Die Corona-App soll dabei helfen, Infektionsketten schneller nachverfolgen und unterbrechen zu können. Was ist aber mit der App im Auslandsurlaub? Eine europäische Lösung gibt es nicht. Je nach Reiseland kann man sich die nationale Corona-App installieren. Aber aufgepasst!

Fast 16 Millionen Menschen in Deutschland haben sich, Stichtag Mitte Juli, die Corona-App des Robert Koch Instituts heruntergeladen. Damit wollen sie sich und andere schützen – zumindest indirekt, weil durch Einsatz der von SAP entwickelten Software schnell ermittelt werden kann, ob man sich in den letzten Wochen in der Nähe eines Menschen befunden hat, der inzwischen positiv auf Covid-19 getestet wurde. Mit diesem so genannten Kontakt-Tracing  lassen sich Infektionsketten schneller nachvollziehen.

In anonymisierten Datensätzen auf dem eigenen Smartphone wird festgehalten, welchen anderen App-Nutzern man in den vergangenen 14 Tagen nahe gekommen ist. So nahe und so lange, dass eine Ansteckung mit Corona möglich sein könnte. Wird nun einer der App-Benutzer positiv getestet und teilt der seine Erkrankung der Corona-App mit, werden alle aufgezeichneten Kontakte davon unterrichtet. Somit erfährt man sehr viel schneller über eine mögliche Ansteckung als durch eine telefonische Recherche des Gesundheitsamtes. Somit kann man sich schnell in selbstgewählte Quarantäne begeben und läuft nicht Gefahr, andere Menschen anzustecken. Denn bei vielen Corona-Positiven verläuft die Erkrankung völlig oder zumindest nahezu symptomlos, ansteckend ist man während einiger Tage trotzdem.

Durch das Tracing erhält man also die Chance, sich frühzeitig von anderen Menschen fern zu halten und kann die Infektionskette unterbrechen.

Für Benutzer eines iPhones kann die App im deutschen Apple-Store heruntergeladen werden, Nutzer des Android-Systems werden im Google-Play-Store fündig.

Leider kann die App nur auf modernen Smartphones installiert und aktiviert werden. Folgende Voraussetzung nennt das RKI:

Android: Ab Android 6 mit Google Play Service in einer Version ab 20.18. Die für die App notwendige Exposure Notification API wurde hier bereits über die Google-Play-Dienste eingespielt.

iOS: ab iOS 13.5. Die App läuft auf iOS-Smartphones ab dem iPhone 6s. Die Version des Betriebssystems muss iOS 13.5 oder höher sein, da mit dieser Version die Exposure Notification API eingeführt wurde.

Die Corona-Apps aus Österreich und der Schweiz

Was aber, wenn der Urlaub in diesem Jahr über die Landesgrenzen hinausgeht? Wenn es schon keine Fernreise sein soll oder der Badeurlaub am Meer, vielleicht dann doch aber ein paar schöne Wandertouren bei den alpinen Nachbarn in Österreich oder der Schweiz? Prinzipiell kann man natürlich auch die deutsche App weiterlaufen lassen – das dürfte dann sinnvoll sein, wenn man sich am Urlaubsort vorwiegend unter Landsleuten bewegt, weil man zum Beispiel auf einem von vielen Deutschen frequentierten Campingplatz urlaubt oder einen Cluburlaub gebucht hat. Wie sieht es aber aus, wenn der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung überwiegt?

Die gute Nachricht als erstes: sowohl die Corona-App aus Österreich mit dem Namen Stopp  Corona also auch Swiss Covid aus Helvetien stehen auch in den deutschen App-Stores von Apple und Google zum kostenlosen Herunterladen bereit. Wer also demnächst in die Berge fährt, kann sie sich schon in aller Ruhe zu Hause auf dem Smartphone installieren. Die technischen Voraussetzungen sind gleich wie bei der deutschen Corona-App. Denn auch sie bauen auf die Exposure Notification API auf. Das ist eine Funktion, die die Identifizierung von Risikokontakten unter anderem durch die Bewertung der Dauer von Kontakten ermöglicht.

Nur eine Corona-App kann auf dem Smartphone laufen

In dieser Technologie liegt aber auch ein kleiner Haken: Sie erlaubt es nur einer einzigen App, auf diese Schnittstelle zuzugreifen. Wird also zum Beispiel die Schweizer App aktiviert, gibt es eine Warnmeldung. Bestätigt man diese, wird mit Freischalten der Schweizer App die vorher laufende deutsche oder österreichische Corona-App deaktiviert.

Das muss man im Hinterkopf behalten. Denn mit Abschalten der zuletzt genutzten App kommen auch keine Benachrichtigungen mehr an im Fall eines Kontakts zu einem Covid-19-Kranken.

Beim Wechsel in ein anderes Land – und auch bei der Rückkehr nach Hause am Ende der Ferien – sollte man also daran denken, spätestens alle zwei Tage einmal wieder die “alte” App einzuschalten, um nur ja keine Warnmeldung zu verpassen. Dauert der Urlaub länger als 14 Tage, kann man sich den Aufwand natürlich sparen – so lange zurückliegende Begegnungen bilden kein Infektionsrisiko mehr.

Beim Hin- und Herschalten zwischen den Apps zeigen die möglicherweise auf einmal weniger Tage App-Aktivität an. Davon sollte man sich nicht irritieren lassen. Die Kontaktdaten der zurückliegenden Zeit mit im besten Fall 14 Tagen bleiben im Hintergrund auf dem Smartphone gespeichert.

Mehr über Corona-Apps, in welchen europäischen Ländern sie noch im Einsatz sind, wo man sie herunterladen und wie man sie nutzen kann, finden Sie in einem Ratgeberstück des Schweizer Online-Magazins watson.ch

 

Stopp Corona im Apple-Store/im Google-Play-Store

 

 

Swiss Covid im Apple-Store/im Google-Play-Store

Klaus Justen
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