Autofahren im Herbst stellt besondere Herausforderungen. Schlechte Sicht bei Schmuddelwetter und Nebel, schmierige und seifige Fahrbahnen: vorausschauendes Fahren ist angesagt. Und bitteschön: Lassen Sie die Nebelschlussleuchte aus.

Nicht erst wenn Eis und Schnee für verschärfte Bedingungen auf der Straße sorgen, stellt Autofahren höhere Anforderungen. Beim Autofahren im Herbst steigt mit jedem Tag das Unfallrisiko. Denn mit Herbstbeginn und Ende der Sommerzeit werden die Tage immer kürzer, ein Großteil aller Fahrten muss in Dunkelheit oder Dämmerung absolviert werden – und oft genug im dichten Nebel. Dabei sind es immer wieder die gleichen Fehler, die Autofahrer machen: Sie fahren zu schnell weiter, sie halten zu wenig Abstand. Und sie vertrauen blindlings auf die Technik.

Nervende Nebelschlussleuchte: Mehr Blendfaktor als Sicherheitsplus

Stichwort Nebelschlussleuchte: Im dichten Nebel kann sie ein dickes Sicherheits-Plus sein. Aber leider ist sie ein noch größeres Ärgernis. Millionen Autofahrer schalten die Leuchte schon beim kleinsten Anlass ein. Rücksichtslos. Die Nebelschlussleuchte darf nur bei weniger als 50 Meter Sicht durch Nebel benutzt werden. Nicht bei dichtem Schneefall, nicht bei Dauerregen. Nur bei stark eingeschränkter Sicht durch Nebel. Und auch nur außerhalb von geschlossenen Ortschaften.

Fahren im Nebel mit weniger als 50 Meter Sicht: Höchsttempo 50 km/h

Aber: bei solch dichtem Nebel gilt ein gesetzliches Tempolimit von 50 km/h. Jeder Autofahrer, der die Nebelschlussleuchte einschaltet, muss also runter vom Gas. Wer schneller fährt, muss konsequenterweise die Nebelschlussleuchte ausschalten. Oder sich nicht wundern, wenn der Hintermann ein paarmal mit der Lichthupe aufblinkt. Der will nicht überholen, sondern wird durch die extrem hellen Nebelschlussleuchten geblendet. Vor allem bei Kolonnenfahrt belastet das massiv die Augen. Und hier ist die Nebelschlussleuchte selbst bei dicker Suppe überflüssig: Wenn man schon einen Hintermann gefunden hat, besteht nicht die Gefahr, dass ein schnelles Auto auf die langsame Kolonne auffährt.

Nebelfallen lauern an Gewässern oder in Waldgebieten

Allerdings gilt auch bei der Fahrt in der Kolonne: Ausreichend Abstand zum Vordermann muss unbedingt eingehalten werden. Denn wer sich im Nebel aus Bequemlichkeit dicht an vorausfahrende Fahrzeuge hängt, hat praktisch keine Chance mehr, wenn der erste im Pulk plötzlich bremsen muss oder gar auf ein Hindernis auffährt.

50 Meter Sicht heißt: Die Nebelsuppe ist wirklich dick. Bevor die Nebelschlussleuchte eingeschaltet wird, sollte die Sichtweite getestet werden. Das geht am einfachsten, indem  man die Leitpfosten am Straßenrand zur Orientierung nimmt. Der Abstand beträgt auf der Autobahn normalerweise 50 Meter. Ist der Nebel noch dichter, heißt es noch langsamer fahren. Es bringt sehr viel mehr Sicherheit, vom Gas zu gehen, statt die Schlussleuchte einzuschalten und in den Nebel zu brettern.

Besonders gefährlich sind Nebelwände, mit denen man nicht gerechnet hat. Deshalb sollte man an Flüssen und Seen, großen Wiesenflächen, Tälern oder Waldgebieten vorsichtig fahren. Denn hier muss man mit Nebelfallen rechnen.

Fahren im Nebel strengt an: Pause machen

Fahren im Nebel ist besonders anstrengend und verlangt hohe Konzentration. Deshalb sollte man sich möglichst wenig durch laute Musik oder Gespräche mit den anderen Passagieren ablenken lassen. Generell gilt übrigens dabei: Immer am rechten Fahrbahnrand orientieren, nicht am Mittelstreifen und auch nicht an den anderen Autos. Wer feststellt, dass er müde wird oder die Augen durch das Starren in die weiße Nebelwand brennen, sollte eine kurze Pause auf einem Rastplatz einlegen. Achtung: Im dichten Nebel Vorsicht bei der Fahrt über den Parkplatz, Fußgänger sind erst im letzten Moment zu erkennen.

Fenster und Scheinwerfer putzen: Keinen Meter Sichtweite verschenken

Besser ist es, für gute Sicht zu sorgen: Etwa indem man regelmäßig mit einem Lappen oder Papiertuch die Scheinwerfer und Leuchten abwischt, denn der Film aus Feuchtigkeit und Schmutz, der sich darauf niederschlägt, frisst zum Teile mehr als die Hälfte der Lichtausbeute. Auch die Scheiben sollten in regelmäßigen Abständen mit der Waschanlage gesäubert werden. Erst wenn die Scheibenwischer laufen, erkennt man, welch eine schmutzige Brühe von der Scheibe gewischt wird – das sind kostbare Meter Sichtweite. Nicht zuletzt sollte man auch die Scheiben von innen reinigen, denn hier schlägt sich ein Schmierfilm nieder, der ebenfalls Licht schluckt.

Gefahr durch Aquaplaning und Schmutz auf der Straße

Viele Autofahrer unterschätzen überdies das Aquaplaning-Risiko. Schon bei knapp 80 km/h schwimmen die Reifen auf – und zwar mit nagelneuem Profil. Reifen mit gesetzlichem Mindestprofil von 1,6 Millimeter sind bei starken Regen nur für wenig mehr als 60 km/h gut. Aquaplaning-Fallen lassen sich erkennen: In Vertiefungen in der Fahrbahn steht das Wasser ebenso wie in Spurrillen. Gefährlich sind auch besonders breite Straßen, auf denen das Wasser lange braucht, um abzulaufen. Ebenso lauert erhöhtes Aquaplaning-Risiko in S-Kurven im Bereich des Übergangs zwischen den beiden Kurven. Wenn Sie in die Wasserfalle hingefahren sind, hilft nur eins: Sofort runter vom Gas, die Kupplung treten, sanft abbremsen. Und vor allem: die Lenkung in Geradeausstellung festhalten, nicht wild herumkurbeln.

Vorausschauend fahren muss man auch, um andere Rutschfallen frühzeitig zu erkennen: Vor allem Laub auf der Straße, in Kombination mit Regen so glitschig wie Glatteis. In Alleen oder Waldstücken ist besondere Vorsicht angesagt, und das gilt auch im Einmündungsbereich von Feldwegen. Traktoren, die vom Rübenacker auf die Landstraße einbiegen, hinterlassen je nach Witterung eine breite Lehmspur . Wer hier bremsen muss oder in eine enge Kurve lenkt, stellt schnell fest, dass ABS und ESP viel können, aber keine Wunderdinge vollbringen.

 

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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