Nach unserer ausführlichen Vorstellung des MG EHS Plug-in-Hybrid Anfang Dezember 2020 hatten wir im Juni 2021 die Gelegenheit, den Chinesen einem ausführlichen Praxistest zu unterziehen.

Unser erster Eindruck von dem über 4,57 Meter langen SUV war durchwegs positiv. Eine solide Verarbeitung, hochwertige Materialien und ein denkbar günstiger Preis sind definitiv ein guter Start in einen Fahrbericht.

Das Design des MG EHS

Der Chinese mit den britischen Wurzeln ist ein klassisch gezeichneter SUV, der in der Riege eines VW Tiguan positioniert ist. Der MG EHS wird ausschließlich als Plug-in-Hybrid produziert. Der optisch ähnlich wirkende MG ZS EV ist dagegen rund 26 Zentimeter kürzer und rein elektrisch unterwegs.

Die Proportionen des MG EHS schaffen reichlich Raum im Inneren des Fahrzeugs. Auf den bequemen Vordersitzen mit integrierten Kopfstützen lassen sich auch längere Strecken bestens zurücklegen. Die Passagiere im Fond verfügen über reichlich Bein- und Kopffreiheit. Auch unsere Yuki fühlte sich sichtlich wohl.

Der Gepäckraum fasst 448 Liter. Werden die zu 1/3 und 2/3 geteilten Rücksitzlehnen umgelegt, steigt das Fassungsvermögen auf 1.375 Liter. Platz genug für unser Rennrad. Das Cockpit ist übersichtlich gestaltet, sodass kaum ein Blick in die, zumindest in unserem Testwagen, in Englisch verfasste Bedienungsanleitung notwendig ist.

Antrieb und Fahrverhalten

Allen Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen ist gemein, dass sie über einen Verbrennungsmotor und einen oder sogar zwei Elektromotoren verfügen. Im Falle des MG EHS sind dies ein 1,5-Liter-Turbobenziner mit 119 kW (162 PS) und ein Elektromotor mit 90 kW (122 PS). Die daraus resultierende Systemleistung beträgt 190 kW (258 PS).

Das scheint für den knapp 1,8 Tonnen schweren SUV reichlich viel Kraft zu sein. Wird der Gasfuß mit viel Gefühl, aber dennoch reichlich Druck eingesetzt, funktionieren zügige Überholmanöver auf Landstraßen. Manchmal hapert es aber mit der Feinabstimmung beider Motoren. Da darf in China gerne noch ein bisschen nachjustiert werden.

Die Fahrwerksabstimmung ist dagegen gut gelungen. In Verbindung mit der direkten Lenkung sind höhere Kurvengeschwindigkeiten ohne Wankneigungen möglich. Ebenso sind die Fahrgeräusche im Innenraum auch bei höheren Geschwindigkeiten niedrig. Einzig an den Spiegel fängt sich hörbar der Fahrtwind.

Da ein Plug-in-Hybrid nur dann Sinn macht, wenn er möglichst immer geladen wird und dann viel im Elektromodus zurückgelegt werden kann, ist der Blick auf die Kapazitäten des Akku und des Bordladegeräts wichtig. In die Lithium-Ionen-Batterie passen 16,6 kWh und das Bordladegerät verträgt 3,7 kW. Dadurch ist eine volle Ladung an einer AC-Ladestation in rund 4,5 Stunden erreicht.

An der heimischen Steckdose dauert es ein bisschen länger. Über Nacht oder aber auch an einem normalen Arbeitstag ist dieser Vorgang aber auch erledigt. Leider steht im Automatikmodus kein zusätzlicher B-Modus zur Wahl, mit dem eine verstärkte Rekuperation der Batterie möglich wäre.

Bei unserem Praxistest über 14 Tage und rund 1.200 Kilometern erreichten wir einen Durchschnittsverbrauch von 6,8 Litern und 2,8 kWh auf 100 Kilometer. Beim Benzinverbrauch weit weg von den Werksangaben, was aber durchaus dem Regelfall bei Plug-in-Hybriden entspricht.

Im reinen Elektromodus, der über einen Schalter an der Mittelkonsole aktiviert wird, erreichten wir bei Temperaturen um die 23 Grad gute 45 Kilometer. Um die Batterie schneller wieder zu laden, verfügt der MG EHS über zwei weitere Betriebsarten. Diese werden über die Fahrzeugeinstellungen am Touchscreen ausgewählt. Damit verbunden ist allerdings ein höherer Spritverbrauch.

Ausstattung und Preise

Mit einem Preis von 34.990 Euro zählt der MG EHS in der Version Comfort zu den günstigsten Angeboten in seinem Segment. Nach Abzug der staatlichen Förderung sowie des Herstelleranteils reduziert sich der Preis auf 28.240 Euro. Die von uns getestete Luxus-Version kostet brutto 37.490 Euro, nach Abzug der Förderung sind es 30.740 Euro.

Fangen wir gleich mit einer fehlenden Ausstattung an. Das Privacy Glas, oder auch die hinten dunkler getönten Scheiben, sind beim MG EHS leider nicht zu finden. Dafür kann man aus einem riesigen Glasschiebedach, das fast die ganze Dachfläche einnimmt, den Sternenhimmel bewundern. Zumindest als Beifahrer oder im Fond sitzend.

Unter dem Namen MG Pilot sind Fahrassistenzsysteme wie der adaptive Tempomat, der Tote-Winkel-Warner, die Kollisionswarnung mit Notbremsassistent, der Spurhalte-Assistent und eine 360-Grad-Kamera zusammengefasst. Auf die ebenfalls integrierte Geschwindigkeitsanzeige sollte man sich aber nicht verlassen, da die Anzeigen oftmals nicht stimmten.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: MG EHS Luxus

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: Vierzylinder-Benziner + 1 Elektromotor

Getriebe: 10-stufiges Automatikgetriebe

Hubraum in ccm: 1.490

Motorleistung in kW (PS) bei U/min:

– Benzinmotor: 119 (162) bei 5.500

– Elektromotor: 90 (122) bei 3.700

– Systemleistung: 190 (258)

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min:

– Benzinmotor: 250 bei 1.700 – 4.300

– Elektromotor: 230 bei 3.700

– Systemleistung: 370

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 6,9

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 190

Tankinhalt in l: 37

Batteriekapazität in kWh: 16,6

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 1,9

Stromverbrauch in kWh/100 km: 24

CO2-Emission kombiniert in g/km: 43

Elektrische Reichweite in km: 52

Kapazität Bordladegerät in kW: 3,7

Abmessungen, Gewichte

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.574/1.876/1.664

Radstand in mm: 2.720

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.775

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.196

Kofferrauminhalt in l: 448 – 1.375

Bereifung: 235/50 R18 Primacy 3 von Michelin

Felgen: 7 x 18″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 37.490

MG EHS Plug-in-Hybrid
Dietmar Stanka