibe klebt, wird intensiv kontrolliert.

Autofahrer haben die Auswahl zwischen drei Vignetten: Die Jahreskarte für Autos, Wohnmobile oder Kleinbusse bis 3,5 Tonnen kostet 86,40 Euro, eine Zweimonatsvignette ist für 25,90 Euro zu bekommen. Wer nur gelegentlich nach oder durch Österreich fährt, ist meist mit der Zehntages-Vignette für 8,90 Euro besser bedient. Die entsprechenden Tarife für Motorradfahrer liegen bei 34,40, 13,00 und 5,10 Euro.

Wohnmobile über 3,5 Tonnen: Go-Box erforderlich

Wohnmobile, die schwerer als 3,5 Tonnen sind, fallen unter die streckenabhängige Gebühr, die über das elektronische Go-Mautsystem erfasst wird. Dazu muss ein Gerät, die Go-Box, gekauft und im Fahrzeug installiert werden. Pro Kilometer werden für Zweiachser zwischen 17,8 und 22,33 Cent  berechnet, abhängig von Euro-Emissionsklasse und Tageszeit.Für Dreiachser liegen die Kilometertarife zwischen 24,98 und 31,36 Cent. Infos unter www.go-maut.at.

Extragebühren für bestimme Strecken

Mit der Autobahngebühr allein ist es in Österreich allerdings nicht getan: Auf etlichen Strecken ist eine eigene Maut fällig.  So kostet zum Beispiel auf der A 10 zwischen Salzburg und Villach die Fahrt durch den Tauerntunnel 11,50 Euro (einfach), die Fahrt über die Brennerautobahn wird mit 9.00 Euro berechnet. Für die Strecke durch den Arlbergtunnel bei St. Anton werden 9,50 Euro oder durch den Karawankentunnel Richtung Slowenien 7,20 Euro fällig.

Wie Sie mit der Videomaut komfortabler auf diesen Streckenabschnitten unterwegs sind und als Vielfahrer mit einem Jahresticket sparen können, lesen Sie hier: Jahresmaut: Im Paket billiger.

Vignetten und Mauttickets für Einzelstrecken können über den Onlineshop des ADAC vor der Urlaubsreise gekauft werden, so dass man nicht extra zum Pickerlkauf an der Grenze anhalten muss. Auch über die Webseite der österreichischen Straßengesellschaft ASFINAG können alle Vignetten und Mautpakete online gekauft werden.

Schweiz: Mit 40 Franken vergleichsweise günstig

Dass die Schweiz alles andere ist als ein preiswertes Reiseland, gilt nicht erst seit dem erstarkten Frankenkurs. Da erscheint die Schweizer Autobahnvignette für 40 Franken (Preis beim Kauf in Deutschland 38,50 Euro) als ein günstiges Angebot. Allerdings ist die Fahrt über die oft übervollen Autobahnen, auf denen rigide das Tempolimit von 120 km/h kontrolliert wird, vor allem für deutsche Reisende nicht das pure Vergnügen.

Stark belastet sind die beiden Hauptrouten: die A1 von Ost nach West, vor allem zwischen Zürich und Bern, und die A2, die von Basel aus über Luzern und durch den Gotthard-Tunnel bis Italien führt. Hier muss man sich vor allem während der Hauptreisezeiten auf oft stundenlange Staus vor dem Gotthard einstellen.

Als Ausweichstrecke bleibt  die Route über die A13, die San-Bernhardino-Strecke. Diese ist in der für das gesamte Autobahnnetz gültigen Jahresvignette von 40 Franken enthalten.

Bahnverladung oder Tunnel

Wer schneller ins Wallis will und den Weg über die Lötschberg-Autoverladung in Kandersteg nimmt, muss mit Kosten ab knapp 25 Euro rechnen (25 bis 29,50 Franken), je nach Wochentag. Die Bestellung vorab übers Internet bei der BLS ist dabei die günstigste Lösung.

Auch der Weg durch den Großen-St. Bernhard-Tunnel muss üppig bezahlt werden: Der 5,8 km lange Tunnel verbindet das Rhonetal im Wallis mit dem Aostatal in Italien.Für Autos kostet die einfache Fahrt 27,90 Euro, wer gleich die Rückfahrt dazu bezahlt, fährt relativ günstiger, denn dann sind es 44,60 Euro. Für Motorräder liegen die Kosten bei 16,40/22,20 Euro. Rückfahrkarten gelten übrigens maximal 30 Tage ab Kauf. Für Wohnmobile oder Gespanne berechnet die Tunnelgesellschaft 43,40 (einfach) oder 69,40 Euro (hin und zurück).

Tschechien und Slowenien: Maut in drei Preisstufen

Auch die östlichen Reiseländer Tschechien und Slowenien bitten Autofahrer für die Benutzung der Autobahnen in einem dreistufigen Preismodell zur Kasse.

In Tschechien werden Vignettenlaufzeiten von zehn Tagen (12 Euro), einem  Monat (17 Euro) sowie einem Jahr (57 Euro) angeboten. Slowenien ist spürbar teurer und berechnet für die Vignette mit sieben Tagen Gültigkeit 15 Euro, für einen Monat 30 Euro und fürs ganze Jahr 110 Euro.

 

Fotos: ASFINAG

Spätestens an der Grenze heißt es: Vignette kaufen, und wenn das Wohnmobil mehr als 3,5 Tonnen wiegt, muss eine Go-Box an Bord, die genau die gefahrene Strecke erfasst. Fotos: ASFINAG
Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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