Neuwagenkäufer sollten darauf achten, dass ihr neues Autoradio den Digitalstandard DAB+ beherrscht. Sonst bleibt schon in wenigen Jahren das Radio stumm.

Kein Krachen im Lautsprecher, kein Pfeifen, kein Blubbern. Mit dem Radiostandard DAB+ gilt auch im Auto das digitale Prinzip: Fischt die Antenne genug Daten aus der Luft, ist der Klanggenuss ungetrübt. Denn Musik und Sprache werden nicht wie beim analogen UKW-Radio über modulierte Signale übertragen, sondern in Form von Datenpaketen.

Mit der Technik des 2011 in Deutschland eingeführten DAB+ werden im Vergleich zum erfolglosen Vorgängersystem DAB (Digital Audio Broadcasting) die Daten effizienter kodiert und komprimiert. Das hat den Vorteil, dass bei gleichbleibender Qualität weniger Sendeleistung erforderlich ist und auch mehr Sender auf einmal in ein Paket passen. Das führt dazu, dass in Ballungsgebieten wie München rund 40 Sender in höchster Klangqualität digital zu empfangen sind.

Ausstattungsgrad bei Neuwagen liegt nur bei 21 Prozent

Trotzdem entscheiden sich beim Autokauf immer noch die meisten Autofahrer gegen die Option Autoradio mit DAB+. Der Ausstattungsgrad bei Neuwagen liegt derzeit bei 21 Prozent. Zwar sind zum Beispiel bei Toyota oder Volvo schon eine Vielzahl an Modellen serienmäßig mit DAB+ ausgestattet, aber bei den meisten Herstellern wird dafür ein Aufpreis zwischen 200 (zum Beispiel Opel Corsa) und rund 500 Euro (Mercedes GLA) fällig. Eine aktuelle Aufstellung der DAB+ Standardausrüstungen und Optionen im Neuwagen findet sich hier.

Wer das Kreuzchen bei der Konfiguration des Wunschmodells weglässt, spart erst einmal Geld. Aber er verzichtet nicht nur auf guten Klang und digitale Zusatzleistungen – sondern muss schon in wenigen Jahren auf Sendervielfalt verzichten. Denn die ersten Länder planen, UKW-Sender abzuschalten – oder haben es schon.

Vorteil DAB+: Schweiz und Südtirol steigen aus UKW aus

So gehört das Nachbarland Schweiz inzwischen zu den Ländern mit der besten Infrastruktur: Das Digitalradio-Netz ist schon besser ausgebaut als das UKW-Netz. Über 99  Prozent der Straßen sind versorgt, und auch die in der Eidgenossenschaft reichlich vorhandenen Tunnel sind mit digitalen Signalen bestens versorgt. Vorteil von DAB+: Nicht ein einzelner Sender wie SRF1 wird in den Tunnel eingespeist, sondern das komplette Paket inklusive Privatsendern – das gewählte Programm spielt weiter, auch kurzzeitig müssen Autofahrer nicht auf ihren Lieblingssender verzichten.

In der Schweiz kann mit der weiteren Vorbereitung der UKW-Abschaltung wie geplant im Jahr 2020 begonnen werden. Der Schweizer Bundesrat hat Ende Oktober eine Teilrevision im Radio- und Fernmeldebereich verabschiedet, um den Umstieg auf DAB+ zu erleichtern.

In Südtirol wird in Kürze das Ende von UKW eingeläutet. Der von der Landesregierung verabschiedete Plan sieht die Abschaltung der ersten sechs UKW-Anlagen noch in diesem Jahr vor. Im nächsten Jahr folgen sieben weitere Sendestandorte der Rundfunk Anstalt Südtirol (RAS). 82 DAB+-Sendeanlagen erreichen inzwischen 99,3 Prozent der Bevölkerung. Für die RAS ist UKW nicht mehr zeitgemäß und zu teuer: Würde das UKW-Sendenetz mit 226 Sendeanlagen im vollen Umfang weiter betrieben, müssten die mittlerweile über 30 Jahre alten Anlagen ersetzt werden, was rund 200.000 Euro kostet. Mit DAB+ ließen sich der Stromverbrauch und die Wartungskosten gegenüber UKW verringern, so die RAS.

Norwegen hat bereits den Großteil seiner UKW-Sender stillgelegt – allerdings ist das skandinavische Land als Autoreiseziel nicht ganz so beliebt wie Schweiz und Südtirol.

Das Angebot an DAB+-Sendern in Deutschland

Bundesweit sind 13 Radioprogramme durchgehend digital empfangbar, die DAB+-Netzabdeckung liegt bei 96 Prozent der Bevölkerung. Eine Senderübersicht gibt es hier.

Die Autobahnen sind fast voll versorgt, so das Digitalradio Büro Deutschland. In dieser Gemeinschaftsinitiative haben sich ARD, Deutschlandradio, private Radioveranstalter, Gerätehersteller und Netzbetreiber zusammengeschlossen. Im Jahr 2018 soll das durchgängig in ganz Deutschland empfangbare Programmangebot um 16 Privatsender erweitert werden. Neben den bundesweiten DAB+-Programmen gibt es auch noch mehr als 150 unterschiedliche regional ausgestrahlte Angebote der öffentlich-rechtlichen und privaten Anbieter. Auch hier wächst das Angebot.

Streckenbezogene Stauinfos im Autoradio

DAB+ bietet neben Klangvorteilen auch digitale Zusatzdienste. Mit TPEG stehen im Rahmen von DAB+ weitere Datendienste vor dem Start. Damit ist es möglich, streckenbezogene Stauinfos im Radio zu empfangen – vergleichbar dem aktuellen TMC-System, allerdings mit einer Vielzahl weiterer Informationen. Zum Beispiel können auch freie Parkplätze, aktuelle Bahnfahrpläne oder Flugverspätungen im Display des Radios angezeigt werden. Bei DAB+ sind außerdem ohne Zusatzkosten inklusive: Musiktitel, Wettervorhersagen und bei vielen Modellen Albumcover oder Studiofotos.

 

 

Foto: Rudolpho Duba /pixelio.de

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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