Heutzutage gehören die Telefonbedienung am Lenkrad oder die elektronische Reifendruckkontrolle in nahezu allen Neufahrzeugen zum Serienumfang.

1991 war dies jedoch Zukunftsmusik und nur im Forschungsfahrzeug Mercedes-Benz F 100 an Bord. Vorgestellt wird das Fahrzeug am 12. Januar 1991 auf der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit.

Mercedes-Benz F 100 Front

F 100 Front

Ausstattung mit Zukunft

Von den Systemen des Mercedes-Benz F 100 haben besonders viele den Weg in die Serie gefunden. Das betrifft die passive wie aktive Sicherheit, den Bedienungskomfort und die Raumökonomie.

Die Telefonbedienung mit Lenkradtasten wurde 1998 in der S-Klasse umgesetzt. Die Xenonscheinwerfer mit Gasentladungsleuchten kamen 1995 in die E-Klasse. Die Telefonspracherkennung erlebte 1996 unter dem Namen Linguatronic in der S-Klasse ihr Debüt.

Die elektronische Reifendruckkontrolle wurde 1999 im Luxuscoupé CL präsentiert. Der schlüssellose Zugang Keyless-Go war seit 1999 eine Ausstattungsoption der S-Klasse. Der Regensensor gehörte ab 1996 im CL-Coupé zum Serienumfang. Last but not least war der Sandwichboden das Konstruktionsprinzip in der A-Klasse (W 168).

Mercedes-Benz F 100 Heck seite

F 100 Heck

Im Mercedes-Benz F 100 sicher in der Mitte

Weil der Fahrer immer an Bord ist, steht ihm der sicherste Platz im Wagen zu. Daher sitzt er im F 100 mittig in der Fahrgastzelle. Es ist in den meisten der denkbaren Crashsituationen die am wenigsten gefährdete Position im Fahrzeug.

Drehschwenktüren nehmen beim Öffnen einen Teil von Fahrzeugboden sowie Dach mit. So kann immer auf der jeweils dem Verkehr abgewandten Seite ein- und ausgestiegen werden. Zwei Passagiere sitzen rechts wie links versetzt hinter dem Fahrer. Ein weiteres Komfortmerkmal ist die Schließautomatik, bei der alle vier Türen zum Schließen nur angelehnt und dann von Servomotoren ins Schloss gezogen werden.

Mercedes-Benz F 100 Sitzbank

Mercedes-Benz F 100 Sitzbank

Das vernetze Automobil

Zum Pionier des vernetzten Automobils wird der F 100 durch zahlreiche Innovationen, die sich ebenfalls erst Jahrzehnte später durchsetzen. Ein Zentralbildschirm hinter dem Lenkrad liefert nach Prioritäten gestaffelte Informationen ins Blickfeld des Fahrers.

Das kann bei freier Fahrt die aktuelle Geschwindigkeit sein, angezeigt werden aber auch Warnhinweise auf drohende Gefahrensituationen. Zahlreiche Elektronikkomponenten wie Abstandsregeltempomat (Serieneinführung in der S-Klasse der Baureihe 220 unter dem Namen DISTRONIC, 1998), der Totwinkelassistent (2007) und die Rückfahrkamera (2005 in der S-Klasse der Baureihe 221) gestalten das Fahren sicherer.

Sogar die automatische Spurhaltung ist schon vor drei Jahrzehnten möglich. Zur weiteren Ausstattung gehört ein Mobilfax ebenso wie ein fest installierter PC. Solarzellen nehmen zwei Quadratmeter der Dachfläche ein und tragen bis zu 100 Watt Leistung zur Energieversorgung bei.

Mercedes-Benz F 100 Solardach

F 100 Solardach

Licht und Sicht im F 100 

Die erstmals bei Mercedes-Benz verwendeten Gasentladungsleuchten führen zu einer sehr guten Fahrbahnausleuchtung. Die Technik als Xenonscheinwerfer in die Serie.

Weil die Heckleuchten aus transparenten Prismenstäben bestehen, lassen sie sich von einer zentralen Lichtquelle ansteuern. Je nach Funktionen erstrahlen sie in der entsprechenden Farbe. Der Heckscheibenwischer ist bei klarer Sicht unauffällig unter dem Dachspoiler verborgen und reinigt im Bedarfsfall nicht nur die Scheibe, sondern auch die Heckleuchten.

Der vordere Scheibenwischer wird in ganzer Breite über die Frontscheibe geführt und wischt sie nahezu vollständig. Der Sensor hinter der Scheibe löst den Wischer bei Regen automatisch aus.

Mercedes-Benz F 100 geöffnete Türen Seite links

Mercedes-Benz F 100 geöffnete Türen Seite links

Kraftübertragung

Für Mercedes-Benz ist der Frontantrieb ungewohnt. Er gelangt erstmals 1997 in der A-Klasse (W 168) in ein Serienfahrzeug der Marke. Als Antriebsquelle werden im F 100 diverse Motorenkonzepte untersucht. Darunter auch ein Verbrennungsmotor, der mit Wasserstoff betrieben wird. Schon vor 30 Jahren strebte Mercedes-Benz so das Fahren mit lokal emissionsfreien Automobilen an.

Mercedes-Benz F 100 Cockpit

F 100 Cockpit

Forschung und Technik

Der Mercedes-Benz F 100 begründet die Tradition einer ganzen Reihe von Forschungsfahrzeugen der Marke, die sich durch ein „F“ im Namen auszeichnen. Dazu gehören F 200 Imagination (1996), F 300 Life Jet (1997), F 400 Carving (2002), F 500 Mind (2003), F 600 HYGENIUS (2005), F 700 (2007), F 800 Style (2010), F 125! (2011) und F 015 Luxury in Motion (2015).

Zur Familie der Forschungsfahrzeuge zählen zudem viele weitere Fahrzeuge von Mercedes-Benz. Als erster Vertreter kann der 1886 zum Patent angemeldete dreirädrige Motorwagen von Carl Benz gelten. Er ist die Umsetzung eines von Grund auf neu gedachten Fahrzeugs. Ihm folgen Technologieträger und Erprobungsträger, Konzeptfahrzeuge und Fahrzeugstudien mit sehr unterschiedlichen Ausrichtungen.

Mit allen treibt die Marke die Automobiltechnik voran. Der jüngste Vertreter ist das im Jahr 2020 vorgestellte Konzeptfahrzeug „VISION AVTR“. Der Name steht nicht nur für eine intensive Zusammenarbeit mit dem Filmteam von Avatar, sondern auch für Advanced Vehicle Transformation. Eine weitere Vision von Mercedes-Benz für die Mobilität der Zukunft.

Mercedes-Benz F 100 Heck

F 100 Heck

Dietmar Stanka