Am 10. Juni 2020 ist der herausragende Konstrukteur Hans Mezger im Alter von 90 Jahren verstorben.

Porsche verdankt Mezger nicht nur den luftgekühlten Sechszylinder-Boxermotor des legendären 911er. Er war auch für die gesamte Konstruktion des Rennwagens 917 und dessen Zwölfzylinder-Triebwerks verantwortlich und war der Mann hinter dem TAG-Turbo Formel-1-Motors.

Der Lebenslauf von Hans Mezger

Am 18. November 1929 wird Hans Mezger in Ottmarsheim bei Ludwigsburg geboren. Seine Eltern betreiben einen Landgasthof. Als Junge begeistert er sich für Flugzeuge und ist oft bei einer Segelfliegertrupp in Kirchheim/Teck. Nach dem 2. Weltkrieg schreibt er sein Abitur am Schiller-Gymnasium in Ludwigsburg und studiert dann Maschinenbau an der Technischen Hochschule, der heutigen Universität Stuttgart. Während eines zwölfmonatigen Praktikums lernt der junge Student die mechanische Bearbeitung, Schweißen und den Modellbau kennen und verbringt einige Wochen in der Grauguss- und Aluminium-Gießerei.

Mezger erinnert sich: „Zu dieser Zeit fuhr ich einen Motorroller, eine NSU Lambretta. Abgesehen von der 250er-DKW meines Bruders mein erstes und gleichzeitig letztes motorisiertes Zweirad. Ich fuhr die Lambretta bis 1960, als ich mir mein erstes Auto, einen betagten und recht abgenutzten 356 kaufen konnte. Erst Jahre später sollte ich wieder mit motorisierten Zweirädern in Kontakt kommen, als es Ende der 1970er-Jahre galt, für Harley-Davidson neue Motorradmotoren zu entwickeln.“

Der Einstieg und Aufstieg bei Porsche

„28 Job-Angebote doch keines von Porsche. Ich wollte aber zu Porsche, denn der Sportwagen Typ 356 begeisterte mich. Daraufhin bewarb ich mich, wurde auch eingeladen und man bot mir eine Tätigkeit in der Dieselmotorenentwicklung an. Bis dahin wusste ich nicht einmal, dass es bei Porsche so etwas gab. Mir schwebte jedoch die Arbeit an Sportwagen vor. Man zeigte Verständnis und so fing ich in der Berechnungsabteilung bei Porsche an“, beschrieb Hans Mezger seinen Einstieg beim Zuffenhausener Sportwagenhersteller.

Dann geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Hans Mezger sammelt erste Erfahrungen mit dem Viernockenwellenmotor Typ 547. Dann entwickelte er eine Formel zur Berechnung von Nockenprofilen und wird 1960 Teil des ersten Formel-1-Projekts von Porsche. An der Entwicklung des 1,5-Liter-Achtzylinders vom Typ 753 ist er dabei ebenso beteiligt wie am dazugehörigen Chassis des 804. „Bei diesem Formel-1-Projekt lernte ich viel über die Gestaltung von Brennräumen. Dies kam unmittelbar auch der Konstruktion des Sechszylinder-Boxers für den späteren 901/911 zu Gute.“

Beruflich folgen Anfang der 1960er-Jahre der weltberühmte „Mezger-Motor“ für den 901 beziehungsweise 911. 1965 kam der Aufstieg zum Leiter der von Ferdinand Piëch geschaffenen Abteilung „Konstruktion Rennfahrzeuge“. Sie ist der Schlüssel für eine neue Qualität und Dynamik von Porsche im Motorsport. 1965 entsteht in nur 24 Tagen der sogenannte „Ollon-Villars-Bergspyder“ und kurz darauf der 910. Mit seiner Konstruktion aus Gitterrohrrahmen, Glasfaser-Karosserie und der Auslegung auf die neue Reifentechnologie aus der Formel 1 wird der Wagen sozusagen zur Blaupause für alle Rennfahrzeuge, die in den darauffolgenden Jahren entstehen.

Hans Mezger und der Motorsport

„1946 erlebte ich das erste Autorennen meines Lebens. Es war in Hockenheim, wo alte Vorkriegsrennwagen am Start waren, darunter auch Hans Stuck, den ich mit meiner alten Kamera aufgenommen habe“, berichtete Hans Mezger über sein erstes Motorsporterlebnis unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.

Mit dem 917 setzte Mezger auf die bewährte Technologie aus Gitterrohrrahmen und  Glasfaser-Karosserie. 1970 und 1971 dominieren die 917 in Le Mans und in der Sportwagenweltmeisterschaft. 1972 und 1973 zeigen die 917/10 und 917/30 dank einer von Porsche selbst entwickelten neuartigen Abgasturboaufladungs-Technologie auch auf den kurvenreichen Strecken der CanAm-Serie ihre Überlegenheit.

Erstmals war es gelungen, der Turboaufladung ein Ansprechverhalten zu verleihen, mit dem Rennwagen und Serienfahrzeuge auf allen Rennstrecken und öffentlichen Straßen eingesetzt werden können. Eine Technologie, die Hans Mezger und seine Mannschaft 1974 in Gestalt des 911 Turbo auf die Straße brachte.

Als sich Ron Dennis und sein McLaren-Rennstall 1981 auf die Suche nach einem schlagkräftigen Turbo-Motor für die Formel 1 machen, fällt die Wahl auf Porsche. Auch diesmal ist Hans Mezger der kreative Kopf und Macher des 1,5-Liter-V6-Motors mit 80 Grad Bankwinkel, der es später im Rennen auf mehr als 1000 PS bringen sollte.

1984 wird Niki Lauda damit Weltmeister. 1985 und 1986 gelingt dies Alain Prost. Insgesamt 25 Rennsiege erringt der TAG-Turbo, außerdem die beiden Konstrukteurs-Weltmeisterschaften 1984 und 1985. „Das war ein großartiger Erfolg und gleichzeitig auch der bis dahin bedeutendste Entwicklungsauftrag einer Fremdfirma für Porsche.“

Vor wenigen Monaten richtete das Porsche Museum zum 90. Geburtstag eine Feier mit seiner Familie, Freunden und ehemaligen Weggefährten aus. „Die Nachricht über seinen Tod trifft uns sehr. Wir sind in Gedanken bei seiner Familie“, sagt Michael Steiner, Vorstand für Forschung und Entwicklung der Porsche AG. „Wir danken Hans Mezger für seine außerordentlichen Ingenieursleistungen, was er für den Motorsport im Allgemeinen und für Porsche im Besonderen getan hat. Seine Innovationen für unsere Serien-Sportwagen bleiben für immer unvergessen.“

Porsche Typ 901, 1963
Dietmar Stanka